Rülzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rampe aus Legosteinen für den dreijährigen Mads

Mads mit seiner Schwester und Rita Ebel.
Mads mit seiner Schwester und Rita Ebel.

Von seiner Auffahrhilfe aus Legosteinen, im Volksmund kurz Legorampe genannt, ist der kleine Mads Hörhold begeistert. Vor einiger Zeit wurde sie vor der Haustür seines Elternhauses montiert. Und die „Lego-Oma“ war auch dabei.

Die Idee zu den Legorampen stammt von Caroline Mülheims aus Köln, die im Jahr 2017 gemeinsam mit dem Verein „Junge Stadt Köln“ die Idee hatte, ehrenamtlich für öffentliche Orte in Köln Rollstuhlrampen aus Legosteinen zu bauen. Das Projekt „100 Rampen für Köln“ war geboren. Schnell haben sich die Legorampen zu einer beliebten Möglichkeit entwickelt, Orte barrierefreier zu machen und Menschen im Rollstuhl nicht länger auszuschließen.

Der Erfolg sprach sich schnell herum, in vielen anderen Städten werden heute auch solche Rampen gebaut. Jede davon ist ein Unikat und zu hundert Prozent handgemacht. Zum Beispiel auch die von Rita Ebel (Hanau), die selbst im Rollstuhl sitzt. Mittlerweile hat die „Lego-Oma“, wie sie sich selber nennt, viele Rampen gebaut und übergeben. Ihr Markenzeichen: Bunte Motive auf den Rampen, die sie gemeinsam mit ihrer Familie und Freunden in mehrstündiger Arbeit anfertigt, so auch für Mads Hörhold aus Rülzheim.

Der kleine Mads ist seiner Geburt an Zerebralparese erkrankt, die mit Bewegungsstörungen und Muskelsteife (Spastik) einhergeht. Sie wird verursacht durch Fehlbildungen des Gehirns, die während der Entwicklung vor der Geburt oder durch einen Gehirnschaden vor, während oder kurz nach der Geburt entstehen. Entdeckt wurde sie bei Mads erst im Alter von 1 Jahr, als er nicht krabbeln wollte. Seine Zwillingsschwester Mina dagegen ist kerngesund. Während sie bereits in Rülzheim in den Kindergarten „Sonnenschein“ geht, kann Mads ab September einen Förderkindergarten in Landau-Queichheim besuchen.

Familie Hörhold.
Familie Hörhold.

Zehn Stunden Bauzeit

Seine Eltern Lisa und Josias haben im Internet solche Auffahrhilfen entdeckt, im Februar Kontakt zu Rita Ebel aufgenommen und sich für eine solche beworben. „Dass es jetzt so schnell gegangen ist, hat uns sehr überrascht“, so Lisa Hörhold im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Da die einzelnen Rampen individuell angefertigt werden, konnte die Familie Hörhold ein passendes Motiv dafür vorschlagen. Rita Ebel, ihre Familie und Freundinnen machten sich an die Arbeit, in zehn Stunden Bauzeit hatten sie 15.000 Legosteine verbaut. Vor einigen Tagen hat Rita Ebel die Rampe, die rund 30 Kilo schwer ist, selbst überbracht. Es ist die mittlerweile 100., die sie und ihre Freundinnen gebaut haben. Gekostet hat die Rampe nichts. Sie werden kostenlos hergestellt und versandt. Die für ihren Bau benötigen Legosteine werden alle gespendet.

„Ich finde es einfach toll, dass eine so einfache und unproblematische Idee so viele Menschen anspricht und durch so viele Generationen geht. Und das ganze ohne erhobenen Zeigefinger“, so Ebel. Sie glaubt, das sei es, was die Legorampen so interessant mache. Das Interesse für ihre Legorampen gehe bereits über die Grenzen Deutschlands hinaus. „Ich habe inzwischen mehr als 200 Bauanleitungen quer durch die ganze Welt geschickt, von Dubai bis in die USA. Unsere Anleitungen gibt es auch schon in fünf Sprachen.“

Mads mit Rita Ebel.
Mads mit Rita Ebel.

Motivation fürs Ehrenamt

Andere zum ehrenamtlichen Engagement zu motivieren, sei nicht immer leicht. „Das liegt daran, dass die Leute glauben, wenn sie sich mal engagiert haben, dann müssen sie ständig vor Ort sein und den Großteil ihrer Freizeit dafür investieren.“ Für sie und Caroline Mülheims ist jedoch klar, dass Engagement und Ehrenamt zu einer inklusiven Gesellschaft dazugehören. Das Ehrenamt sollte aber nicht die Fehler einer Gesellschaft ausgleichen.

Die Familie Hörhold ist glücklich über die Auffahrhilfe, die ihrem Mads jetzt den Zugang zum Elternhaus erleichtert. Ins Haus kommt er damit mittlerweile schon alleine. Im Erdgeschoss „düst“ er mit seinem Rollstuhl herum, „nur das Bremsen muss er noch etwas üben“, meint Mama Lisa. Sie und ihr Mann wollen jetzt die Werbetrommel rühren, damit auch andere Menschen, besonders Kinder, die an einen Rollstuhl gefesselt sind, mit solch einer Auffahrhilfe Erleichterung im Alltag haben.

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