Kreis Germersheim
Patientin in der Südpfalz mit neuem Covid-Medikament behandelt
Die erste Patientin in Kandel war eine 82-Jährige, die bereits Symptome entwickelt hatte. Die Seniorin ist aus medizinischen Gründen ungeimpft, aufgrund ihres Übergewichts und ihres Diabetes-Leidens gingen die Mediziner davon aus, dass sie einen schweren Verlauf erleiden würde. „Es geht ihr gut, ein schwerer Verlauf konnte vermieden werden“, berichtet der Intensivmediziner Michael Königs auf Anfrage der RHEINPFALZ.
Inzwischen seien schon zehn Patienten in Kandel mit Sotrovimab therapiert worden. Diese hätten oft über „unspezifische Atemwegsbeschwerden“ geklagt und von negativen Schnelltests berichtet. „Der PCR-Test war dann hochpositiv.“ Danach muss es schnell gehen: Das neue Medikament wirkt nur, wenn es innerhalb der ersten fünf Tage verabreicht wird und die Virenlast noch nicht zu hoch ist. „Wenn es den Menschen schon richtig schlecht geht, greift es nicht mehr“, sagt Königs.
Auch geimpfte Patienten behandelt
Sotrovimab wurde auch geimpften Patienten verabreichten, die trotz des Boosters einen positiven PCR-Test aufwiesen. Menschen mit Diabetes oder Lungenfibrose seien viel anfälliger für schwere Verläufe, sagt Königs. Die Diagnose Covid-19 sei bei Risikopatienten sehr erschütternd. Diese seien „sehr froh und glücklich“, das neue Präparat zu erhalten. „Das Ziel ist es, den Verlauf so milde wie möglich zu halten“, sagt Königs. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, diese Menschen von der Intensivstation fernzuhalten.“
Zum richtigen Zeitpunkt verabreicht ist nur eine Infusion nötig. Die Behandlung erfolgt auf der Intensivstation, „nach der üblichen Überwachung“ können die Patienten meist direkt auf die Normalstation wechseln.
Da die europäischen Regierungen die Chargen des Medikaments zentral aufgekauft haben, ist es nur in bestimmten Apotheken verfügbar. In der Region sind das Apotheken in Ludwigshafen und Pirmasens. Die Kliniken dürfen das Medikament nicht auf Vorrat halten, da es sich um eine begrenzt verfügbare Ressource handelt, sagt Königs. Deshalb muss bei der Bestellung jeder Dosis ausdrücklich einem Patienten mit Namen und Daten zugeordnet werden. Doch das habe bislang gut funktioniert.
Zunächst hätten viele Ärzte gedacht, das Medikament stehe nur an Universitätskliniken zur Verfügung. Doch nun spreche es sich herum, dass es auch das Krankenhaus in Kandel verabreichen kann. Auch die Hausärzte in der Südpfalz werden über die Möglichkeit informiert, sagt Königs.