Kreis Germersheim Nolte will Standort sichern

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Angesichts einer guten Auftragslage aber zu hoher Personalkosten fordert Nolte Möbel von seinen Beschäftigten in Germersheim mehr Arbeitseinsatz. Wie genau das aussehen wird, soll ab 23./24. Mai verhandelt werden. Ziel ist ein Standortsicherungsvertrag. Das sagte gestern Geschäftsführer Steffen Urbschat nach einer Betriebsversammlung.

In dieser habe die Belegschaft den Verhandlungen zugestimmt, nachdem die Geschäftsführung zuvor die Lage erklärt habe, sagte ein erleichtert wirkender Urbschat. „Damit ist ein möglicher kritischer Zustand abgewendet worden.“ Kritisch deswegen, weil laut Harald Lange von der Industriegewerkschaft (IG) Metall, Gewerkschaftsmitglieder in der Nolte-Belegschaft bei einer geheimen Abstimmung am 2. Mai der IG Metall kein Mandat für mögliche Verhandlungen erteilt hatten. Gestern, so Urbschat habe die Geschäftsleitung noch einmal deutlich gemacht, dass man seitens des Unternehmens verhandeln will, um Stellenstreichungen zu vermeiden. Ähnlich habe sich auch die Gewerkschaft geäußert. Ob es auf eine 40-Stunden-Woche hinauslaufen soll, ließ Urbschat offen. Er sprach, auch um die anstehenden Gespräche nicht zu belasten, lediglich davon, dass es mehrere Möglichkeiten gebe. „Kein Standortsicherungsvertrag ist wie der andere“, sagte der Geschäftsführer, der auch keine Angaben zu einer möglichen Laufzeit machte. Auf die Frage, ob in dem Fall, dass sich die Belegschaft Verhandlungen verweigert hätte, das Werk geschlossen worden wäre, sagte Urbschat, dass dies keine Entscheidung der Geschäftsführung sei. Diese hätte in dem Fall den Vorstand der Holding, die Banken und die Gesellschafter über die Haltung der Beschäftigten informiert. Soweit sei es aber nicht gekommen. Die Diskussionen in der 45-minütigen Versammlung seien sachlich gewesen, und am Ende habe die zu etwa 95 Prozent vertretene Belegschaft sogar applaudiert. Urbschat sagte, dass die Banken weiterhin an die Restrukturierungsfähigkeit des Standortes glaubten und bereit seien dafür einen siebenstelligen Betrag bereitzustellen. Das Unternehmen wolle aber nicht nur restrukturieren – im vergangenen Jahr wurden die Stellen von rund 160 Mitarbeitern gestrichen – sondern auch investieren, insgesamt über zehn Millionen Euro in den nächsten drei Jahren, unter anderem in ein Kraftwerk für die Wärmeversorgung, die Sanierung der Hallendächer, in die IT-Landschaft und in Maschinen. Dafür müssten die 470 Mitarbeiter allerdings ihren Beitrag leisten. Lange von der IG Metall unterstrich, dass es nun darum gehe eine Lösung herbeizuführen. Wie viel Verzicht die Mitarbeiter in der Vergangenheit geübt und wie viel Mehrarbeit sie geleistet hätten, könne er nicht beziffern. Das sei nicht aufgelistet, zumal das nun schon seit 15 Jahren so gehe. Er könne nur bestätigen, dass angesichts der aktuell sehr guten Auftragslage mehr gearbeitet werde; es sei aber noch im Rahmen und werde ausgeglichen. Außerdem werde man darauf achten, dass es nicht ausufere. Zur Stimmung in der Belegschaft sagte Lange, dass eine „hochkonzentrierte Aufmerksamkeit“ besteht. Betriebsratsvorsitzender Paul Ring sagte, dass manche Mitarbeiter trotz tariflich vereinbarter 35-Stunden-Woche acht, neun Stunden am Tag arbeiteten. Vorwürfe an die Geschäftsführung seitens der Mitarbeiter gebe es nicht, da die Fehler in der Vergangenheit von anderen gemacht worden seien. (gs)

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