Minfeld
Nachwuchs bei Waldohreulen in Minfelder Garten
Den Garten auf dem recht weiträumigen Areal in der Holzgasse ließ die Vorbesitzerin anlegen. Verschiedenartige Bäume wurden hier gepflanzt – Hainbuchen oder Spitz- und Bergahorn zum Beispiel. Die Feigen müssen noch etwas auf ihre Ernte warten, sie brauchen einige Sonnenstunden mehr, während die Schildkröten gegen Abend bereits in ihre Behausung zurückgezogen haben. Doch seit einigen Wochen wandert der Blick von Kerstin Stern, die vor rund 20 Jahren mit ihrem Mann aus dem Badischen in die Südpfalz gekommen war, vor allem auf den schon mächtigen Maulbeerbaum.
Das hat einen guten Grund, denn von hier aus sind seit einiger Zeit immer wieder laute Töne zu vernehmen, die sie als Gepiepse von zwei jungen Waldohreulen identifiziert hat. „Ich freu mich so über den Waldohreulen-Nachwuchs in meinem Garten“, schrieb sie deshalb vor einigen Tagen an die RHEINPFALZ. Die kleinen Eulen seien in den Abendstunden und bis in die Nacht hinein zu hören. Und nicht nur das: Jetzt ist es der leidenschaftlichen Hobbyfotografin auch gelungen, die „Models vor die Linse“ zu bekommen.
Nicht selten, aber selten zu sehen
Waldohreulen – der lateinische Name der Art lautet Asio otus – sind in Mitteleuropa nicht selten. Sie gehören nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland zu den häufigsten heimischen Eulenarten. Allerdings bekomme man sie nur selten zu Gesicht, und Kerstin Stern ist das nun gelungen. Die Tiere schlafen regungslos und perfekt getarnt in den Bäumen, wo sie immergrüne Pflanzen als Nahrung bevorzugen. Da ihr Gefieder dem einer Baumrinde gleicht, ist es schwer, sie zu erkennen.
Außerdem sind sie nachtaktiv, gehen häufig auf die Jagd nach Mäusen. Die sind ihre Lieblingsspeise, machen rund 90 Prozent ihrer Nahrung aus, wie in einschlägigen Werken nachzulesen ist. Da sie keine eigenen Nester bauen, nutzen sie verlassene anderer Vögel wie etwa Krähen, Greifvögeln oder Elstern. Auch die Eltern der beiden Jung-Eulen in der Holzgasse scheinen sich ein verlassenes Elsternnest als Brutstätte ausgesucht zu haben, vermutet jedenfalls Kerstin Stern. Sie freut sich nicht nur über das Gepiepse der beiden Waldohreulen, sondern auch über die schönen Fotomotive. Schon vor einigen Jahren, es muss 2022 gewesen sein, vermutet die Tierfreundin, habe sie auf dem Grundstück Waldohreulen beobachten können. Dann machten sie sich rar, ehe in diesem Frühjahr endlich wieder Einzug auf dem Maulbeerbaum hielten.