Kreis Germersheim
Nicht alle Spargel können gestochen werden
In dieser Zeit ist es schwierig, die Erdbeer- und Spargelbauern im Moment überhaupt zu erreichen. Manche wollten über die derzeitige Lage nicht weiter sprechen. Sie sagten, die Lage sei mehr als be..scheiden und es bringe nicht viel, weitere Worte darüber zu verlieren. Zwei Betriebe waren dennoch bereit, über die Situation zu sprechen.
Michael Zapf, vom Obst- und Spargelhof Zapf in Kandel kann es nicht verstehen. Wie ist es möglich, dass weiterhin Lebensmittel aus dem Ausland, aus Ländern die noch stärker vom Coronavirus betroffen sind, importiert werden. Gleichzeitig aber dabei zugesehen wird, wie die heimischen Produkte auf dem Feld kaputt gehen, da Erntehelfer fehlen. Er stehe mit dieser Meinung nicht alleine da und habe sie als CDU-Mitglied auch schon an höhere Stellen weitergetragen. „Ich weiß nicht, ob sich die Politik darüber bewusst ist, was nun alles kaputt geht“, sagt der Landwirt aus Kandel. Schließlich blieben die Verluste nicht nur an den Landwirten selbst hängen, sondern würden sich weiter durchziehen und so beispielsweise den Handel und Großhandel, aber auch die Hersteller von Spritzmitteln und Verpackungen betreffen.
Gastrobereich fehlt bei Umsatz
Für Zapf ist das Jahr 2020 bereits jetzt schon gelaufen: „Das ist ein Jahr zum Abstreichen. Dass es ein Minusjahr wird, steht außer Frage.“ Der Gastronomiebereich, der nun wegfällt, mache etwa 35 bis 40 Prozent seines Absatzes an Spargeln und Erdbeeren aus. Neben der Frage, wie sich die Lebensmittel nun am besten vermarkten lassen, stellt sich gleichzeitig die Frage, wer sie ernten soll. Dem Betrieb fehlen 60 Erntehelfer aus Rumänien, nur zehn sind in Kandel vor Ort.
Auf eine gute Resonanz stößt Zapf bei der Suche nach einheimischen Erntehelfern. Viele Menschen meldeten sich bei ihnen. „Wir Betriebe müssen die Hilfe nun koordinieren. Manche bieten ihre Hilfe für ein paar Stunden, andere für mehrere Tage und die nächsten für mehrere Wochen an“, sagt der Obst- und Gemüsebauer, der für jede Hilfe sehr dankbar ist. Auch über die Bezahlung müsse mit den Hilfskräften gesprochen werden, einige hätten Erwartungen von einem Stundenlohn von 18 Euro, was in der Landwirtschaft einfach nicht umsetzbar sei. Mehr als den Mindestlohn könne kein Betrieb zahlen, weil sie dafür selbst nicht ausreichend verdienen würden.
Zudem beschäftigt Zapf die Frage, wie deutsche Erntehelfer bei schlechtem Wetter agieren würden, „unsere rumänischen Arbeitskräfte stehen bei Wind und Wetter auf dem Feld“. Zapf weiter: „Der Vorschlag unserer Politik war ein schöner Gedanke, aber so, wie sie sich das vorstellen, funktioniert es nicht.“ Bereits heute steht für Michael Zapf fest, dass mindestens fünf seiner 30 ertragsbringenden Hektar Spargel nicht geerntet werden kann.
Studenten wollen helfen
Auch der Spargelhof Gleich aus Weingarten wird es nicht schaffen, dieses Jahr alle Spargel stechen zu können. Ihnen fehlen elf Erntehelfer im Bereich der Spargel und zusätzlich noch zwölf Frauen, die für die Erdbeeren eingeteilt wären. Einen großen Teil des Absatzes mache bei ihnen der Gastroservice aus, berichtet Susanne Gleich. „Da in diesem Jahr so ein großer Teil unserer Kundschaft wegfällt, können wir seit längerer Zeit mal wieder neue Kunden aufnehmen“ , ergänzt Gleich. Den Hofladen des Spargelhofs dürfe jetzt immer nur noch eine Person betreten;. Zudem wurde das Angebot an Gemüse erweitert, damit sich die Anfahrt für die Kunden noch mehr lohne.
Auch für die Erntehelfer hätten sich die Konditionen fürs Einkaufen geändert. „Sie werden nun nur noch zu zweit zum Supermarkt gefahren und tragen beim Einkaufen Handschuhe“, erklärt Gleich. Auch Desinfektionsmittel sei im Betrieb an jeder nur möglichen Stelle angebracht worden. Dieses Desinfektionsmittel kann auch von Studentinnen genutzt werden, die sich von sich aus beim Spargelhof gemeldet hatten, um sich als Arbeitskräfte anzubieten. „Wir erhalten viele Anrufe von potenziellen Arbeitskräften, wenn in etwa 14 Tagen dann auch die Erdbeersaison losgeht und die Spargelsaison in vollem Gange ist, werden wir diese Hilfe dringend benötigen“, weiß Susanne Gleich aus Erfahrung.