Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Naturschutz-Großprojekt Bienwald kostet 80.000 Euro pro Jahr

Ziegen und Esel weiden im Bienwald und sorgen für lichte Trockenwälder.
Ziegen und Esel weiden im Bienwald und sorgen für lichte Trockenwälder. Archivfoto: Iversen

Den aktuellen Stand des Naturschutzgroßprojektes Bienwald, dessen Förderzeitraum bis Ende 2020 verlängert wurde, skizzierte Daniel Becker von der Projektleitung vor dem neu gebildeten Umweltausschuss des Kreistages in seiner ersten Sitzung. Die Fördermittel in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro werde man in ausstehende Maßnahmen im Sinne des Pflege- und Entwicklungsplanes (PEPL) investieren. 2018 wurden bereits 1,2 Millionen Euro ausgegeben, so Becker. Man habe rund 6,5 Hektar Grund erwerben können, davon 1,7 Hektar im Kreis Germersheim.

In der Naturwaldfläche seien 82 Wegedolen beseitigt und alternative Übergänge geschaffen worden. So habe man 13 Furten und 8 Kastenprofile gebaut. Zu den Maßnahmen im Offenland teilte Becker mit, dass man Verteilerbauwerke am Dörniggraben (bei Minfeld und Kandel) errichtet oder umgebaut habe. Becker berichtete auch über das Flurbereinigungsverfahren, das in zwei Abschnitten nahezu abgeschlossen sei. Im Bereich Bienwald-West seien die Gespräche mit Eigentümern und Bewirtschaftern bis auf Ausnahmen geführt.

Die Entwicklung lichter Trockenwälder wurde von Becker ebenfalls beschrieben. Diskussionen hierzu gab es im Ausschuss nicht. Im Vorfeld hatte sich die Projektleitung mit diesem Thema im Ortsbeirat Schaidt der Diskussion gestellt. Die Grünen aus Schaidt hatten Zweifel an der Richtigkeit weiterer lichter Trockenwälder geäußert.

Weitere Schritte unternehme man derzeit für die Erstellung des Besucherlenkungskonzeptes und die Beschilderung der Wege im Bienwald. Hier habe das Büro Via aus Köln den Zuschlag erhalten, so Becker. Auf die Frage, mit welchen Kosten man für das Projekt nach dem Förderzeitraum (ab 2021) rechnen müsse, nannte Daniel Becker den Betrag von rund 80.000 Euro. Diesen müssten dann die beiden Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße aufbringen.

Derzeit noch offen ist das weitere Vorgehen beim Projekt „Wildbienenhügel“. Der Kreis hatte die Gemeinden hier um Unterstützung gebeten, von einer Vielzahl auch Zusagen bekommen, wie Uwe Meißner von der Kreisverwaltung sagte. Immerhin gebe es im Kreis 380 Arten von Wildbienen, die man schützen wolle, indem man ihnen Lebensräume biete. Allerdings sei ein erster Zuschussantrag über 750.000 Euro von der „Stiftung für Natur und Umwelt“ in Mainz abgelehnt worden, wogegen der Landkreis Widerspruch eingelegt habe. Jetzt warte man auf die weitere Überprüfung und eine Entscheidung der Stiftung.

Meißner beschrieb die starke Ausbreitung des Kalikokrebses auch im Bereich des Landkreises Germersheim. Dieser sei wohl durch kanadische Soldaten mit nach Europa gebracht und erstmals 1993 im Bereich Sinzheim gesichtet worden. Er finde in den Gewässern am Oberrhein mit lehmigen Böden und warmen Wassertemperaturen ideale Bedingungen vor, vermehre sich stark und überstehe bis Trockenphasen bis zu acht Monaten. In befallenen Gewässern könne es zu einer nahezu vollständigen Zerstörung der Vegetation kommen, so Meißner. Derzeit gebe es noch keine einheitliche Vorgehensweise, um dessen weitere Ausbreitung zu verhindern. Man arbeite an einer Strategie zusammen mit den beteiligten Naturschutzbehörden.

Biologieprofessor Andreas Martens von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe mit einem Kalikokrebs.
Biologieprofessor Andreas Martens von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe mit einem Kalikokrebs. Foto: DPA
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