Neupotz
Regen hält Schwimmer nicht ab
Der kalte Wind an diesem frühen Morgen wirbelt die Wasseroberfläche des Neupotzer Altrheins auf, Wellen schlagen unaufhörlich an den Badestrand des Wassersportclubs (WSC). Regen, mal heftiger, dann eher mit einem leichten Nieseln, fällt stetig vom Himmel, das Thermometer zeigt kühle 14 Grad an. Und doch wagen es an diesem ersten Tag im Oktober, zwölf Stunden durchgehend, zahlreiche Frauen und Männer, morgens ab 7 Uhr bis abends um 19 Uhr für eine gewisse Zeit im Altrhein zu schwimmen. Ohne Pause ziehen unerschrockene Schwimmer ihre Bahnen zwischen Strand und einer Wendeboje, die ungefähr 170 Meter vom Ufer entfernt auf den Wellen tanzt.
Toni Hübner ist, zusammen mit seinem Sportkameraden Ulrich Heintz, der erste, der in die kühlen Fluten steigt. Die beiden Männer schwimmen das ganze Jahr über morgens, und das fast jeden Tag, eine Stunde im ehemaligen Baggersee. Deshalb ist es für sie ganz normal, an diesem Morgen nur in Badehosen in das 16 Grad kühle Wasser zu steigen und Bahn um Bahn für einen guten Zweck zu ziehen. Hübner hatte die Idee, ein „Zwölf-Stunden-Schwimmen“ zu veranstalten, dessen Erlös an zwei DLRG-Ortsgruppen gehen soll. Es sind die Vereine aus Wörth und aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, die mit dem Erlös der Aktion Schwimmunterricht für Kinder und Jugendliche anbieten können. Denn immer mehr Kinder würden heute nicht mehr Schwimmen lernen, erklärte auch Horst Burk vom WSC Neupotz. Diesen Verein, zu dem Hübner als Gastschwimmer gehört, konnte er für seine Idee begeistern, Mitgliedern halfen beim Umsetzen. Im Vorfeld vor dem Schwimmmarathon wurde Geld gesammelt; für jede geschwommene Minute, „es sind 720 Minuten“, so Burk, sollten von Spendern 5 Euro gegeben werden. „Wir hatten schon schnell jede Minute abgedeckt, was eine Summe von 3600 Euro einbrachte. Dazu kommt noch der Erlös aus dem Verkauf von Essen und Trinken, das komplett von Sponsoren zugunsten der guten Sache gespendet wurde.“
Trotz des ungemütlichen Wetters waren viele Zuschauer an den See gekommen, um die Schwimmer zu unterstützen. In einem Zelt oder dem Mannschaftswagen des DLRG Wörth zogen sich die hartgesottenen Sportler um, bevor ihr 30- oder 60-minütiger Einsatz begann. Begleitet vom Applaus der Zuschauer, wurde der Schwimmer, der wieder an Land ging, beim Wechseln von seiner Ablösung abgeklatscht, dann zog jeder Schwimmer, fast alleine, seine Bahnen. Zur Sicherheit begleitete ein DLRG-Mitglied auf einem Surfbrett die ganze Zeit den Schwimmer, am Ufer standen weitere DLRGler und beobachteten das Geschehen im Wasser.
Burk gehörte ebenfalls zu den Aktiven an diesem Tag. „Ich schwamm in einem Shorty und Socken aus Neopren, war aber nach 30 Minuten schon froh, wieder aus dem Wasser zu kommen.“ Juliane Bellaire dagegen meinte: „Ich habe nicht gefroren, dank eines langen Neoprenanzugs, auch meine Hände blieben warm.“ Über einen warmen Kaffee und trockene Kleider freute sich die 51-Jährige nach ihrem Bad im See aber schon. Vom DRLG Bad Neuenahr-Ahrweiler war eine Gruppe mit fünf Personen nach Neupotz gekommen. Vier davon wollen auch schwimmen, darunter Harmen Eckert. „Wir gehen abwechselnd ins Wasser, jeder schwimmt einmal um die Boje“, erklärte er lachend. Denn er habe kein dickes wärmendes Polster und friere deshalb trotz Neopren schneller.
Toni Hübner, der den ganzen Tag am See verbrachte, übernahm untertags eine weitere kurze Schicht und stieg mit seinem Freund Ulrich auch zum Abschluss noch einmal ins Wasser, womit er und Heintz auf zwei Stunden an diesem Tag kamen.