Geschichten aus der Geschichte
US-Depot seit 70 Jahren am Rande der Stadt
Die Ausstattung war zu Beginn noch äußerst spartanisch und die gesamte Anlage stellte sich für viele der US-Soldaten, die zu Beginn der 1950er Jahre nach Germersheim kamen, zunächst nur als Ansammlung von Zelten und Bäumen dar: Mannshoch wucherte der Ginster über dem Gelände, auf dem ein halbes Jahrhundert zuvor noch bayerische Festungssoldaten geübt hatten. Dennoch war es gerade diese Fläche zwischen Germersheim, Lingenfeld und Westheim, die am 18. Oktober 1951 als „US-Army Government Ordnance Vehicle Park“ in Betrieb ging. Die Hauptaufgabe des Fahrzeugparks lag zunächst darin, überschüssige Panzer, Fahrzeuge und Kriegsgerät der amerikanischen Streitkräfte, die in den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vorhanden waren, Instand zu setzen, einzulagern und für die weitere Verwendung einsatzbereit zu halten.
Arbeitgeber mit Zukunft
Nur sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die US-Army damit erneut nach Germersheim gekommen, dieses Mal jedoch als zukunftsträchtiger Arbeitgeber, der in seinen Reparatur- und Instandsetzungshallen viele sichere Arbeitsplätze für die Bewohner der wirtschaftsschwachen Kleinstadt und der weiteren Umgebung bot. Bei den Amerikanern zu arbeiten, war über lange Jahre eine attraktive und gut bezahlte Beschäftigung: Das Lohnniveau war vergleichsweise hoch und es wurden einige Vergünstigungen gewährt, die es bei deutschen Arbeitgebern damals noch nicht in diesem Umfang gab, wie die 5-Tage-Woche, eine betriebliche Zusatzversicherung, Zulagen, Weihnachtsgeld und Geldprämien für langjährige Betriebszugehörigkeit.
Auch die Beziehungen auf offizieller Ebene entwickelten sich gut: Unzählige Male rückten die Amerikaner mit Fahrzeugen und Maschinen an, wenn es darum ging, beim Bau von Schulen, Kindergärten oder der Hafenerweiterung Baugruben auszuheben, Gelände zu planieren oder sonstige Erdarbeiten auszuführen. Darüber hinaus waren Veranstaltungen wie der „Tag der Streitkräfte“, der später in die „Deutsch-Amerikanische Freundschaftswoche“ überging, von den 1950er bis in die 1980er Jahre regelmäßiger Teil der wechselseitigen Begegnungen. Hierzu zählte auch die langjährige Patenschaft der Soldaten des Depots zum Braun’schen Stift in Rülzheim oder die Veranstaltung von Wohltätigkeitsveranstaltungen, wie Konzerten mit der 76. US-Army Band, deren Erlöse dann örtlichen sozialen Institutionen und gemeinnützigen Projekten zugute kamen.
„Ami go home“
Neben diesen positiven Seiten des Zusammenlebens kam es aber auch immer wieder zu Straftaten und Drogendelikten, die von US-Soldaten ausgingen, insbesondere in den 1970er Jahren. Auch die Stimmung in Teilen der Bevölkerung veränderte sich angesichts des militärischen Engagements der USA im Vietnamkrieg, so dass Ende der 1960er Jahre Parolen wie „Ami go home!“ an Mauern und Wänden im Stadtgebiet zu lesen waren. Zu Beginn der 1980er Jahre zogen sich die Amerikaner nach Bomben-Anschlägen der „RAF“ auf US-Einrichtungen und hochrangige Offiziere immer mehr aus der Öffentlichkeit ihrer Standorte zurück. Nach Jahren des Ausbaus und der Schaffung neuer Arbeitsbereiche in den 1970er und 1980er Jahren – im Jahr 1970 wurden Panzer, Fahrzeuge und Zubehör im Wert von 800 Mio DM im „Germersheim Army Depot“ gelagert – stand das Depot nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und nach seiner wichtigen Rolle bei den Vorbereitungen zu „Desert Shield“ und „Desert Storm“ (Golfkrieg 1991) tiefgreifenden Umstrukturierungsprozessen gegenüber. Sicher gewesene Arbeitsplätze wurden verlagert oder abgebaut.
Mit Wirkung zum 15. Juli 1993 wurde das „General Support Center Germersheim“, wie das Depot nun offiziell hieß, schließlich inaktiviert und nahezu alle deutschen Zivilbeschäftigten entlassen. 1998 bis 2000 wurde das Depot Germersheim durch den Aufbau eines Lebensmittelverteilungszentrums mit rund 300 Mitarbeitern wieder aufgewertet. Ab 2003 kam es zu umfangreichen Investitionen in Millionenhöhe zur Erweiterung und Modernisierung des „Defense Distribution Depot Europe“ (DDDE) und dem Ausbau zum größten Logistik-Zentrum der US-Streitkräfte in Europa ab 2006. Ein 2012 fertig gestelltes Terminal zum Empfang und zur Verteilung von Gütern, die rund um die Uhr an die Standorte der US-Army in Europa und dem nahen Osten geliefert werden, unterstreicht die Bedeutung, die das Depot erlangt hat. Verlegt wurde auch die Verwaltung des „Army and Air Force Exchange Service“ (AAFES), die die Supermärkte an den Standorten mit Lebensmitteln aus den USA beliefert, von Gießen nach Germersheim im Frühjahr 2017. In die Schlagzeilen geraten war das US-Depot ebenfalls im Jahr 2017 wegen der Erweiterung des Gefahrstofflagers.
