Kreis Germersheim Ortsdurchfahrt dicht gemacht

Zwei Mitarbeiter der Ordnungsbehörde überwachen das Geschehen, dürfen aber nicht eingreifen. Das darf nur die Polizei.
Zwei Mitarbeiter der Ordnungsbehörde überwachen das Geschehen, dürfen aber nicht eingreifen. Das darf nur die Polizei.

Ein Auto nach dem anderen fährt kurz vor 6 Uhr aus Richtung Hagenbach in den provisorischen Kreisverkehr an der Pfortzer Straße ein. Trotz der frühen Tageszeit ist schon einiges los. Punkt 6 Uhr sperren Mitarbeiter des Ordnungsamtes Wörth die Zufahrt in Richtung Cany-Barville-Straße. Zwei Minuten später ist auch die Fahrt in Richtung Pfortzer-Straße, die von vielen Berufstätigen als Stauumfahrung in Richtung Rheinbrücke genutzt wird, nicht mehr möglich. Das erste Auto, das diese Route nehmen möchte, hat ein französisches Kennzeichen. Wahrscheinlich ist der Fahrer noch einige Sekunden vor 6 Uhr vom Kreisverkehr bei Hagenbach nach Maximiliansau abgebogen. Ohne anzuhalten fährt er angesichts der Absperrbaken um den Kreisverkehr und wieder in Richtung L540 davon. Nachfolgende Autos bremsen zwar kurz ab, aber auch sie drehen. Während das Morgenrot auf sich warten lässt, sind die Straßen rund um das Wörther Kreuz beim Internetdienst Google Maps bereits in diversen Rottönen gefärbt. Es herrscht Stau und stockender Verkehr. Auch vom Kreisverkehr aus sieht man eine Scheinwerferschlange auf der L540 von Hagenbach in Richtung Schnellstraßen. Bis 6.20 Uhr gibt es zwei Vorfälle. In beiden Situationen wurde die Absperrung auf der Gegenfahrbahn umkurvt. Die Kennzeichen werden notiert. „Sie sehen schon, dass hier ein Schild steht“, ruft ein Mitarbeiter der Ordnungsbehörde einer Fahrerin zu, die dies ebenfalls vorhat. Angehalten und kontrolliert wird von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung niemand. Für den fließenden Verkehr sind sie nicht zuständig. Daher gibt es auch vor Ort keine Strafe für all diejenigen, die die Straße durchfahren haben, obwohl sie es laut Beschilderung nicht dürften. Je weiter die Zeit vorrückt, desto diskussionsfreudiger die Fahrer. Immer wieder halten Autos im Kreisverkehr an und fragen, wie sie weiterkommen. Darunter auch Maximiliansauer, die auf dem Weg nach Hause sind. „Wer ist hier der Bürgermeister?“, fragt ein junger Mann, der zu Fuß kommt. Sein Auto hat er etwas weiter entfernt abgestellt. Nach einer 12-Stunden-Schicht in einer Klinik an der Südlichen Weinstraße möchte er nach Hause. Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD), der sich die Situation vor Ort anschaut, hört sich die Geschichte an und erklärt die Maßnahme. Letztendlich darf der Mann durch, eine Ausnahme an diesem ersten Tag. Auch die beiden Mitarbeiter der Ordnungsbehörde sind immer wieder am Erklären, wenn ein Auto hält. Sie zeigen Verständnis für die jeweiligen persönlichen Situationen – die Leute wollen zum Arzt, ihre Kinder zur Bahn bringen oder zum Arbeitsplatz. Doch die Regelung besteht. „Es ist ein Elend“, weiß Nitsche um die Probleme. Bei der Stadtverwaltung kommen immer mehr Beschwerden an, dass die Stauumfahrer für Verkehrschaos in Maximiliansau sorgen. Seit dem Bekanntwerden der morgendlichen Vollsperrung wegen dieser Stauumfahrer, kommen nun auch verstärkt Anrufe und Beschwerden zu diesem Thema. Immer wieder werden im Kreisverkehr Ausnahmegenehmigungen vom seit langem geltenden Durchfahrtsverbot (das genauso lange konsequent ignoriert wird) vorgezeigt, für die die Leute bezahlt haben. Doch diese sind außer Kraft gesetzt, bestätigt auch Nitsche. „Bis die Schranken stehen“, erklärt er immer wieder, und dass die Situation auch in den nächsten Tagen und Wochen so sein wird. Zweimal wird ein Kind vor der Absperrung aus einem Auto aussteigen lassen – es geht zu Fuß weiter. Ein anderer Fahrer weigert sich, weiterzufahren. Er bleibe jetzt einfach so lange stehen, bis ihm geöffnet wird, gibt er trotzig und laut zu verstehen. Durch das nötige Überholen im Kreisverkehr und weitere „Anhalter“ wird es leicht chaotisch. Es bildet sich ein kleiner Rückstau. „Dann lassen wir sie abschleppen“, bekommt er zu hören. Nach längerer Zeit fährt er weiter. Eine Fahrerin „parkt“ ihr Auto im Kreisverkehr, steigt aus und erklärt wortreich und flehend, dass sie doch in den Ort müsse. Der Weg führt jedoch nur über die B10. „Das Durchfahrtsverbot (durch Maximiliansau) besteht seit 15 Jahren“, erklärt der Bürgermeister. Als der 549er-Linienbus in den Kreisverkehr einbiegt, packt Nitsche mit an und öffnet mit einem Mitarbeiter die Sperrung. Der Bus darf durch, natürlich auch die Schulbusse und ebenso Krankentransporte und Transporter sozialer Einrichtungen. Ärger gibt es vor allem bei den Anwohnern von Maximiliansau selbst. Denn auch das Befahren des Kreisverkehrs von der Cany-Barville-Straße in Richtung Pfortzer Straße wurde untersagt. Der Kreuzungsbereich ist jedoch auch innerörtlich ein wichtiger Knotenpunkt, gerade aktuell, wo es im Zentrum von Maximiliansau eine größere Baustelle gibt. Hier heißt es an diesem Morgen: einmal um den Kreisverkehr und über die Gegenfahrbahn zurück – und dann durch die Seitenstraßen im Ort. Eine Fahrerin fragt, warum nicht die Einbahnstraße „Deichweg“ für beide Richtungen geöffnet werde. Dies würde Fahrern helfen, die von Richtung Friedhof kommen und zum Beispiel zur Stadtbahn wollen. Die Freigabe, so glaubt sie sich zu erinnern, wäre von der Stadt so geplant gewesen. Aus Wörth mit dem Fahrrad gekommen ist ein Anwohner der Straße aus Richtung Jockgrim – wo ähnliche Sperrungen drohen. Ab 6 Uhr schaut er sich an, ob die Sperre funktioniert und ist zufrieden: weniger chaotisch, als gedacht.

Wenige Fahrer bleiben stehen und melden Diskussionsbedarf an.
Wenige Fahrer bleiben stehen und melden Diskussionsbedarf an.
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