Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Operation „am Herzen“ notwendig

Das bauliche Herz Kandels, das Haus am Plätzel.
Das bauliche Herz Kandels, das Haus am Plätzel.

Das Herz von Kandel schlägt rund um das „Haus am Plätzel“. Doch das Fachwerkjuwel ist seit sieben Jahren gesperrt. Nun drängt für die protestantische Kirchengemeinde die Zeit, eine Lösung zu finden. Dabei ist die zentrale Lage des Gebäudes auch das größte Problem.

Gleichsam über Nacht wurde das Fachwerkhaus am Plätzel im August 2013 geschlossen: Nutzungsuntersagung wegen akuter Einsturzgefahr. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der protestantische Kindergarten das 350 Jahre alte Gebäude genutzt. Die Trägerschaft der Kita hat die Kirchengemeinde inzwischen abgegeben, die Kinder besuchten danach die neu gebaute städtische Kindertagesstätte „Die Entdecker“. Doch die Fragezeichen hinsichtlich der Zukunft des Gebäudes sind in den vergangenen sieben Jahren nicht weniger geworden.

Noch 2013 hatte ein Holzsachverständiger eine erste Einschätzung abgegeben: Damals war von 400.000 Euro für die Wiederherstellung des Rohbaus die Rede. Im März 2015 entschied sich die Pfarrgemeinde ihr Gemeindezentrum – einen Bau aus den 1970ern – der Stadt zum Verkauf anzubieten. Damit sollten 480.000 Euro in die Kasse kommen, die wiederum für die Sanierung des Fachwerkhauses geplant waren. Ein Architekt sprach jedoch inzwischen von 800.000 Euro – ohne dass ein Fachingenieur das Gebäude besichtigt hatte.

Denkmalschutz und Brandschutz sind eine teure Kombination

Seitdem gab es im Presbyterium immer wieder Ideen. Eine war, dass das Gemeindezentrum in das Fachwerkhaus umziehen könnte. Allerdings müsste dieses für eine öffentliche Nutzung umgebaut werden. Die Vorgaben für Denkmalschutz und Brandschutz treiben die Kosten in die Höhe. „Das war toll geplant“, sagt Pfarrer Arne Dembek und seufzt. Denn das Projekt hätte 2018 schon 1,5 Millionen Euro gekostet. „Das ist mehr als das Doppelte unserer Rücklagen. Und wir können ja keinen Kredit aufnehmen.“

Auflagen der Landeskirche zufolge muss die Kirchengemeinde seit 8 Jahren für alle gemeindeeigenen Gebäude Rücklagen bilden. Diese werden direkt vom Haushalt abgezogen. Allein für die Georgskirche schlagen jährlich knapp 20.000 Euro zu Buche, dazu kommen die Rücklagen für das Gemeindezentrum, das Haus am Plätzel und das Pfarrhaus.

Der Verkauf des Gemeindezentrums an die Stadt ist längst vom Tisch. Die Rahmenbedinungen haben sich auch geändert, sagt Pfarrer Dembek. Wenn Pfarrerin Elke Maicher in Erlenbach 2025 in Ruhestand geht, wird wohl die Pfarrstelle wegfallen. Für die Kirchengemeinde in Kandel kommen dann neue Aufgaben dazu, für die auch mehr Platz benötigt wird. Gerade wird deshalb ein Umbau geplant, der 2021 starten soll.

Umbau wird erst nach Verkauf genehmigt

Der Bezirkskirchenrat habe grünes Licht für diesen Umbau gegeben, sagt Dembek. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Es muss ein Grundsatzbeschluss vorliegen, der besagt, dass das Gebäude Haus am Plätzel nicht mehr zur Kirchengemeinde gehört. Also drängt die Zeit: Denn sowohl der Umbau als auch der Verkauf soll noch in die Zuständigkeit des derzeitigen Presbyteriums fallen. Doch am ersten Advent stehen Neuwahlen an.

Nun will die Kirchengemeinde gemeinsam mit der Stadt Kandel nach einer Lösung suchen. Denn natürlich interessieren sich für das Gebäude in zentraler Lage auch private Investoren. Aber genau diese Lage ist auch ein Problem: „Wir haben auch eine Verantwortung, es ist schließlich nicht irgendein Gebäude. Das wollen wir nicht an jeden verkaufen“, umschreibt Dembek die Situation.

Denn ein großer Teil des Stadtlebens, vor allem die Kandeler Märkte, spielen sich quasi vor der Haustür ab. Eine Nutzung als Wohngebäude ist daher schwierig. Die Stadt müsste vielleicht mit Lärmbeschwerden wegen der vielen Veranstaltungen rechnen. „Und man muss auch Kirchenglocken mögen“, gibt Dembek mit Blick auf direkt nebenan gelegene St. Georgskirche zu bedenken.

Haus am Plätzel: Die Renovierung könnte teuer werden.
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Seit Jahren kein Kindergartenbetrieb mehr im Haus am Plätzel.
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Herz und Zentrum der Stadt: Haus am Plätzel.
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Haus am Plätzel und Georgskirche.
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Weihnachtsmarkt vor dem Haus am Plätzel.
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Markt am Plätzel.
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