Kreis Germersheim Pflichtenheft für Geothermiekraftwerk

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Seit Anfang März sind Experten im Suchraum für das geplante Geothermiekraftwerk im Wald zwischen Bellheim, Westheim und Lustadt damit beschäftigt, hohle Bäume darauf zu untersuchen, ob darin Vögel oder andere Tiere nisten. Die vom Tierschutzgesetz vorgeschriebene Suche soll bis zum Monatsende andauern, sagte Lutz Stahl der RHEINPFALZ. Er ist Geschäftsführer der Karlsruher Firma Deutsche Erdwärme (DE), die das Geothermiekraftwerk bauen möchte. Bis Ende Juni soll der Naturschutzaspekt des Suchraums soweit beleuchtet sein, um ein Fazit zu ziehen. Zuletzt hatte Christiane Vollrath von der Lustadter CDU heftige Kritik an dem Vorhaben geübt und eine Reihe von Fragen in den Raum gestellt, auf die sie bis dato noch keine Antwort erhalten habe (wir berichteten am Freitag). Was Umfang, Mitglieder und Kunden des zu bildenden Wärmenetzes anbetrifft, so sei es für Antworten noch zu früh, sagte Stahl. Es sei das Problem der frühen Bürgerbeteiligung, dass vieles noch nicht feststehe und erst noch erarbeitet werden müsse. Bis das Wärmenetz geknüpft sei, dauere es aber noch sechs, sieben Jahre und hänge auch von den Erfahrungen mit dem Kraftwerk ab, das auch Strom liefern soll. Im Hinblick auf die von vielen Südpfälzern befürchteten Erdstöße, die es vor Jahren in Landau und Insheim gegeben hat, sagt DE-Geschäftsführer Stahl, dass im elsässischen Rittershofen ein Geothermiekraftwerk entwickelt worden sei, das ohne spürbare Seismizität arbeite. Dass es in der Südpfalz Erdstöße gab, führt Stahl auf eine noch nicht so weit entwickelte Forschung und handwerkliche Fehler zurück. Um Erdbeben im Zusammenhang mit dem geplanten Kraftwerk zu vermeiden, müssten vier Voraussetzungen erfüllt sein, die mit den Beteiligten zusammengestellt und in einem Pflichtenheft festgeschrieben werden sollen, sagte Stahl. Zum einen müsse die Förderbohrung in durchlässige Reservoirs eingebracht werden, wozu man eine dreidimensionale Ansicht des Untergrunds benötige. Ferner dürfe nicht zu tief gebohrt werden, weil unten härteres Gestein zu finden sei, wo sich leichter Spannungen speicherten. In den oberen, weicheren Gesteinsschichten könne sich nicht so viel Energie sammeln. Drittens müsse man im Kraftwerksbetrieb Druckschwankungen vermeiden. So habe in Insheim ein Blitzeinschlag die Pumpe schlagartig ausfallen lassen. „Das gilt es zu verbessern.“ So müsse eine Batterie ein Notstromaggregat betreiben, um die Pumpe langsam herunterzufahren. Diese Technik sei verfügbar. In Insheim sei das Problem aber in der Form nicht präsent gewesen und infolgedessen seien auch keine Vorkehrungen getroffen worden. Als vierten Punkt nennt Stahl den Aufbau eines feinfühligen Messnetzes, um sich aufbauende Erdbeben zu erkennen und dann die Anlage herunterzufahren, bis die Seismizität sich abgebaut hat. Über diese vier Punkte werde beim nächsten Geothermieforum am 27. März in Germersheim mit Politikern, die selbstgewählte Fachleute mitbringen könnten, Experten und Bürgern gesprochen. Am 3. Mai sei ein Forum zum Thema „Nahwärme“ geplant und am 23. Mai könnte „Umweltschutz“ das Thema sein. Der Standort für ein sogenanntes Redundanzkraftwerk, als Ersatz für das Geothermiekraftwerk, sollte dieses einmal ausfallen, ist laut Stahl noch völlig offen. Zudem sei dessen Standort auch von den Standorten der Hauptwärmekunden abhängig. Es werde aber sicher kleiner als das Geothermiekraftwerk und wohl in einem Industrie-/Gewerbegebiet stehen. Befeuert werde es vermutlich – wie derzeit üblich – mit Öl oder Gas. Stahl betonte, dass er die Kommunen nicht zwingen wolle, ein Wärmenetz aufzubauen; hier sei er möglicherweise missverstanden worden. Zumal es Firmen, darunter auch Stadtwerke, gebe, die dafür in Frage kämen. Vielmehr habe er auf die Kostenvorteile für Kommunen hinweisen wollen, die für solche Projekte sehr günstige KfW-Kredite erhalten könnten. Deshalb halte er ein kommunales Engagement zwar für sinnvoll, aber für keine Pflicht. Was mögliche Schäden durch Erdstöße anbetrifft, so steht laut Stahl der Kraftwerksbetreiber in der Pflicht sie zu begleichen; bei diesem liege auch die Beweislast. Vor dem Bau des Kraftwerks soll deshalb eine Versicherung über mindestens 50 Millionen Euro abgeschlossen werden. Gegen eine von der CDU Lustadt befürchtete Grundwasserverschmutzung ließe sich baulich etwas tun, sagte Stahl. Und sollte es tatsächlich dazu kommen, dann würden Messgeräte sie sofort erkennen und man könnte entsprechend reagieren. Würde die Bohrung nicht gleich zum Ziel führen, werde diese an gleicher Stelle variiert, antwortete Stahl auf eine weitere Frage der Lustadter CDU. Sollte auch diese Bohrung wider Erwarten erfolglos verlaufen und die Bohrstelle verschlossen werden müssen, dann zahle dafür die Deutsche Erdwärme. Die entsprechenden Mittel, schätzungsweise 600.000 Euro, müssen nach Stahls Aussage in einen obligatorischen Rückbauplan eingestellt werden. |gs

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