Kreis Germersheim „Pfälzer Hof“ schließt zum 1. August

Hotel und Restaurant befinden sich im historischen Gebäude.
Hotel und Restaurant befinden sich im historischen Gebäude.

Noch läuft der Betrieb auf vollen Touren. Eine Tafel wirbt mit dem Tagesessen, Kandeler Spargel. Im großen Saal stehen im Halbkreis die Stühle von der Probe des Gesangvereins am Abend zuvor. Das Telefon klingelt, eine Buchungsanfrage: „Nein, ab 1. August nicht mehr“, antwortet Steffen Nuß. Gemeinsam mit seinem Bruder Frank Nuß hat er den „Pfälzer Hof“ in Kandel seit 1998 geführt, gemeinsam haben sie entschieden, den Gastronomiebetrieb aufzugeben.

Die Brüder Nuß haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, das ist im Gespräch zu spüren. „Arbeit wäre noch genug da - sogar zu viel“, betont Frank Nuß (48). Das Haus befindet sich seit 1832 in Familienbesitz, „deshalb haben wir damals weitergemacht“, sagt Steffen Nuß (50). Zum 1. Oktober 1998 hatten die Brüder das Haus von den Eltern übernommen, auch das Hotel eröffnet. Gasträume und Saal zählen zusammen 220 Sitzplätze. Das Hotel hat acht Zimmer, davon sind sieben als Doppelzimmer nutzbar. „Wir hatten immer weniger Freizeit, immer mehr Arbeit“, schildert Frank Nuß einige Gründe für die Schließung. 100-Stunden-Wochen seien normal gewesen. „Das geht irgendwann zu Lasten der Gesundheit. Jetzt haben wir noch die Möglichkeit, was anderes zu machen.“ Es sei schwer gewesen, gutes Personal zu finden. Sie arbeiten mit einer Festangestellten und Aushilfen, es habe eine hohe Fluktuation gegeben. Mit einem Nachfolger rechnen die Brüder nicht: Dieser müsste eine neue Konzession beantragen. „Die Auflagen sind so massiv, dass es sich für den neuen Inhaber nicht lohnen wird“, sagt Frank Nuß. Barrierefreiheit, Brandschutz - das wäre in dem alten Gebäude schwierig. Auch eine Verpachtung würde nicht funktionieren, da es sich für beide Seiten nicht rentieren würde, lautet seine Einschätzung. Beide haben keine Kinder, doch selbst wenn sie welche hätten: Sie würden ihnen nicht empfehlen, in diese Branche zu gehen, sagen sie mit entschiedenem Kopfschütteln. „Es lohnt sich nicht mehr, egal, wie man es macht“, sagt Steffen Nuß. Es seien immer mehr Aufgaben dazu gekommen, verweist Frank Nuß auf die wachsende Bürokratie. So habe zum Beispiel die Dokumentationspflicht viel Zeit gefordert. Auch das Verhalten der Gäste habe sich verändert, berichtet Frank Nuß. „Viele kommen und übernachten, essen aber nicht mehr im Restaurant“, ist eine Beobachtung. Ein Familienvater, der als Geschäftsreisender unterwegs sei, müsse aufs Geld schauen. Schon 2017 haben sie beschlossen, das Haus zu schließen. Nun endet in Kandel also eine Ära. Hochzeiten müssen also bald woanders gefeiert werden, Vereine sich einen anderen Treffpunkt suchen. „Im Juni ist der Saal noch gebucht, im Juli wird es sowieso ruhiger“, sagt Steffen Nuß. „Alles andere haben wir absagen müssen.“ Die 81-jährige Mutter bleibt zunächst im Haus wohnen. Auch für die Brüder, die mit dem Gastgewerbe der Eltern groß wurden und später beide eine Ausbildung zum Koch absolvierten, ist es ein großer Schritt. Mit neun Jahren haben er in der Wirtschaft angefangen, erinnert sich Steffen Nuß mit einem liebevollen Blick über den Gastraum. Bei den Kartenspielern hatte er sich an den Sonntagmorgen damit ein Taschengeld verdient, dass er die Zeit überbrückt hatte, bis die Bedienung kam. Doch die Kartenspieler sind inzwischen Geschichte - wie bald auch der „Pfälzer Hof“

Der große Saal im ersten Stock.
Der große Saal im ersten Stock.
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