Kreis Germersheim „Pfannkuchen, Spaghetti, Pizza“
«Wörth/Jockgrim.» „Ich hoffe, dass ich viele Schüler für das Kochen und Backen begeistern konnte“, bilanziert Sibylle Köhler (62) aus Jockgrim, die jetzt nach über zwölf Jahren im Ganztagsbereich der IGS Wörth verabschiedet wurde. „Dabei habe ich immer viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder alles mit frischen Zutaten selber kochen und backen mussten.“
Die in Berlin geborene Mutter zweier erwachsener Kinder studierte die Fächer Haushalt/Arbeitslehre und Erdkunde In Berlin-Neukölln verbrachte sie ihre zwei Jahre als Lehramtsanwärterin. Da damals in Berlin eine ,Lehrerschwemme’ herrschte, arbeitete sie als Schwangerschaftsvertretung an einer Realschule, leitete einen Schularbeitszirkels zur Erteilung von Förderunterricht am Gymnasium und unterrichtete an Berliner Volkshochschulen in Schreibmaschinenkursen bis März 1989, ehe ihre beiden Kinder zur Welt kamen, erzählt Köhler. 1997 folgte der Umzug nach Jockgrim, da ihr Ehemann berufsbedingt nach Karlsruhe wechselte. In Rheinland-Pfalz kam die große Enttäuschung: ihre Berliner Ausbildung wurde nicht anerkannt. Sie sollte noch ein Studium absolvieren, bei dem eventuell einiges aus Berlin angerechnet würde. „Das wollte und konnte ich nicht mehr mit zwei Kindern im Alter von 4 und 8 Jahren und ohne Verwandte und Bekannte in der Nähe auf mich nehmen“ sagt sie – immer noch enttäuscht. So war Köhler zunächst bei der VHS Wörth in „Kinderküche“ tätig, unterrichtete an Volkshochschulen Maschinenschreiben am PC. Im Oktober 2005 wurde sie an der Regionalen Schule Wörth mit einem mehrstündigen Vertrag für Berufsinformation und eine allgemeine Lernstunde und dann für Koch- und Backkurse eingestellt. Ab August 2008 wurde Köhler an heutigen IGS Wörth unbefristet als pädagogische Fachkraft im Bereich Hauswirtschaft beschäftigt. „Ich bin immer gerne in die Schule gefahren und habe mich über meine zwei Koch- und Back-AGs gefreut. Dabei muss ich sagen, dass es mir mit den jüngeren Schülern noch mehr Spaß gemacht hat als mit den älteren. Und die Jungen waren oft mehr motiviert als die Mädchen“, sagt Köhler. Sie legt zwei Hefte mit Koch- und Backrezepten auf den Tisch, die sie während eines Schuljahres mit den Gruppen erarbeitet hat. Jede Woche kam ein anderes Rezept dran – es wurde immer im Wechsel gekocht oder gebacken. Überraschend waren für Köhler immer wieder die – wie sie sagt – „fehlenden lebensnahen Kenntnisse, was beispielsweise das Tischdecken oder –abräumen, das Verhalten beim Essen oder auch die einfachsten Techniken wie das Apfel- oder Kartoffelschälen angeht. Daran haben wir viel gearbeitet.“ Sie erzählt dann von zwei besonders amüsanten Erlebnissen, als sie „Tassenkuchen“ backten, wobei vieles in Tassen abgemessen wird. „Zutaten und Arbeitsgeräte lagen bereit, die Arbeitsanweisungen waren erarbeitet. Eine Tasse Öl, eine Tasse Zucker und eine Tasse Mineralwasser standen bei einer Gruppe bereit, als diese anstelle einer Prise Salz auch eine Tasse Salz verwenden wollte.“ Oder als bei einem anderen Vorgang drei Esslöffel Wasser in der Arbeitsanweisung angegeben waren. „Da glaubte ein Schüler, diese jeweils vom Wasserhahn an seinen Platz balancieren zu müssen.“ Die Lieblingsgerichte der Schüler seien immer die gleichen: Pfannkuchen mit Nutella, Spaghetti mit Tomatensoße, selbst gemachte Pizza, Langos, Fruchtmilch und Weihnachtsplätzchen.