Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Pfarreien grübeln über Gottesdienste

Viele Gemeinden sagen die Gottesdienste ab und bieten alternative spirituelle Impulse für Gläubige.
Viele Gemeinden sagen die Gottesdienste ab und bieten alternative spirituelle Impulse für Gläubige.

Während die meisten Geschäfte, Restaurants und Schulen geschlossen bleiben, dürfen die Kirchen Gottesdienste feiern. Viele Pfarreien schließen sich aber dem Lockdown an und haben sie bis Ende Januar abgesagt. Andere überlegen noch.

Anfang vergangener Woche haben die protestantischen Pfarrer im Dekanat Germersheim in einer Videokonferenz darüber beraten, wie es weitergeht. „Jedes Presbyterium vor Ort entscheidet selbst“, sagt Dekan Claus Müller. Das war schon seit Beginn des Dezember-Lockdowns so. „Das ist ein Unterschied zu den Katholiken, wo der Bischof das anordnen kann.“ Die katholische Kirche hatte die Gottesdienste nach Weihnachten bistumsweit bis 10. Januar abgesagt. Auch die allermeisten protestantischen Gemeinden hatten sie laut Müller ausgesetzt, nicht zuletzt nachdem kurz vor Weihnachten der Landrat und das Gesundheitsamt alle religiösen Gemeinschaften darum gebeten hatten.

Der Tenor bei der Video-Konferenz vergangene Woche war kaum verändert: „Die meisten Pfarrer wollen mit den Presbyterien sprechen, dass die Gottesdienste bis Ende des Lockdowns ausgesetzt werden“, so Müller. Einige Gemeinden haben sie bereits abgesagt. „Da schlägt natürlich unser Herz, aber der Schutz der Bevölkerung geht vor.“ Eine Ausnahme seien die Gottesdienste zur Einführung der im November neu gewählten Presbyter. Das sehe die landeskirchliche Verordnung so vor. „Vorher sind sie nicht im Amt und können nicht handeln“. Diese kurzen Feiern fänden in kleinem Rahmen statt.

Rubeck: „Alternative zwischen Pest und Cholera“

Die Ansage des Bistums ist am Sonntag ausgelaufen. Jetzt sind auch die katholischen Pfarreien gerade in der Entscheidungsfindung, wie es weitergeht. „Unser Votum lautet, die Gottesdienste bis Ende Januar auszusetzen. Wir wollen den politischen Lockdown mitgehen und niemanden locken“, sagt Dekan Jörg Rubeck nach einer Sitzung des Pastoralteams und Pfarreiratsvorstand der Germersheimer Nardini-Pfarrei. Über die Empfehlung sollen alle Pfarreiratmitglieder abstimmen. Einen Überblick über die Entscheidungen in den anderen Kirchengemeinden im Dekanat hat Rubeck bislang noch nicht.

In seiner Pfarrei war die Debatte „ein heftiges Hin und Her. Wir haben die Alternative zwischen Pest und Cholera“, sagt er. „Egal, wie man sich entscheidet: Nicht jeder findet es gut. Aber wir wollen kein Forum bieten, damit das Virus um sich greift.“ Abgesehen von der Verantwortung gegenüber Besuchern möchte Rubeck auch die Ehrenamtlichen, die Plätze zuweisen müssten, keinem Risiko aussetzen. Die exakte Platzverteilung schon bei der Anmeldung erschwere zudem die Organisation. Vor Weihnachten – es gab sieben Gottesdienste an Heiligabend – seien die Telefone nicht stillgestanden.

Nur Gottesdienste an Werktagen entfallen

Eine Entscheidung ist bereits in der Pfarrei „Heilige Vierzehn Nothelfer“ Kandel mit Minfeld, Schaidt und Steinweiler gefallen: Hier finden wieder Gottesdienste statt. Ein Empfangsdienst registriert die Besucher, desinfiziert die Hände und weist die Plätze zu. Masken müssen getragen werden, Gemeindegesang ist nicht erlaubt. Die ersten Gottesdienst sind am Samstag, 16. Februar, um 18.30 Uhr in Schaidt, am Sonntag, 17. Januar, um 9.30 Uhr in Steinweiler und um 11 Uhr als Eucharistiefeier in Kandel. Anmeldungen sind im Pfarrbüro (Telefon 07275 1239) erforderlich. Die Werktagsgottesdienste entfallen in der Folgewoche, so der Beschluss des Pfarreirates.

Einwurf: Nicht vermittelbar

Die Gemeinden, die Gottesdienste absagen, handeln klug. Sie schließen von vornherein ein Ansteckungsrisiko aus und geben sich nicht im Nachhinein der Gefahr preis, einen Corona-Hotspot provoziert zu haben. Die Verantwortung liegt bei den Pfarreien und damit bei den Leuten an der Basis selbst. Sie wiegt schwer. Die jetzt noch mal verschärften Einschnitte treffen Bildung, Kultur, Wirtschaft und Privatleben gleichermaßen. Die Sonderstellung für Kirchen und die Ausnahme, dass sich in Gotteshäusern Leute weiterhin versammeln dürfen, ist vielen Menschen schlichtweg nicht mehr vermittelbar.

Weitere Infos zu den Gottesdiensten in den Gemeinden auf dem digitalen Kirchenportal der RHEINPFALZ. https://gottesdienste.rheinpfalz.de

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