Kreis Germersheim Nächtliche Infos für Azubis
Mit einer Berufsinformationsnacht im Mercedes-Benz-Werk lockte der Automobilhersteller am Freitag mehr als 800 Besucher aus der Region auf sein Betriebsgelände. Ausbilder und Auszubildende standen am Abend bis 22 Uhr für Fragen bereit, auch an eine Burger- und Frittenbude war gedacht worden. Der „Daimler“ zieht also noch immer Massen junger Leute an und darf seine Präsentation als Erfolg verbuchen.
Kurz vorm Wochenendfeierabend hat der Mann am Haupteingang noch einmal sehr viel zu tun: Viele Besucher übersehen offenbar die Hinweisschilder an der Straße und landen auf der Suche nach der Ausbildungswerkstatt bei ihm. Ein paar hundert Meter in der Nutzfahrzeugsschulungshalle – dem eigentlichen Ziel – ist ebenfalls eine Menge los. Ganze Familienverbände schieben sich an den Informationsständen und Ausbildungsstätten vorbei. Viola aus Herxheim hat neben ihren beiden Töchtern gleich noch zwei ungarische Austauschschülerinnen mitgebracht hat. „Eigentlich habe ich noch gar keine Vorstellung, was mich interessiert“, sagt Tochter Hannah. Kein Wunder, das Ausbildungsangebot ist breit: Elektroniker für Automatisierungstechnik, Fachkraft für Lagerlogistik, Fertigungs- und Industriemechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Kaufmann für Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker , Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik; all diese Berufe können Auszubildende hier erlernen. Die 13-jährige Hannah versucht sich am Simulator im Lackieren. Die Schülerinnen aus Budapest, Villő (13) und Nóri (14), entscheiden sich für Tischtennisspielen und Formel-1-Rennen am Computer. Am Stand der Arbeitsagentur Landau gibt es Berufsberatung. In Deutschland gibt es rund 350 Ausbildungsberufe und stehen Studenten etwa 17.000 Bachelor- und Masterstudiengänge zur Verfügung. Das auf dem Tisch liegende „Handbuch Studien-und Berufswahl“ hat 656 Seiten in kleiner Schriftgröße. Felix, Jonas und Lukas aus Landau (alle 18) wissen schon, was sie wollen: International Business, ein duales Studium. Doch diese Ausbildung bietet der Konzern nur in Stuttgart an, entsprechend finden Sie nun keinen Ansprechpartner. Immerhin waren ihre Gespräche mit den hiesigen Werksstudenten gut, „die sind echt kompetent und man musste denen auch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen“, sagt Lukas. Insgesamt sind derzeit 399 technische und kaufmännische Auszubildende sowie Studierende der Dualen Hochschule über alle Jahrgänge in Wörth beschäftigt. Ein gutes Viertel hiervon sind Frauen. Für deren Ausbildung sind Rainer Fischer und Joachim Steireif mitverantwortlich. Seit Ende der 90er haben die beiden Ausbildungsmeister rund 400 Fertigungsmechaniker zu einem Berufsabschluss geführt. Den Ausbildungszweig hat Fischer in Wörth selbst initiiert und aufgebaut. Er selbst begann mit einem Hauptschulabschluss und qualifizierte sich weiter. „Für einen Hauptschüler von heute ist diese Ausbildung eine Herausforderung, er muss schon viel Motivation mitbringen“, merkt er kritisch an. Patric Hoecker aus Landau arbeitet bei einem großen Turbolader-Hersteller in Kirchheim-Bolanden und ist mit seiner Frau und den beiden Kindern da. Sein Berufsweg gleicht dem Fischers, er arbeitete sich auf dem zweiten Bildungsweg von einer Schlosserausbildung bis hin zu einem Maschinenbauabschluss an der Universität. Gerade erklärt er seinem 14 Jahre alten Sohn Carlos „das Grundprinzip eines Motors“ am Original. Carlos drückt das Kreuz durch und hört aufmerksam zu. Der Junge mit den langen, leicht gelockten Haaren möchte hier bald ein Schülerpraktikum machen und schließt „nichts aus, auch eine spätere Ausbildung nicht“. „Es ist eine gute Sache, dass Daimler die Gelegenheit zum Reinschnuppern gibt. Das gab es zu meiner Zeit nicht“, ergänzt der Vater. Angesichts des Erfolgs dieser erstmals ausgerichteten Berufsinformationsnacht dürften die Veranstalter für das nächste Mal mit noch mehr Neugierigen rechnen können.