Kreis Germersheim Pferde lehren Schülern Ruhe und Respekt
Es ist doch ein eher ungewöhnliches Bild, das sich heute auf dem Reiterhof „Appolon“ in Hagenbach zeigt: Heranwachsende Jungs stehen voller Demut dem Pferd gegenüber. Von gespielter Coolness und gefühlter Überlegenheit nichts zu spüren. Statt laute Sprüche leises Gemurmel, statt lässigem Gang verhaltene Schritte.
Die berufsvorbereitende 7a der Realschule Plus in Kandel nimmt an dem Kurs „Präventiv gegen Mobbing an Schulen“ teil. Veranstaltet wird das erlebnispädagogische Projekt von dem Unternehmen „Apollon – Führen Erleben Reiten“ der Reitpädagogin Daniela Paul, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Authentizität, Konsequenz und Achtsamkeit zu vermitteln und zu trainieren. 22 Jungs sollen heute den respektvollen Umgang mit dem Pferd lernen, das Tier genau beobachten, um die Erfahrungen auf ihren Alltag zu transferieren. Keine leichte Aufgabe, was auch Benjamin und Maximilian schnell zu spüren bekommen. Nach einer ersten, etwas verhaltenen Begrüßung des Pferdes sollen sie den 26 Jahre alten Welsh Cob Wallach und Namensgeber des Reiterhofs Apollo bewegen. Zu Beginn macht er gut mit, aber nach ein paar Schritten läuft er nicht mehr weiter und die beiden Klassenkameraden stehen vor der ersten Herausforderung. „Das Pferd folgt und reagiert erst, wenn die Kinder authentisch und selbstsicher auftreten“, erklärt Paul, „sie müssen genau wissen, wo sie hin wollen.“ Und der 13-jährige Jonas fügt aus Erfahrung hinzu: „Wenn man aggressiv wird, geht gar nichts. Es klappt nur durch loben.“ Die 22-jährige angehende Erlebnispädagogin Laura Ils redet währenddessen nicht den Pferden, sondern den Schülern gut zu. Ist der erste Frust überwunden, schaffen es die Schüler die Pferde zu bewegen und dürfen sie im nächsten Schritt über kleine Hindernisse führen. Ein gewisse Zufriedenheit ist dabei nicht zu übersehen. „Es ist immer wieder faszinierend, dass die Jungs in kürzester Zeit Kontakt zu den Pferden aufnehmen. Nach einer Zeit sind sie total vernarrt in die Tiere, was man am Anfang nicht erwartet“, sagt Ill. Auch die beiden Klassenlehrer Jens Willich und Nina Herzog erleben ihre Schüler anders als im Klassenzimmer. Anfang des Jahres machte die Klasse bereits ein Präventionskurs, jedoch in der Turnhalle und ohne Pferde. Das Verhalten der Schüler sei damals bei weitem nicht so vorbildlich gewesen. Mobbing sei an sich aber kein Problem in der Klasse. Um den Klassenzusammenhalt dennoch weiter zu verbessern, werden auch Spiele zur Förderung der Sozialkompetenz angeboten. Ein Teil der Klasse schult gerade seine Geduld an der Übung „Fliegender Stab“. Da diese nicht auf Anhieb gelingt, fallen hier und da auch mal Schuldzuweisungen. Doch Paul weiß: „Man muss oftmals erst in die Frustration rein kommen, damit sich etwas ändern kann. Und Pferde machen das wunderbar mit.“ Doch auch die Schüler machen hervorragend mit. Der zwölfjährige Maximilian ist begeistert von Apollo. „Er strahlt so eine schöne Ruhe aus“, sagt er. Wer weiß, vielleicht können die Jungs diese Ruhe ja mit ins Klassenzimmer nehmen. Ihre Lehrer würde es freuen. |resc