Kreis Germersheim Nach Infarkt schneller in Behandlung

Geschäftsführer Frank Lambert (rechts) gratuliert Professor Dr. Jörg Stypmann. Dr. Wolfram Schulz (ganz links) und Dr. Eberhard
Geschäftsführer Frank Lambert (rechts) gratuliert Professor Dr. Jörg Stypmann. Dr. Wolfram Schulz (ganz links) und Dr. Eberhard Rau gehören ebenfalls zum Team der Inneren Medizin am Standort Kandel.

Der Weg zur lebensrettenden Behandlung ist für Herzpatienten in der Südpfalz kürzer geworden: Ab 1. August können Infarkte akut in Kandel versorgt werden. In der Asklepiosklinik steht rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr ein Kardiologen-Team bereit, das Notfälle versorgen kann. Das Krankenhaus hat den Stellenplan aufgestockt und Professor Dr. Jörg Stypmann eingestellt, der zuvor zehn Jahre die Herzambulanz am Universitätsklinikum Münster geleitet hat. Der Mediziner lebt und arbeitet seit 1. Juli in Kandel. Im Dezember 2016 war er vom Asklepios-Konzern angesprochen worden. Da kannte Stypmann die Region schon: Zufällig hatte er hier im Sommer 2016 einen Urlaub verbracht, An „Weinfeste und Wurstmarkt“ erinnert er sich und natürlich an den Saumagen in Deidesheim. Die Gegend habe einen guten Eindruck hinterlassen, sagt er: „Der Pfälzer lebt gerne.“ Allerdings hatte der Kardiologe mit einem Blick auf die Festbesucher auch erkannt: „Es gibt hier genug Arbeit.“ Tatsächlich liegt Rheinland-Pfalz in Sachen Herzinfarkte über dem Bundesdurchschnitt. Stypmann will mit seinen beiden Kollegen jetzt dafür sorgen, dass Infarktpatienten in Kandel schnell versorgt werden können. Herzstück der Herzversorgung ist das Kathederlabor, das jetzt rund um die Uhr besetzt ist. „Bei Patienten mit akutem Herzinfarkt führt die sofortige Behandlung über einen Katheter und mit einem Stent zu einer Reduktion der Sterblichkeit“, heißt es dazu im Herzbericht der Deutschen Herzstiftung. „Es geht um kurze Behandlungspfade“, sagt Stypmann. Derzeit werden von seinem Team - drei Kardiologen, vier medizinisch-technische Assistenten – schon 6 bis 7 Katheder pro Tag gelegt. „Wir sind täglich im Training.“ Das bedeutet zunächst, dass der Krankenwagen mit Patienten aus dem Landkreis Germersheim nicht mehr Karlsruhe oder Speyer ansteuern muss. Eine Investition, die die Versorgung im Landkreis verbessern soll, sagt Geschäftsführer Frank Lambert. Herzerkrankungen würden in einer immer älter werdenden Gesellschaft zunehmen. Außerdem liege der Einsatz von spezialisierten Teams innerhalb der Inneren Medizin im Trend. Die beiden Asklepios-Standorte im Kreis – Kandel und Germersheim – setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen. Natürlich geht es in der Kardiologie um noch viel mehr als Infarkte: „Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten bei der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz“, zählt Stypmann auf. Seine Station will auch Schrittmacher und Defibrillatoren einsetzen, beziehungsweise austauschen können. Stypmann will das Haus als Ausbildungsstandort profilieren und attraktiv für andere Ärzte machen. Dazu will er unter anderem die Ausbildung in der Kardiologie von einem auf drei Jahre ausdehnen. „Vielleicht kann man ein akademisches Lehrhaus daraus machen“, wünscht er sich. Für den Kardiologen war der Wechsel nach Kandel ein großer Schritt: Er ist von der Universitätsklinik, einem Haus der Maximalversorgung, zu einem sogenannten Haus der Regelversorgung gewechselt. An der Uniklinik behandelte er nur ausgewählte, besonders schwierige Fälle, „Jetzt sehe ich wieder das ganze Spektrum“, freut sich Stypmann. Dabei ist ihm bewusst, dass Kliniken auch Wirtschaftsunternehmen sind und Behandlungen nicht umsonst. Er sei die Auseinandersetzung mit den Kassen gewohnt, betont er. „Ich bin im formalen Kampf“, er wisse, welche Therapien problemlos bezahlt werden, bei welchen um die Finanzierung gerungen werden muss.

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