Kreis Germersheim Polizisten testen gesünderes Schichtmodell
KREIS GERMERSHEIM: Seit gestern arbeiten die Polizisten der Inspektionen Germersheim und Wörth nach neuen Schichtmodellen. Germersheim ist eine von fünf Modellinspektionen, deren Schichtarbeit wissenschaftlich begleitet wird. Das neue Schichtmodell genießt in Germersheim große Akzeptanz.
Mit dem Programm „Gesünder arbeiten in der Polizei“ soll eine seit 2003 geltende EU-Richtlinie umgesetzt werden, nach der zwischen Schichten immer eine Ruhepause von elf Stunden sein muss. Das Land Rheinland-Pfalz will zum 1. Januar 2018 die Schichtzeiten der Polizei der Richtlinie anpassen und sucht ein für Polizisten gesünderes Schichtmodell. Die Germersheimer Polizeiinspektion ist eine von fünf Pilotinspektionen im Land, deren Arbeitszeitenmodell wissenschaftlich begleitet wird. Gestern Morgen hat die erste Dienstgruppe mit dem neuen Wechselschichtplan begonnen, der unter Federführung von Dienstgruppenleiter Jens Völlinger und Polizisten aus jeder der fünf Dienstgruppen ausgearbeitet worden ist. Rund 91 Prozent der Polizisten, die bei der Befragung mitmachten, haben sich laut Wolfgang Zöller, Leiter der Polizeiinspektion, für das neue Schichtmodell ausgesprochen. Die Akzeptanz sei groß. Bisher wurde wie in den meisten Dienststellen im Bereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz nach einem Wechselschichtmodell mit Doppelschlag (zwei Dienste an einem Tag) gearbeitet. Das heißt, die Polizisten starteten mit einer Spätschicht und arbeiteten neun Stunden. Danach ging es nach Hause, etwas essen und schlafen, bevor mit einer Frühschicht am folgenden Tag sieben Stunden lang weitergearbeitet wurde. Dann gab es eine Pause von neun Stunden und es folgte die Nachtschicht (neun Stunden). Die Polizisten hatten danach drei freie Tage. „Die EU-Richtlinie besagt, dass zwischen den Teilschichten eine Pause von mindestens elf Stunden sein muss“, erklärt Zöller. In jedem Polizeipräsidium im Land gebe es eine Pilotinspektion, sagt Völlinger, Germersheim sie die des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Seit gestern wird Jens Völlinger zufolge in Germersheim nach folgendem Schichtplan gearbeitet. Eine Dienstgruppe beginnt mit zwei Frühdiensten, an den beiden folgenden Tagen werde Spätschicht gearbeitet und danach zweimal Nachtschicht. Eine Schicht dauert acht Stunden. „Nach den sechs Tagen Arbeit gibt es vier freie Tage“, verdeutlicht Völlinger die Unterschiede. Laut Zöller wurde nach dem bisherigen Schichtmodell etwa 37 Jahre lang gearbeitet. Nicht jeder in der Polizei sei mit dem Abschaffen des Doppelschlags einverstanden. Die meisten Probleme gab es Zöller zufolge, wenn Polizisten aus der Spätschicht kamen und morgens mit dem Frühdienst weitermachen mussten. Manche hätten Probleme mit zu wenig Schlaf gehabt, seien nicht zur Ruhe gekommen. Ob das Germersheimer Arbeitszeitenmodell im Land Schule macht, ist unklar. Das Land lässt die Schichtmodelle der Pilotinspektionen wissenschaftlich begleiten. „Im Dezember haben wir einen Frageboden zum Status quo ausgefüllt“, sagt Völlinger. Mitte des Jahres werde es erneut einen Fragebogen geben und am Ende der Testphase. Der Hauptkommissar zeigt sich sicher, dass in der Zwischenzeit die Pilotinspektionen sich untereinander rege austauschen werden. Nach welchem Schichtmodell Germersheim ab 1. Januar 2018 arbeiten wird, ist noch nicht klar. Denn wie bisher auch darf Zöller zufolge jede Inspektion nach dem Schichtmodell arbeiten, die den Polizisten zusagt. Voraussetzung sei, es passe in die Vorgaben von Land und EU. Neu sei, dass seine Kollegen, die Nachtschicht arbeiten werden, ihren Dienst früher beginnen und dafür früher gehen können. Sie verstärken dadurch die Spätschicht, in der in der Regel sehr viel Arbeit anfalle. „Doch eine Mindeststärke bleibt bis morgens erhalten“, sagt Zöller. Das gehe nur nach Absprache mit den Schichtkollegen. In Wörth wird seit gestern auch nach einem neuen Modell gearbeitet, das nicht wissenschaftlich begleitet wird. Wie bei der Germersheimer Polizei auch, wird in den fünf Dienstgruppen Früh-, Spät- und Nachtschicht an drei Tagen gearbeitet. Die Mittwochsschicht wird donnerstags kopiert, heißt, „wer mittwochs Spätdienst hat, muss auch donnerstags spät arbeiten“, erklärt Franz Heintz von der Wörther Polizei. Auf die Nachtschicht folgen zwei freie Tage. Sonntags gibt es in Wörth 12-Stunden-Schichten. Dadurch gewinnen die Dienstgruppen laut Heintz zusätzlich einen freien Sonntag im Monat. Dieses neue Probe-Schichtmodell werde bis Ende Juni gefahren, ab 1. Juli werde erneut umgestellt. Dann sollen sonntags die 12-Stunden-Schichten wieder wegfallen. |wim