Kreis Germersheim
Rheinbrücke: Erschütterungen verfälschen Messung
Wörth: Kürzer als gedacht ist die Rheinbrücke von Samstagnacht auf Sonntagmorgen gesperrt gewesen. Eine Stunde früher als geplant heißt es wieder: „Freie Fahrt!“ Der Landesbetrieb Mobilität in Rheinland-Pfalz weist weiträumig auf die Sperrung hin. Es gibt keine besonderen Vorkommnisse. Arbeiten verlaufen erfolgreich.
Die digitalen Hinweisschilder auf der Karlsruher Südtangente können eine prima Sache sein. Zumindest wenn auf diesen die richtige Information auch zur richtigen Zeit steht. Dass dort allerdings die Autofahrer in der Nacht von Samstag auf Sonntag nicht auf eine Vollsperrung der Rheinbrücke, sondern auf die Kunstmesse „art“ hingewiesen werden, ist kurios. Ansonsten lautet das Fazit: Kein Lärm um Nichts. In den frühen Morgenstunden zeichnet sich der kommende Tag erst sehr zart am östlichen Himmel ab. Vögel singen, auf dem Rhein fährt ein Schiff und auch in der Papierfabrik laufen die Maschinen. Nur auf der Rheinbrücke ist es völlig still. Lars Lau ist auch kein lauter Mensch. Seine Kollegen sind mit ihrer Arbeit schon längst fertig und auf dem Weg nach Hause, da schaut sich der Sachgebietsleiter im Baureferat des Regierungspräsidiums noch einmal kurz auf der Baustelle um. Für 3D-Vermessungsarbeiten der blanken Stahlblechoberfläche der Brücke ist diese seit 23 Uhr des vorigen Abends für den Autoverkehr gesperrt. Erschütterungen würden die Daten verfälschen.
„Eine unspektakuläre Baustelle“
„Anders als es in der Öffentlichkeit ankommt, ist es für uns eine unspektakuläre Baustelle. Zwar etwas anspruchsvoll wegen der Herstellungsgenauigkeit, aber nichts, was uns vor unlösbare Probleme stellt“, sagt Lau. Auch die Nachtbaustelle lief ohne Schwierigkeiten, alles ist in Ordnung. Jetzt wird die Fahrbahn noch einmal abgefahren, ob sie auch wirklich frei ist. In der Nacht waren Fußgänger gesichtet worden. Bevor die Strecke freigegeben wird, müssen solche Gefahren ausgeschlossen werden. Dann geht es schon los und ein kleiner Trupp Straßenbauer räumt über eine Stunde früher als geplant die Sperrungen auf die Seite. Es ist noch nicht einmal sieben Uhr. Auf der Karlsruher Seite kommt ein Auto mit Luxemburger Kennzeichen an. Ein älteres Paar sitzt darin, der Mann am Steuer hebt hilflos die Hände. Ein Arbeiter weist ihn auf die Umleitungsschilder hin: „Du musst gucken!“ Doch der Fahrzeugführer ist überfordert. Und darf zu dessen Beruhigung noch etwas warten, bis die Straße frei geräumt ist. Dann ist er der erste, der die Brücke wieder in Richtung Westen befahren darf.
Einer ist immer da
Chef der Straßenbauertruppe ist der erst 23 Jahre alte Sertac. Er hat hier die Nacht verbracht. „Für den Fall, wenn die Polizei anruft und zum Beispiel ein Krankenwagen über die Brücke muss. Dann hätte ich die Sperren wegräumen müssen“, sagt er schon ein wenig müde. Zusätzlich musste er an den Kunststoffbarrieren die LED-Lampen überprüfen. Wäre eine ausgefallen, dann hätte er sie ersetzen müssen. Aber es war nichts los, es war eine völlig ruhige Nacht. Er ist für seine in Hockenheim ansässige Firma im gesamten Bundesgebiet tätig, seinen Job als Straßenbauer findet er richtig gut: „Nur auf der Autobahn ist es wegen der LKW-Fahrer etwas stressig. Die schlafen ja manchmal.“ Und natürlich bekommt er von den Autofahrer so einiges zu hören, wenn diese wegen einer Baumaßnahme im Stau stehen. „Dabei können wir doch gar nichts dafür“, lächelt er die Rolle als Buhmann auf die Seite. Und ja, auch in der Nacht habe es Proteste von Fahrzeugführern gegeben, die nach einer größeren Runde wieder vor seinen Sperren aufgetaucht waren:„Die Umleitung ist falsch!“ Er habe dann immer ruhig geantwortet, dass sie schon richtig ausgeschildert sei und dass man sie halt nur lesen müsse. Einen Autofahrer, der plötzlich nicht mehr geradeaus fahren darf, höflich auf eine mögliche Unaufmerksamkeit hinzuweisen, ist grundsätzlich nicht einfach. Und wird mitten in der Nacht zu einer echten Herausforderung, die nur mit einem besonderen Charme gemeistert werden kann. Und den hat Sertac sicherlich. Gleich ist sein Dienst in einer kalten Nacht vorbei. Jetzt freut er sich nicht nur „auf einen heißen Sommer“, sondern auch auf sein Bett in Speyer. Da er dorthin nicht mehr über die Südtangente fahren musste, wird er dort auch tatsächlich gelandet sein. Und das bestimmt viel lieber als auf einer Kunstmesse in Rheinstetten.
Hinweis auf die „art“ statt auf Umleitung
Auf die Sperrung in Rheinland-Pfalz hingewiesen wurden die Autofahrer auf der B9 aus Ludwigshafen kommend bereits vor Speyer mit digitalen Schildern. Als Ausweichroute wurde die A61 ausgewiesen. Vor Germersheim gab es einen weiteren Hinweis, so dass Autofahrer die B35-Brücke nutzen konnten. Auf die „art“ gab es keinen Hinweis.