Neuburg RHEINPFALZ Plus Artikel Rettung von Vermissten am und im Epplesee geübt

Ein Vermisster wird von Rettungsschwimmern/-tauchern aus dem Epplesee geborgen.
Ein Vermisster wird von Rettungsschwimmern/-tauchern aus dem Epplesee geborgen.

Zwei Menschen werden vermisst. Zuletzt wurden sie am/im Epplesee gesehen. Jetzt muss es schnell gehen. Zahlreiche Rettungseinheiten rücken aus, um zu helfen. Es geht um Leben und Tod. Soweit das Übungsszenario.

Mehr als 40 ehrenamtlich aktive Frauen und Männer aus unterschiedlichen Rettungseinheiten im Landkreis Germersheim und aus Neuhofen nahmen am Sonntag an einer vielseitigen Großübung rund um den Neuburger Epplesee teil. Organisiert hatte die Übung, die Elemente zu Lande, in der Luft und im Wasser enthielt, Sebastian Ries. Er ist Rettungshelfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Ortsverein Steinweiler.

Leblose Person geborgen

Das Übungsszenario, das Ries entworfen hatte, sah zuerst die Suche eines vermissten 80-Jährigen vor, der sich im Bienwald bei Hagenbach verlaufen hatte. Danach mussten die Such- und Rettungseinheiten an den Epplesee nach Neuburg weiterfahren. Dort sollte nach zwei Personen gesucht werden, die zuletzt im See gesehen wurden. Ein Mann trieb beim Eintreffen der Such- und Rettungskräfte noch orientierungslos auf der Wasseroberfläche und konnte gerettet werden. Für eine andere Person kam die Hilfe zu spät, sie war bereits untergegangen und konnte von zwei Tauchern nur noch tot geborgen werden. Reanimierungsversuche waren vergeblich. So das Szenario.

Rettungsdienstler versorgen den Geretteten an Land.
Rettungsdienstler versorgen den Geretteten an Land.

„Wir wurden heute Vormittag gegen zehn Uhr zuhause alarmiert, trafen uns dann sofort bei unserem Ortsvereinsgebäude und warteten dort auf unseren Auftrag“, berichtete Rettungshelfer Timo Kunzmann vom DRK Steinweiler. Nach der ersten Aufgabe, der Suche nach einem Vermissten, wurde das Team im Rettungswagen aus Steinweiler, dazu gehörten an diesem Tag noch Tanja Meyer-Kietz und Tobias Schweitzer, zum sogenannten Bereitstellungsraum (vorsorglicher Treffpunkt für mehrere Einsatz-Einheiten und in sicherer Entfernung zum Katastrophenort) am Ortsrand von Hagenbach geschickt. Dort trafen sie auf andere Rettungseinheiten, die wie sie auf Informationen zum weiteren Einsatz warteten.

Gesucht wird nach dem Vermissten zu Wasser und an Land, unter anderem mit Spürhund Snoopy, ...
Gesucht wird nach dem Vermissten zu Wasser und an Land, unter anderem mit Spürhund Snoopy, ...

Fast alle Einheiten, wie die Wasserwacht des Kreisverbands Südliche Weinstraße oder die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Wörth, wurden von dort schnell weiter an den Epplesee geschickt. Das Dreier-Team aus Steinweiler sollte zuerst noch einen Rettungspunkt im Wald anfahren, um dort nach dem vermissten Senior zu schauen. Mittels Handy und Funkgerät hielten die drei Retter Kontakt mit Patrick Trauth von den Maltesern aus Hatzenbühl, der aus dem Einsatzleitfahrzeug des Katastrophenschutzes im Landkreis Germersheim, es stand in der Nähe des Sees, zentral die Übungsteile steuerte. Navigieren ließen sich die Rettungshelfer mit Hilfe eine Handy-APP, sie heißt „Hilfe im Wald“. In dieser sind die vom Forst eingerichteten Rettungspunkte hinterlegt. Sie wurde von Kunzmann und Schweitzer als wirklich hilfreich gelobt.

Rettungsschwimmer im Einsatz

Am Epplesee bereiteten sich die anderen Suchteams ruhig und zielstrebig auf ihre Arbeit vor. Mitglieder der DLRG Wörth ließen an einer passenden Stelle den motorisierten Kahn ins Wasser, um das Ufer und den weitläufigen See nach den beiden Vermissten abzusuchen. Am Ufer zogen derweil die beiden Rettungsschwimmer Marius Wetzel und Herwé Humbert von der Wasserwacht ihre Neoprenanzüge an. Sie sprinteten ins Wasser und zogen den „lebensmüden“ Statisten Markus Scherrer zurück an Land. Dort warteten bereits Sanitäter, die den Geretteten versorgten, ihn komplett untersuchten und weiter betreuten.

... und aus der Luft. Das Drohnenteam beim Aufbau der mit Kamera und Lautsprecher ausgestatteten Fluggeräte.
... und aus der Luft. Das Drohnenteam beim Aufbau der mit Kamera und Lautsprecher ausgestatteten Fluggeräte.

Aber immer noch fehlte eine vermisste Person. Deshalb ging Hundeführer Achim Marz, Leiter der Suchhunde-Einheit der freiwilligen Feuerwehr Rheinzabern, mit seinem Leichen- und Wassersuchhund Snoopy die Uferlinie ab. Der Vierbeiner mit seiner feinen und gut geschulten Spürnase entdeckte schnell die vorher im See platzierten Geruchsspuren. Wetzel und Humbert hatten mittlerweile ihre Taucherausrüstung angelegt, die Sicherungsleine gepackt und waren abgetaucht. Kontakt zu den beiden hielt Theresa Wetzel, die zum Team der Wasserwacht Südpfalz gehört.

Piloten steuern Drohnen

Um wirklich alle Suchmöglichkeiten zu nutzen, hatte parallel dazu die Drohneneinheit des DRK Lingenfeld auf einer Wiese ihre umfangreiche Ausrüstung aufgebaut. „Seit zwei Jahren haben wir die Drohnen-Einheit“, berichtete ihr Leiter Thomas Karn. „Wir sind aktuell sieben Piloten, die die Ausbildung zum Drohnen-Pilot absolviert haben und viel üben, um sicher mit den Hightech-Geräten umgehen zu können.“ Zur Ausstattung gehört eine stabile, wasserfeste Start- und Landefläche als Basis, von der aus sicher gestartet und gelandet werden kann. Auf einem großen, zweigeteilten Bildschirm können Team-Mitglieder den Flug mitverfolgen, der als Wärmebild und als realistisches Bild die überflogene Fläche abbildet.

Derweil sind Rettungskräfte dabei, einen anderen Gesuchten wieder zu beleben. Vergeblich.
Derweil sind Rettungskräfte dabei, einen anderen Gesuchten wieder zu beleben. Vergeblich.

Neben der Pilotin steht an diesem sommerlichen Sonntag eine zweite Frau, die, wie bei jedem Drohneneinsatz, den Flugraum mit einem Fernglas überwacht. Nach rund 20 Minuten landet das Fluggerät kurzzeitig wieder, denn der aufgebrauchte Akku der Drohne muss getauscht werden. Die Drohnen liefern nicht nur Bilder, sondern sind auch mit Lautsprechern ausgestattet. „Damit können wir bei Bedarf Kontakt von oben mit gesuchten Menschen aufnehmen, sie beruhigen und anleiten“, ergänzt Karn.

Die Besetzung des Suchkahns hat mittlerweile die zweite Person gefunden – leblos, so die Annahme. Reanimierungsversuche im engen Boot bleiben erfolglos. Auch der Einsatz der Rettungssanitäter, die weiter probieren, den Mensch zu retten, ist vergeblich.

Zwischen den vielen konzentriert und gewissenhaft übenden Ehrenamtlichen pendelt unermüdlich Sebastian Ries, der Organisator der großen Übung. Dabei erklärt er auch, was der Anstoß für die Übung war. „Der DRK-Ortsverein Steinweiler hat einen guten Kontakt zum DLRG Wörth, wir arbeiten regelmäßig zusammen. So entstand die Idee, einmal zusammen zu üben und noch weitere Rettungseinheiten zu integrieren.“ Die Idee wurde letztlich fast zu einem Selbstläufer. Denn aus zwei Ortsvereinen wurden schließlich neun teilnehmende Einheiten. Beteiligt sind laut Ries der DRK-Ortsverein Steinweiler, die DLRG Wörth, der DRK-Kreisverband Germersheim mit der Führungseinheit Katastrophenschutz, die Malteser Hatzenbühl mit ihrer Einheit Einsatzleitwagen (ELW), das DLRG Neuhofen, die Wasserwacht SÜW, die Drohneneinheit des DRK-Ortsvereins Lingenfeld, der Rettungsdienst Südpfalz, Wache Kandel, und die Wassersuchhunde-Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Rheinzabern (Achim Marz).

Sponsoren unterstützen

Sebastian Ries sagte noch, dass er sich vor dem Übungstag nach Sponsoren umgesehen hat, die die komplett ehrenamtlich organisierte und umgesetzte Übung unterstützen. Er kann sich nach dem Erfolg des Tages auch eine offizielle Übung auf Kreisebene vorstellen. Denn das gemeinsame Üben bewähre sich, wie bei Echt-Einsätzen immer wieder zu sehen sei.

Ende der Übung. Der motorisierte Kahn wird wieder aus dem Epplesee gezogen.
Ende der Übung. Der motorisierte Kahn wird wieder aus dem Epplesee gezogen.
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