Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Polizist mit Faible für Autos und Prävention

Uwe Becker an einem seiner letzten Arbeitstage in seinem Büro. An der Wand im Hintergrund eine „Zeitreise seines Arbeitslebens“.
Uwe Becker an einem seiner letzten Arbeitstage in seinem Büro. An der Wand im Hintergrund eine »Zeitreise seines Arbeitslebens«.

Der Chefsessel der Polizeiinspektion bleibt nur kurz unbesetzt, wenn Uwe Becker in Ruhestand geht. Der Polizist war rund 19 Jahre in der Stadt und ist doch weit gereist.

Der Westpfälzer Uwe Becker war viele Jahre bei der Polizei in einer Leitungsfunktion tätig, zuletzt eineindreiviertel Jahre auf dem Chefsessel der Polizeiinspektion Germersheim. Nun tauscht er diesen Stuhl gegen den Autositz eines schnittigen Porsche 911. Denn für Autos hatte der Erste Polizeihauptkommissar und gelernte Maschinenbauer schon immer etwas übrig.

„Ich gehöre zu den wenigen bei der Polizei, die einen Gesellenbrief haben“, sagt Uwe Becker. Deshalb sei seine Verwendung schon immer „techniknah“ gewesen. Angefangen hat die „Polizeikarriere“ Beckers beim Bundesgrenzschutz (BGS) 1978. Im Juni 1980 war er „bei der Räumung der freien Republik Wendland“ dabei. Die Demonstrationen gegen die Startbahn West Jahre später blieben ihm ebenso in Erinnerung wie die beiden zurückliegenden Corona-Jahre mit ihren Montagsprotesten und die Demonstrationen wegen des Todes der Schülerin Mia in Kandel. „Die PI Germersheim war bei über 50 Castortransporten gefordert“, blickt Becker zurück. Und in Germersheim „hast Du nie schon alles erlebt“.

Zwei Botschaften bewacht

Viel erlebt hat Uwe Becker bei seiner Zeit im BGS, als er als Sicherheitsbeamter in den Botschaften von Teheran und Peking eingesetzt war oder vier Jahre als Flugbegleiter bei der Lufthansa auch Abschiebungen übernommen hatte. Becker machte die Fahrlehrerausbildung und war zuletzt „als Schirrmeister in Lorch für einen großen Fuhrpark“ beim BGS tätig, bevor er zur Landespolizei wechselte und unter anderem in Schifferstadt bei der Bereitschaftspolizei seine Verwendung fand. Vom Polizeimeister bis zum Ersten Polizeihauptkommissar „habe ich keinen Dienstgrad ausgelassen“, sagt Becker.

1996/1997 kam er das erste Mal nach Germersheim während seines Studiums auf dem Hahn und machte in der Festungsstadt seine praktischen Ausbildungen. Am 1. März 2000 übernahm er bei der „alten Dienststelle in der 17er-Straße “ den Sachbereich Einsatz und Verkehr. Und hier hat er „viele Dinge angestoßen“. Und das oft zusammen mit der RHEINPFALZ. Deshalb hat Heinrich Schuster zu Becker immer gesagt : „Das mit der Presse, das machst Du.“ Und als Fahrlehrer hatte er ein Faible für Autos. So verwundert es nicht, dass Becker, der großen Wert auf Prävention legt, Fahrsicherheitstrainings für Senioren im Bundesland mitentwickelt hat. Nachdem Automobilclubs und andere das auch angeboten haben, „wurde es beim Land wieder eingestellt“, bedauert der heute 62-Jährige. Zur Prävention gehört aus seiner Sicht auch, dass Autofahrer auf Wildwechsel achten. Er initiierte Testversuche mit alten CDs, die an Strecken mit vielen Wildunfällen am Straßenrand aufgehängt wurden. Ob Autofahrer „deswegen langsamer fuhren“, oder das „Wild beim Queren der Straße gestört wurde“ ist nicht geklärt. Aber bemerkt „haben wir, dass sich dort weniger Unfälle ereigneten“, sagt der Polizist.

Crash-Kurs wiederbeleben

Für Becker ganz wichtig nach der Corona-Pandemie ist, dass wir „die Crash-Kurse wiederbeleben“. Das ist Verkehrs- und Unfallprävention für Heranwachsende. Dabei werden reale Unfälle als Beispiel genommen, Retter, die vor Ort waren, schildern dabei ihre Wahrnehmungen und die psychische Belastung. Beim Erzählen wird der ansonsten immer lustig aufgelegte Uwe Becker plötzlich sehr ernst. Denn bei den Veranstaltungen in Schulen kommen auch Polizisten zu Wort, die den Unfall aufnehmen und bearbeiten sowie unter Umständen den Hinterbliebenen Todesnachrichten überbringen müssen.

Viel gelernt hat Becker eigenen Aussagen zufolge auch von Jürgen Schmitt, dem heutigen Polizeiinspekteur des Landes Rheinland-Pfalz. Als der im Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen Präsident war, war Becker sein Assistent. Die AG Bürgerbeteiligung „Bürgerforum“ sei gemeinsam entwickelt worden. Das Gespräch mit Bürgern, deren Sicherheitsgefühl und Wahrnehmung der Polizeiarbeit sei immens wichtig. Und darin ist sich Uwe Becker mit seinem Nachfolger, der am 1. Juni seinen Dienst antreten wird, einig. Am Freitag, 20. Mai, seinem 62. Geburtstag, hat der verheiratete Becker seinen letzten Arbeitstag. Geplant ist im Sommer ein mehrwöchiger Urlaub durch Europa – mit seiner Frau Petra, dem 911er und einem Dachzelt.

Vor 14 Jahren organisierte Uwe Becker auf dem Messplatz eines der ersten Fahrtsicherheitstrainings für Senioren.
Vor 14 Jahren organisierte Uwe Becker auf dem Messplatz eines der ersten Fahrtsicherheitstrainings für Senioren.
x