Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Preiserhöhung (über)lebensnotwendig

Ein Neustart mit den alten Preisen hätte das Naturfreundehaus nicht überlebensfähig gemacht, sagt der Wirt.
Ein Neustart mit den alten Preisen hätte das Naturfreundehaus nicht überlebensfähig gemacht, sagt der Wirt.

„Wer die erste Coronawelle überlebt hat, kann es schaffen“, sagt Peter Bolze. „Aber etwa 40 Prozent der gastronomischen Betriebe werden die Segel streichen müssen.“ Bolze ist seit über 20 Jahren Pächter des Naturfreundehauses Kandel. Für die in der RHEINPFALZ geführte Debatte um angeblich überhöhte Preise in seinem und anderen Biergärten, war er mehrere Tage lang nicht erreichbar, möchte dazu aber doch Stellung nehmen.

Bolze macht gar kein Geheimnis draus, dass er nach der Corona-Pause die Preise erhöht hat. „Essen um zehn Prozent, Getränke um 20 Prozent. Außerdem haben wir höherpreisiges Essen zusätzlich in die Speisekarte genommen.“ Er verstehe durchaus, wenn in der Corona-Krise Menschen den Gürtel enger schnallen müssen und nicht mehr so oft ausgehen können. Aber gerade die Gastronomie sei eine der am härtesten betroffenen Branchen. Hier gehe es für Betriebe und ihre Angestellten um die Existenz.

Vierteljahr ohne Einkommen

Die Ausgangsposition vor der Krise sei eine 10-prozentige Lohnerhöhung für das Personal am 1. Januar gewesen, erzählt der Naturfreundehaus-Pächter. Er hat 29 Leute im Betrieb, 11 davon fest angestellt. Schon damals sei fraglich gewesen, ob die Lohnerhöhung nicht an die Gäste weitergegeben werden muss. Dann kam Corona. „Wir mussten 12 Wochen lang schließen, hatten gar keine Einnahmen.“ Die Zeit sei für Renovierungen in der Gaststätte genutzt worden. Da geht es immerhin um 600 Plätze, 160 davon innen, der Rest im Biergarten.

„Als wir dann im Mai wieder öffnen durften, haben wir die Preise erhöht. Sonst funktioniert es nicht.“ Es gehe schlichtweg darum, Monat für Monat Einkauf, Gästezahl, Einnahme pro Gast zu kalkulieren. Am Einkauf wolle er auch nicht sparen, nach wie vor beziehe er sein Fleisch direkt vom Metzger und nicht aus einem Großhandel oder Discounter. „Man kann es halt nicht jedem recht machen“, zuckt Bolze mit den Achseln. Derzeit müsse der Betrieb mit etwa der Hälfte der möglichen Gäste zurechtkommen, das sei schwierig genug.

Im Winter wird’s kritisch

Bolze hofft auf einen noch langen, schönen Sommer, dann könne er mit dem Biergarten vielleicht noch was ’rausreißen. „Wenn das Jahr am Ende für uns Null auf Null aufgeht, wäre das ein großer Erfolg“, schätzt er die Situation ein. Überhaupt Jahresende. Den Winter hält Bolze für die absolut kritische Zeit. Da werde sich zeigen, welcher Gastronomiebetrieb Überlebenschancen hat. Er hoffe natürlich, nicht zu den 40 Prozent zu gehören, die aufgeben müssen.

Unzufrieden ist der Naturfreunde-Wirt mit der Unterstützung des Staates. Die Reduzierung der Mehrwertsteuer sei ok, die helfe, ein paar Euro zu verdienen. Aber alles andere sei schlecht gemacht, an zu viele nicht erfüllbare Bedingungen geknüpft gewesen. „Wir haben deshalb keine Unterstützung vom Staat in Anspruch genommen.“

Corona-Sperre: So trostlos sah es bei bestem Wetter im April im Naturfreunde-Biergarten aus.
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