Kreis Germersheim „Nach einem Streit muss man vergeben können“

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Vor 60 Jahren heirateten Hilde und Heinz Humbert in der evangelischen Kirche in Bornheim, dem Heimatort der Braut. Gefeiert wurde „daheim bei Fleeschknepp mit Meerrettich und Schnitzel“. „Bis 22 Leute könnt Ihr einladen, größer ist das Wohnzimmer nit“, erinnert sich der Jubilar an die Worte seines Schwiegervaters. „Das weiße Brautkleid hatte ich von meiner Cousine geliehen“, verrät Hilde Humbert verlegen.

Kennengelernt haben die beiden sich 1949 am Kerwesonntag in Bornheim. „Ich war gleich verliebt“, weiß der Zeiskamer. „Ich habe noch mit der Liebe gehadert, weil er krank war“, gibt seine Frau zu. Heinz war nach dreijähriger russischer Gefangenschaft mit einer – wie später festgestellt wurde – offenen Tuberkulose heimgekehrt. Nach dem Willen ihrer Mütter sollte er erst gesund werden, da die Ansteckungsgefahr groß war. Die beiden 27-Jährigen setzten sich durch und heirateten. „Wir haben zusammengehalten in Freud und Leid“, sagen die Humberts. Erst nach vielen Kuren und einer Operation war die Tuberkulose nach zehn Jahren endgültig ausgeheilt. Gleich nach der Schule wurde der 17-Jährige zum Reichsarbeitsdienst bei Graz (Steiermark) eingezogen und im Dezember zur Division Hermann Göring als Panzergrenadier nach Westpreußen abkommandiert. „Ich war vierzehn Tage als Soldat im Einsatz, bevor ich in Wittenberge an der Elbe in englische Gefangenschaft geriet“, berichtet Humbert. An die Russen in Posen ausgeliefert, folgten drei harte Jahre in der Ostukraine, darunter im Salzbergwerk, bis er 1948 wegen Krankheit entlassen wurde. Als 22-Jähriger absolvierte Humbert dann eine zweijährige Lehre als Großhandelskaufmann in Landau. Später wechselte er zur Firma Sinn, Obst und Gemüse, in seinem Heimatort, wo er bis zum Ruhestand war. „Ich war die Älteste von fünf Kindern und unser Vater war im Krieg“, erzählt Hilde. So musste sie in der elterlichen Landwirtschaft arbeiten. „Später war ich in Stellung, am längsten beim Kirchenpräsident Stempel in Speyer“. Nach der Heirat wohnte das Ehepaar in einem Hinterhaus in der Zeiskamer Pfalzstraße bis es mit den 1955 und 1958 geborenen Söhnen Hartwig und Volkmar 1964 das schmucke Eigenheim in der Austraße bezog. „Wir haben ein Stückchen Land von meinen Eltern in Zeiskam bekommen“, berichtet Heinz. Seine Frau habe Gemüse angebaut, das dann von der Firma Sinn vermarktet wurde. Zudem habe sie auf einer Strickmaschine für die Familie und Bekannte Strickwaren angefertigt. Noch heute kocht die Hausfrau. Sohn Hartwig versorgt das Paar und kauft ein. „Ich bin jeden Tag im Garten, so viel ich kann“, erzählt Heinz. Nach der Pensionierung schrieb Humbert 1988/89 seine Lebenserinnerungen auf dem Computer nieder. Grundlage seien „die vielen Briefe, die wir uns während der Trennungen schrieben haben.“ Wichtig für ihn: „Durch das Leiden sind wir gläubige Christen geworden, wir haben immer auf Gott vertraut.“ Dankbar für ein langes gemeinsames Leben hat das Paar jedoch kein Rezept für Eheglück. „Nach einem Streit muss man einander vergeben können“, sagt er. Gefeiert wird am Samstag im größeren Familienkreis, zu dem sechs Enkel und vier Urenkel gehören, mit einem Gottesdienst und Mittagessen in Bornheim. (mjn)

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