KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Noch ein weiter Weg zur Normalität

Die Chefin vom Café Schaaf, Silvia Meyer, hat sich gut auf die Gastroöffnung vorbereitet.
Die Chefin vom Café Schaaf, Silvia Meyer, hat sich gut auf die Gastroöffnung vorbereitet.

Die Gastronomie darf seit Mittwoch unter Einschränkungen wieder öffnen. Doch der befreiende Ansturm der Kundschaft in Kandel ist noch ausgeblieben. Beobachtungen an dem einen oder anderen Ort der Bienwaldstadt, wo es jetzt eigentlich wieder ganz gemütlich und sehr lebhaft zugehen sollte.

Mit gedämpfter Stimmung steht Alina-Gratiela Chiriac am Samstag in ihrem „Wunschcafé“ in der Hauptstraße. Anfang März hatte sie es in der Nachfolge des L’affineur übernommen. „Der Start war richtig gut, aber mit Corona hat die Katastrophe angefangen“, sagt sie nun. Sie blättert in ihrem Büchlein, das mit zahlreichen Reservierungen eigentlich vollgeschrieben sein sollte. Doch bis auf zwei kleine Einträge ist es leer. Die Gäste hätten mit der Abgabe ihrer Daten ebenso Probleme wie mit dem Tragen eines Mundschutzes. Zwar könne dieser am Tisch abgenommen, dann aber für den Gang zur Toilette oder zum Aussuchen von Kuchen oder Pralinen an der Theke wieder angezogen werden: „An einem normalen Samstag wäre hier jetzt voll“. Stattdessen ist von der sonst gemütlichen Nähe nur wenig übriggeblieben.

Es läuft schleppend an

Im hinteren Sitzbereich sitzt ein Paar und vorne zur Eingangstür zwei junge Frauen. Tatjana und Martina sind Kolleginnen und haben sich zum Kaffee verabredet, während die Männer daheim im Garten säßen und auf die Kinder aufpassten. „Wir haben uns gesagt, dass es jetzt reicht und wir wieder in einem Café sitzen möchten“, lacht Tatjana. Die Einschränkungen nehme man gerne in Kauf, sagt ihre Freundin: „Wir haben so lange darauf gewartet!“

Chiriac indessen möchte nun noch die nächsten Tage beobachten. An der Öffnungszeit von neun Uhr werde sie wohl festhalten, aber wenn es weiterhin so schleppend liefe, am Nachmittag früher schließen. Sie hofft auf gutes Wetter in der kommenden Woche, auch wenn sie noch nicht ihren Außenbereich nutzen darf. Die Gasse ist schlicht zu schmal, und der erforderliche Mindestabstand zu den Fußgängern könne nicht abgesperrt werden.

Stammkunden kommen wieder

Wenige Minuten Fußweg weiter ist das traditionsreiche Café Schaaf. Das Stühle- und Tischrücken hat auch hier das Platzangebot ausgedünnt. Immer wieder kommen Kunden, um Kuchen abzuholen. So Henny Ihrens aus Kandel, die zufrieden ein paar Stücke Rhabarberkuchen in ihre Tasche stellt: „Ich habe in den letzten Wochen so viel gekocht und gebacken, aber dieses Wochenende ist jetzt gerettet!“ Besitzerin Silvia Meyer freut sich über ihre Stammkundschaft, auch wenn viele nicht mehr kommen können. Gerade die Stammtische, Familienfeiern und Trauergesellschaften fehlten nun. „Es ist heute der vierte Tag und nicht mehr so viel los wie an den beiden ersten.“

Gemütlicher als in Karlsruhe

Auch ein einsam sitzendes älteres Ehepaar hat sie notiert. Die beiden leben in Eggenstein und kommen zum Einkaufen und Spazierengehen gerne nach Kandel. „Wir kaufen nachher ein und machen hier jetzt wie immer erst einmal eine Pause. Das ist schon jahrelange Tradition“, sagt der Mann. „Die Einschränkungen nehmen wir gerne hin. Wir wissen ja, wofür wir es ist und warum wir es tun“, sagt seine Frau. Und gerät über Kandel ins Schwärmen. Hier sei es „auf jeden Fall viel gemütlicher als in Karlsruhe. Hier ist eine andere Mentalität als bei den Badensern, weil die Menschen viel zugänglicher sind“.

So etwas dürfte man nicht nur im Café Schaaf natürlich gerne hören. Mit jedem Kunden führt Meyer ein persönliches Gespräch. Mal geht es darum, ob es im Wörther Maximiliancenter ebenfalls noch so verhalten zugehe wie hier in Kandel. Oder um den abgesagten Pfingsturlaub. Unterdessen hat der Herr aus Eggenstein seinen Kuchen gegessen und den Latte macchiato getrunken. Jetzt zieht er die Maske wieder hoch, um sie bald darauf wieder in Richtung Kinn zu schieben. Nein, es ist dieser Tage wirklich nicht einfach, die gewohnte und so geliebte normale Gemütlichkeit zu erleben.

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