Kreis Germersheim
Ottersheim: Plastik auch Gefahr für Störche
Störche fressen auch Plastik und vor allem Gummis - und sterben daran. Nach der bislang erfolgreichen Wiederansiedlung von Adebar, müssen sich die Tiere nun den Gegebenheiten anpassen und selbst zurecht finden. Außer Strommasten und Vogelfängern hat das Symboltier des Umweltschutzes ein ernstes Müllproblem.
Mehr als elf Jahre hat Christiane Hilsendegen das Storchenzentrum in Bornheim geleitet. Jetzt verfolgt sie mit Ehemann Pirim Störche über die kostenlose App „Animal Tracker“. Da ist zum Beispiel Mogli, ein Storch aus Leimersheim, der mit einem Sender ausgestattet wurde und dessen Flugrouten nun über die App nachvollzogen werden können. „In Spanien hat er den ersten Winter verbracht. Jetzt ist er in Holland“, erzählen die Hilsendegens.
Gummis in den Mägen der Störche
Angesiedelt werden, müssen Störche nun nicht mehr, die Population ist groß genug und muss sich nun selbst stabilisieren. Aber die Beobachtung der Flugrouten und Aufenthaltsorte liefern wichtige Informationen über das Leben der Störche. „Anfangs wurden Küken nach Regen oder bei Kälte noch trocken gefönt“, erinnert sich Christiane Hilsendegen an die Zeit der intensiven Betreuung. Inzwischen lässt man der Natur ihren Lauf – auch wenn’s manchmal schwer fällt. Es gibt auch keine zusätzlichen Fütterungen mehr. „Lebens- und damit Futterräume sind ausreichend vorhanden“. Es war ein glückliches Zusammentreffen, dass Anfang der 2000er-Jahre das Projekt der Queichwiesenbewässerung auf breite Unterstützung seitens der Landwirtschaft und Kommunen stieß und dazu Hand in Hand mit der Wiederansiedelung der Störche ging, berichtet Pirim Hilsendegen. „Da wurde viel Zeit und Geld investiert, aber letztlich haben alle etwas davon – die Landwirtschaft kann zwei- bis viermal Heu ernten, das einen guten Ruf genießt. Die Störche finden Futter und wir Menschen können die schöne Landschaft genießen“, so Pirim Hilsendegen. Und auch außerhalb der Queichwiesen finden Störche genügend Flächen für die Nahrungssuche. Was sie dort leider auch finden, ist oft schwer oder gar nicht verdaulich. „Es wurden tot aufgefundene Störche obduziert und dabei fand man ganze Bündel von Gummis, wie sie auf den Feldern bei zum Beispiel der Zwiebelernte verwendet werden, im Magen der Tiere,“ berichtet Christiane Hilsendegen. Solche Mengen könnten dann nicht mehr als Gewölle ausgestoßen werden. Und fast in jedem Gewölle wird Plastik gefunden, Und auch so manches Nest gleicht einer Müllsammlung. „Da haben wir sogar schon mal eine Narrenkappe entdeckt“, erzählt Christiane Hilsendegen. Wird Plastik zum Nestbau verwendet, kann beispielsweise Regenwasser nicht mehr abfließen und die Jungen sitzen in der Staunässe. Die Überlebensrate der Jungstörche ist nicht besonders hoch. Nur etwa zehn Prozent erreichen die Brutreife, dann sind sie drei bis vier Jahre alt. Einer davon ist Odysseus aus Knittelsheim, dessen Wege ebenfalls mit der App verfolgt werden können. 104 Störche wurden in den vergangenen fünf Jahren besendert, 29 davon leben noch. „Und wie viele andere Vogel- und Tierarten durch Müll geschädigt werden oder zu Tode kommen, wissen wir ja nicht“, geben die Hilsendegens zu bedenken.