Knittelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nur 14 Jungstörche überleben Eisheiligen

Drei Jungstörche in einem Nest auf einem von Peter Waldecker gepachteten Grundstück. Die Kamera nimmt alles im Nest auf.
Drei Jungstörche in einem Nest auf einem von Peter Waldecker gepachteten Grundstück. Die Kamera nimmt alles im Nest auf.

23 Storchennester gibt es in Knittelsheim. Doch die feuchtkalten Eisheiligen haben dieses Jahr ihren Tribut gefordert: 14 Junge überleben. 2019 waren es 36, 2018 sogar 47 Nachwuchs-Adebare. „Storchenvater“ Peter Waldecker ist zwar traurig. Doch er weiß, dass solche Rückschläge dazugehören: „ So ist die Natur.“ Von Anfang an ist Waldecker bei der Wiederansiedlung des Weißstorchs in der Pfalz in der ersten Reihe aktiv.

1997 waren die Queichwiesen noch storchenfrei. „Nach Baden-Württemberg waren damals Weißstörche gerade wieder zurückgekehrt“, erinnert sich Peter Waldecker. Der Erfolg von Naturschützern im benachbarten Bundesland weckte Begehrlichkeiten in der Pfalz. Denn ganz von alleine haben die Adebare ihren Weg nicht in frühere heimatliche Gefilde gefunden. Zu diesem Zweck mussten erst Landschaften renaturiert und sogenannte Lockstörche eingesetzt werden. Solche in Gehegen in der freien Landschaft gehaltenen Vögel erhöhen die Chance, dass sich Artgenossen dort niederlassen.

„Wir haben einen Käfig für Lockstörche aus Baden-Württemberg in die Pfalz geholt“, blickt Waldecker auf das Jahr 1997 zurück. Damit war die Grundlage gelegt, dass die durch die Interessengemeinschaft Queichwiesen ab 1996 und den Verein Aktion Pfalzstorch (1998 gegründet) betriebene Vernässung der Queichwiesen nicht umsonst geblieben ist. 1997 ist bereits in Bornheim die Storchenscheune eröffnet worden, die sich der Pflege verletzter und der Haltung dauerhaft flugunfähiger Adebare annimmt. Heute leitet Christian Reis diese Einrichtung, die von der Aktion Pfalzstorch betrieben wird. Der Verein unterhält in Bornheim zudem das Storchenzentrum Rheinland-Pfalz. Es informiert unter seiner Leiterin Jessica Lehmann mit einer Dauerausstellung umfassend über die faszinierenden Vögel. Das erste Nest in Knittelsheim wurde übrigens 1998 auf dem Waldeckerschen Anwesen gebaut.

„Im Jahr 2000 hatten wir den ersten Jungstorch in unserem Ort“, sagt Peter Waldecker. Die meisten Nester mit Brutpaaren gibt es dort inzwischen in der Kirchstraße, in der auch der „Storchenvater“ wohnt. Auf seinem Grundstück mit Wohnhaus, Scheune und Garten befinden sich heute mehrere Nester. Ein Storchenhorst steht auf einem angrenzenden Grundstück, das der frühere Mitarbeiter des Lkw-Werks in Wörth gepachtet hat. „Dort hat unser Hausstorch Jimmy gebrütet“, teilt Waldecker mit. Die Henne, denn Jimmy ist, wie sich im Lauf der Zeit zeigte, ein Weibchen, purzelte 2007 als Küken aus einem Nest auf Waldeckers Anwesen. Der Hausherr hat es per Hand aufgezogen und damit vor dem sicheren Hungertod gerettet, wie er sich erinnert. Die Mühen von damals haben nicht allein mehrfach Nachwuchs hervorgebracht. Sie führten auch dazu, dass Jimmy nicht wie seine Artgenossen nach Süden zieht, sondern in Knittelsheim überwintert. Der Storchenvater muss sie deshalb mit Futter versorgen.

Weltweites Störche-TV

Viele Ereignisse in den Nestern in Knittelsheim erleben nicht allein die Anwohner mit. Auch Besucher der Webseite www.knittelsheim-storch.de können durch Webcams beobachten, was bei den Adebaren vor sich geht. Storchenfreunde aus aller Welt, etwa aus den USA, schauen sich Fotos und Videosequenzen in hoher Qualität an, weiß Andreas Wölfel. Der Nachbar von Peter Waldecker kümmert sich ehrenamtlich um die Webseite, wozu auch die Beantwortung von E-Mails zu den Knittelsheimer Störchen gehört. Die Reinigung der Nester ist in dem 1000-Seelen-Ort übrigens Chefsache, wie Wölfel und Waldecker betonen. Darum kümmert sich nach Ende der Storchensaison im August oder September stets Bürgermeister Ulrich Christmann.

Zur Tradition in Knittelsheim gehört es, dass man für Jung-Störche eine Patenschaft übernehmen kann. Wölfel stellt die Patenschaftsurkunden dafür aus. Das Dokument enthält die Ringnummer, das Nest und den Taufnamen des Adebars. „Wir feiern jedes Jahr ein Storchenfest, bei dem die Urkunden an die Paten übergeben werden. Nur diesmal fällt es wegen Corona leider aus“, teilt Waldecker mit. Dieser Umstand macht das Jahr 2020 neben dem Verlust von rund 40 Storchenküken durch das nasse und sehr kühle Wetter an den Eisheiligen Mitte Mai zu einem denkwürdigen. Ein Trost für den Storchenvater ist es, dass der Bestand der majestätischen Vögel in der Pfalz inzwischen als stabil gilt; obwohl nur zehn bis 20 Prozent der Jungstörche den Zug in den Süden und zurück nach Deutschland schaffen.

In Kooperation mit der Aktion Pfalzstorch und der Vogelwarte Radolfzell werden immer wieder Jungstörche außer mit einem Ring auch mit einem GPS-Sender ausgestattet. Der kostet mehr als 2000 Euro. Martina Kohls aus St. Katharinen im Landkreis Neuwied finanziert nicht nur eine der Storchenkameras auf dem Waldeckerschen Anwesen. Sie hat bisher auch drei GPS-Sender bezahlt. Einen davon trägt Odysseus. Er erhielt den Sender vor circa vier Jahren, seit einem Jahr ist er aber defekt. „Ich habe Odysseus vor einigen Wochen hier im Ort an seiner Ringnummer erkannt und habe das Martina Kohls berichtet“, sagt Waldecker.

Störche, deren Sender noch funktionieren, kann man über die App „Animal Tracker“ verfolgen. Zeus und Thilo, 2019 in Otterstadt bei Speyer geschlüpft, haben sich in den vergangenen Wochen neben anderen immer wieder im Bereich der Queichwiesen rund um Knittelsheim aufgehalten. „Wenn die Wiesen geflutet werden, dann ist das ein großes Fressen für die Störche. Die kommen dann sogar aus Baden hergeflogen“, sagt Peter Waldecker. Im August sammeln sich dort dann mehrere Hundert Adebare vor dem Abflug ins Winterquartier im Süden. Ab März/April kommen die Ersten wieder zurück und das Storchenjahr beginnt von Neuem.

Peter Waldecker wohnt in der Kirchstraße und hat selbst mehrere Storchennester auf seinem Anwesen.
Peter Waldecker wohnt in der Kirchstraße und hat selbst mehrere Storchennester auf seinem Anwesen.
Zwei Störche in einem Nest auf dem Nachbarhaus von Peter Waldecker. Im Hintergrund der Kirchturm.
Zwei Störche in einem Nest auf dem Nachbarhaus von Peter Waldecker. Im Hintergrund der Kirchturm.
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