Wörth / Karlsruhe
Rheinbrücke steht seit der Sanierung wie eine Eins
Eine Platte aus hochfestem Beton soll die Lebensdauer der Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe um mehrere Jahrzehnte erhöhen. Aber bevor 2018 die Sanierung (Kosten: 14 Millionen Euro) beginnen konnte, wurden neben der Brücke zunächst eine 200 Quadratmeter große Probeplatte gegossen. „Wir wollen die Sicherheit haben, dass die Mannschaft, die vor Ort den Beton aufträgt, nachweist, dass sie das auch kann“, begründete Jürgen Genthner vom Regierungspräsidium Karlsruhe diesen ungewöhnlichen Aufwand.
Der Grund für diese Vorsicht: Das Verfahren mit hochfestem Beton wurde bei großen Brücken in Deutschland noch nicht angewandt, so Genthner. Komplettes Neuland wurde mit der Rheinbrücken-Sanierung dennoch nicht betreten: Die Brücke zum Rotterdamer Containerhafen wurde zuvor erfolgreich mit hochfestem Beton saniert – eine Brücke übrigens mit deutlich höherer Verkehrsbelastung als die Rheinbrücke.
Kleine Abweichungen können entscheidend sein
Bei den Probeplatten geht es nicht alleine um die Fähigkeiten der Betonbauer. Auch das Material muss stimmen. Denn beim hochfesten Beton muss genau auf die Rezeptur geachtet werden. Kleinere Abweichungen im Materialmix, die bei normalen Beton nicht ins Gewicht fallen, können hier entscheidend sein, so Genthner. Deshalb wurde für die Sanierung der Rheinbrücke Wörth/Karlsruhe vor Ort eine eigene Mischanlage aufgebaut. Nur so können am Ende die entscheidenden Parameter erfüllt werden. Genthner nennt hier neben der Druckfestigkeit den Verbund zwischen Stahlplatte und Betonschicht.
Diese Vorsicht schien nicht unberechtigt: Weil im ersten Anlauf die Betonqualität nicht stimmte, verschob sich der Baubeginn um vier Wochen auf Anfang September. Gegner des Verfahren konnten sich damit zumindest anfangs in ihren Bedenken bestätigt sehen.
Dazu gehörte auch das Wörther Aktionsbündnis für eine 2. Rheinbrücke, das 2017 mit einer Petition eine Verschiebung und Neuausschreibung der Sanierung forderte. Die Begründung: „Das Risiko einer dauerhaften Schädigung der Brücke durch die Sanierung besteht.“ Ein Ersatzneubau würde zwei bis drei Jahre brauchen, ein bewährtes Verfahren solle eingesetzt werden. Außerdem seien die verkehrlichen Maßnahmen wie die Umleitungsregelungen während der Bauzeit unzureichend.
Resolution findet wenig Resonanz
Der Resolution des Aktionsbündnisses war wenig Erfolg beschieden: Nur 279 Menschen unterschrieben. „Es ging seinerzeit darum, dass die Sanierungsmethode in der öffentlichen Wahrnehmung mit heißer Nadel gestrickt schien“, sagt Steffen Weiss rückblickend. Er ist Vorsitzender des Aktionsbündnisses für die 2. Rheinbrücke und mittlerweile Bürgermeister der Stadt Wörth: „Es gab einen Zeitplan, der noch von diversen Probebetoniermaßnahmen abhängig war.“ Die Petition habe bewirkt, dass auch die kritische Begleitung wahrgenommen wurde.
Kritik am Verfahren wurde damals unter anderem mit dem Hinweis begegnet, dass es bereits über mehrere Jahre bei mehreren Brücken in den Niederlanden eingesetzt worden sei, so Weiss weiter auf Fragen der RHEINPFALZ: „Spannender Weise wurde das Verfahren nach dem Einsatz an der Rheinbrücke Maxau dann mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Bei mir bleibt die Frage „Ja was denn nun? Bewährt oder innovativ?“ Hinzu komme, dass das Sanierungsverfahren nach seiner Beobachtung in den letzten fünf Jahren an keiner anderen Brücke eingesetzt wurde, so Weiss. Die beiden technisch mit der Rheinbrücke vergleichbaren Brücken an der A1 bei Köln und der A40 bei Duisburg würden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.
Durchweg positive Bilanz
Gut fünf Jahre nach dem Ende der Sanierung zieht das Regierungspräsidium hingegen eine durchweg positive Bilanz. „Die Rheinbrücke Maxau ist eines der größten und gleichzeitig auch eines der für die zukünftig prognostizierten verkehrlichen Anforderungen sehr gut gerüsteten Bauwerke im Regierungsbezirk Karlsruhe“, sagt Walter Katzik, dem für Ingenieurbau zuständige Referatsleiter im Regierungspräsidium Karlsruhe auf Fragen der RHEINPFALZ.
Die Brücke sei, was ihre Traglastreserven betrifft, so verstärkt worden, dass sie den derzeitigen und künftigen Anforderungen voll gerecht wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass für sie ein Traglastindex von I (auf einer Skala von I-V) ausgewiesen wird.
Zustandsnote 2,2
Die Zustandsnote (ZN) auf einer Skala von 1 bis 4 liegt für das Gesamtbauwerk derzeit bei 2,2 „also in einem durchaus guten Bereich“, so das Regierungspräsidium. Dass dieser Wert nicht bei 1 wie bei einem Neubau liege, sei der Tatsache geschuldet, dass Verkehr- und Umwelteinflüsse immer an einem Bauwerk „nagen“.
Neben leichten Korrosionsschäden, zum Beispiel an der Ausstattung wie Schutzeinrichtungen und Entwässerung, tragen auch Unterhaltungsdefizite wie beispielsweise verschmutzte Entwässerungseinläufe, nicht zurückgeschnittener Bewuchs im Böschungsbereich, zugesetzte Fugen und ähnliches ebenfalls zur Zustandsnote des Bauwerks bei. Auch im Innenbereich der Widerlager gibt es kleinere Betonschäden, wie beispielsweise Abplatzungen oder kleine Risse, die die Zustandsnote beeinflussen.
Die bisherigen Erfahrungen mit dem ultrahochfesten Beton beurteilt Katzik rückblickend als positiv. Der Vorteil sei, dass dadurch die Steifigkeit des Deckbleches des Stahlüberbaus deutlich erhöht werden konnte und somit keine weiteren Risse in den Stahlbauteilen entstehen. „Damit konnte die Lebensdauer der Rheinbrücke deutlich erhöht werden.“
Bei der vor kurzem durchgeführten Gewährleistungsnachschau wurden auch nach fünf Jahren nahezu keine Schäden festgestellt, so das Regierungspräsidium. Nachbesserungsbedarf gebe es daher aktuell nicht. Mittelfristig ist geplant, den Korrosionsschutz für die Schrägseile zu erneuern.
„Aktionsbündnis kann jederzeit aktiviert werden“
„Das ,Aktionsbündnis Zweite Rheinbrücke’ hat erreicht, was es erreichen sollte“, lautet die Bilanz von Weiss: „Dass die zweite Rheinbrücke in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 gekommen ist.“ „Trotz einer schlechten Kosten-Nutzen-Bewertung“, hebt Weiss hervor. Daneben habe das Aktionsbündnis Menschen in der Region vernetzt. Inzwischen seien damals aktive Mitglieder ja auch in politischer Verantwortung und könnten dort über andere Einflussmöglichkeiten auf den jeweiligen Planungsfortschritt schauen. „Das Aktionsbündnis an sich ist derzeit wenig aktiv, kann aber jederzeit aktiviert werden“, so Weiss.
