Germersheim
Nur ein Soldat im US-Depot
Von den über 800 Beschäftigten im Germersheimer US-Depot stammen laut Presseauskunft des amerikanischen Militärs über 80 Prozent aus Germersheim und Umgebung, der Rest seien Amerikaner. Abgesehen von kleineren Hilfseinheiten für Bauarbeiten, Sicherheit, Post und Umwelt sowie die Feuerwehr sei das Gros der Mitarbeiter bei den drei Hauptorganisationen vor Ort beschäftigt: Das seien die Defense Logistics Agency, die DLA mit etwa 225 Mitarbeitern – sie betreibt auch das Gefahrstofflager, das erweitert wird – die Army and Air Force Exchange Services, AAFES, mit etwa 200 und die Defense Commissary Agency, kurz DeCA, mit ebenfalls etwa 200 Mitarbeitern. Bei allen drei Organisationen handelt es sich nach Angaben des US-Militärs um Logistikeinheiten. Diese erhielten Güter zur Verteilung per Lastwagen, Bahn und Schiff in Europa und Afrika. Unter allen im US-Depot Beschäftigten sei nur ein Soldat: der Kommandeur der DLA. Offene Stellen gebe es bei allen drei Logistikeinheiten; meist würden Lagerarbeiter und Gabelstaplerfahrer gesucht. Dass Einheiten das US-Depot verlassen oder neue hinzukommen, ist laut US-Army auf absehbare Zeit nicht geplant.
Waren nur für US-Army-Angehörige
Wichtig ist den Amerikanern der Hinweis, dass im US-Depot weder Waffen noch Munition jeglicher Art gelagert oder verfrachtet werden. Gelagert würden von AAFES in erster Linie Kleidung und Elektronik wie Computer und Fernseher, Artikel für Haus und Garten sowie Schmuck und Spielsachen. DeCA verkaufe Konserven, verpackte Snacks und Getränke. An militärischer Ausrüstung würden von DLA zum Beispiel Uniformteile, Helme und Schutzkleidung ausgegeben sowie Büroausstattung. Die Waren sind nach Informationen des US-Militärs lediglich für US-Militärangehörige und Zivilangestellte sowie deren Familienangehörige zugänglich. Denn das Truppenstatut verbiete es Gaststreitkräften, sowohl Waren an einheimische Mitarbeiter vor Ort zu verkaufen als auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Leidet das US-Depot auch darunter, dass nicht zuletzt coronabedingt weltweit Lieferketten unterbrochen sind, was teilweise zu Versorgungsengpässen führt? Gibt es möglicherweise eine Priorisierung des Militärs in einer solchen Situation? Eine Priorisierung für Militärangehörige gibt es nicht, verneint die US-Army diese Frage. Und die einzigen Störungen habe es bei Dienstleistungen beziehungsweise im Warenverkehr bei einigen Lebensmitteln wegen verspäteter Verschiffung im Frühjahr/Sommer 2020 gegeben. Weitere Störungen habe es seitdem nicht gegeben. Eine Veränderung habe es doch gegeben, räumen die Amerikaner ein: Kunden hätten nur noch eine begrenzte Menge von bestimmten Artikeln kaufen können.
Einige Corona-Fälle gemeldet
Dem Gesundheitsamt seien einige Corona-Fälle gemeldet worden, antwortet die US-Army auf die Frage nach den Auswirkungen von Corona aufs US-Depot. Alle Gastnationen seien strikt angewiesen, alle Richtlinien zur Corona-Bekämpfung genauso strikt anzuwenden wie die Linderungsmaßnahmen des US-Verteidigungsministeriums: also Abstand halten, Maske tragen, Hygieneregeln und Impfrichtlinien beachten. Auf die Frage, ob diese Regularien bei den Amerikanern auf ein ähnlich geteilte Echo gestoßen sind wie bei der deutschen Bevölkerung, lautet die Antwort der Amerikaner: Man kommentiere weder politische und wirtschaftliche Sachverhalte noch die öffentliche Meinung.
Apropos Politik: Welche Rolle spielte das Germersheimer US-Depot bei der Evakuierung von Flüchtlingen aus Afghanistan? Das US-Depot war nicht direkt in die Rückholaktion von Militärs, Zivilisten und einheimischen Hilfskräften aus Afghanistan beteiligt, antwortet die US-Army. DeCA und AAFES hätten allerdings vom Spendengeld einzelner Personen und Organisationen wie dem Roten Kreuz gekaufte Waren, Nahrungsmittel und Windeln zum Beispiel, vom US-Depot aus zu Verkaufsstellen gebracht, wo die Evakuierten damit beschenkt worden seien.
