Neupotz
Projektziel ist kohlendioxidärmere Milchproduktion
Ein Gerät, so groß wie ein Schuhkarton, ist dieser Tage und mindestens noch die nächsten drei Jahre Dominik Bellaires ständiger Begleiter. Sei es, dass der Landwirt vom Neupotzer Schmiedhof gerade Gülle lädt und sie auf die Felder bringt. Sei es, dass er seinen Kühen die richtige Futterqualität zuführt. Das Gerät ist immer dabei. Mal wird es in eine Halterung am Güllefass gehängt, mal stationär im Stall angebracht. Das Gerät heißt HarvestLab3000 und verfügt über eine Nah-Infrarot-Sensorik und kann messen, was Landwirte früherer Generationen nur nach Gefühl und Erfahrung abschätzen konnten.
Beim Gülleausbringen etwa lassen sich die Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium exakt analysieren. Das ist wichtig, zu wissen, um die Böden entsprechend ihrer jeweiligen Qualität passgenau düngen zu können. Oder aber es werden die Inhaltsstoffe des Futters gemessen. So lassen sich die Futterrationen mit ihrem jeweiligen Nährstoffgehalt genau an die Bedürfnisse der Tiere anpassen. Eine Überfütterung wird damit vermieden. Das dient dem Tierwohl, aber auch der Umwelt. Denn je weniger das Rind rülpst, desto geringer sind auch dessen klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Aber es kommen noch sehr viel mehr Faktoren zusammen, wenn der ökologische Fußabdruck der Kuhmilch bestimmt werden soll.
Forscher und Firmen dabei
Und darum dreht sich das gemeinsame Projekt „Nachhaltigere Milch“ der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle und der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern sowie den Unternehmen Hochwald Foods Molkerei, BASF SE und John Deere. Auch der Schmiedhof und der Wahlerhof Zweibrücken sind beteiligt. Das Projekt will Methoden entwickeln, wie Milch produktiver, aber auch nachhaltiger erzeugt werden kann.
„Gut an dem Projekt ist, dass die komplette Kette der Milcherzeugung ins Auge gefasst wird“, erklärt der Neupotzer Landwirt Dominik Bellaire. Schon wo das Futtermittel für die Kühe herkommt, ist relevant. Ob beispielsweise aus Südamerika importierter Soja verfüttert wird oder ob die Kühe die von benachbarten Höfen angelieferten Rapskuchen oder Rübenschnitzel fressen.
Landwirte liefern Daten
Dominik Bellaire muss innerhalb des Projekts alle Daten liefern, die bei ihm am Schmiedhof erfasst werden. Dazu zählen die Informationen aus dem oben genannten Gerät, aber auch andere Aufzeichnungen, etwa die vom Melkroboter, von den Sensoren im Stall oder von den Sensoren an jeder Kuh. Auf dem Schmiedhof leben 60 Milchkühe mit Nachzucht, das sind rund 100 Tiere. Erfasst wird also, wie viel Milch die Kuh gibt, aber auch wie viel sie frisst, wie viel Schritte sie sich bewegt und vieles mehr.
Auch beim Ackerbau wird gemessen: Wie viel wird gedüngt, gesät, geerntet et cetera? „Das Ganze ist ein sehr großes Datenmanagement“, sagt Dominik Bellaire, der auf seinem Handy eine App hat, die mit einer virtuellen Datenbank verbunden ist. Ab 1. März, wenn es an die Aussaat geht, startet die Datenerfassung und läuft dann drei Jahre, bis Bilanz gezogen wird. Während der Laufzeit soll sich durch verschiedene Methoden und den Einsatz von Technologie einiges verbessern, sprich: Die Milchproduktion soll weniger Treibhausgas-Emissionen verursachen.
Bodennutzung von Belang
Einsparpotenziale liegen vermutlich bei der Nutzung der Böden. Jeder Quadratmeter Acker der insgesamt 200 Hektar des Schmiedhofs ist kartographiert. Aus gesammelten Ertragsdaten vergangener Jahre ist erfasst, wo die Erde besonders gut und fruchtbar ist. Umgekehrt sind auch Bodenflächen aufgeführt, wo mit überhaupt keinem Ertrag zu rechnen ist. Solche Stellen gibt es immer wieder mal, am Rand von Gewässern, aber auch inmitten eines Feldes. Anstatt hier unnötig Saat und Dünger auszubringen, will Dominik Bellaire solche Stellen für Bio-Diversitätsmaßnahmen nutzen, etwa für ein Lerchenfenster oder eine Blühinsel. Auch so etwas wird digital erfasst und in die Gesamtbilanz miteinberechnet.
Für das Projekt mit den beiden Beispielhöfen in Neupotz und Zweibrücken wurden eigens zwei etwas gegensätzliche Höfe ausgesucht. In Zweibrücken etwa wird konventionell im Gruppenmelkstand gemolken. In Neupotz hingegen gibt es den Melkroboter, mit dem sich die Kühe zu jedweder Tages- oder Nachtzeit selbständig melken lassen. Bei dem Projekt wird auch der Stromverbrauch dieser Melkanlage gemessen. Dominik Bellaire glaubt jedoch nicht, dass das in puncto ökologischer Fußabdruck groß ins Gewicht fallen wird. Genaueres weiß man in drei Jahren.
Termin
Pfälzer Ackerbautag am Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr, in der Aula des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) in Neustadt. Vier Referenten sprechen unter anderem über die Neuausweisung „roter Gebiete“ im Land, Pflanzenschutz in Naturschutzgebieten sowie Digitalisierung. Zu letzterem Thema spricht der Neupotzer Landwirt Dominik Bellaire. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.