Kandel
Pfälzische Herausforderung für Sächsin und Badener
Vor 60 Jahren haben sie sich auf dem Standesamt im Kandeler Rathaus das Ja-Wort gegeben, kurze Zeit darauf auch vor dem Traualtar in der St. Georgskirche. Roswitha stammt eigentlich aus Magdeburg und fand mit ihren Eltern und Geschwistern im Jahre 1958 in der Südpfalz ein neues Zuhause. Das war zunächst in Minderslachen. Der Kontrast, so erinnert sie sich an ihre ersten Monate in der Pfalz, hätte nicht größer sein können. Das junge Mädchen aus der Großstadt im Norden war so plötzlich aufs Land verschlagen. Und dazu kamen noch die Probleme mit der Sprache. Aber schon bald hatte sie sich mit vielen Begriffen angefreundet und in der Schuhfabrik Sommer in Kandel eine Arbeitsstelle gefunden. Da gab ihr eine Freundin den Tipp, mit ihr doch den Wechsel nach Karlsruhe zu Siemens zu wagen. Das tat Roswitha dann auch, und hier begegnete sie der Liebe ihres Lebens, Gerald, ebenfalls als Controller bei Siemens tätig. Gerald, und das war eine weitere Herausforderung, stammte aus dem Karlsruher Stadtteil Hagsfeld und sprach besten „badischen Dialekt“. Für die Frau aus Sachsen ganz und gar nicht so einfach.
Unterstützung beim Erlernen des Pfälzischen erfuhr sie täglich von ihren sechs Kindern (drei Mädchen, drei Jungen), die in der Schule ja viel „pälzisches Gebabbel“ aufschnappten und mit nach Hause brachten. Während sich Ehemann Gerald neben seiner Arbeit bei Siemens voll und ganz seinem Hobby als aktiver Fußballer widmete und in Hagsfeld, in Kandel und später dann bei Blau-Weiß Minderslachen spielte, besuchte Roswitha die Gymnastikgruppe oder schloss sich einer Sauna-Gruppe an. „Wir haben unser Leben durchaus genossen“, bekennen die beiden. Zehn Enkelkinder und vier Urenkel gehören zwischenzeitlich dazu. Glücklich sind sie auch über den guten Zusammenhalt der Großfamilie, in der immer etwas los sei. Jetzt allerdings, wegen der Corona-Pandemie, könne man sich nicht so zwanglos treffen wie bisher. „Wir sind stolz auf unsere Kinder, Enkel und Urenkel“, sagen die beiden. Zwischenzeitlich ist man in die Nähe des ältesten Sohnes Torsten gezogen und wohne wieder mitten in der Stadt, erzählt die 79-jährige Jubilarin. Sächsin und Badener in der Pfalz zu sein, war eine Herausforderung, der sich beide stellten. Auch wenn es um das Essen und Trinken ging. „Was ist denn das für eine Bezeichnung für ein Essen“, dachte sich Roswitha Beck, als sie erstmals „Saumagen“ auf einer Speisekarte las. Nun, im Laufe der vielen Jahre haben Roswitha Beck und ihr Mann Gerald so manches kennengelernt und viele Herausforderungen gemeistert, aber auch die Freuden des täglichen Lebens angenommen.