Kreis Germersheim Miteinander reden als beste Möglichkeit

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Sie haben selbst Angst – und können nicht recht verstehen, wieso ein Land wie Deutschland Angst vor ihnen hat. Rund 200 Flüchtlinge und in der Flüchtlingsarbeit engagierte Bürger diskutierten am Dienstagabend in Germersheim über die aktuelle Situation – gerade nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln. Was in Köln passiert ist, wird nicht kleingeredet. Es sei abscheulich und – so der Tenor in der Aula der Berufsbildenden Schule – die übergroße Zahl der Asylbewerber distanziere sich von diesen Taten und Tätern. Gesprochen wurde Deutsch, Englisch, Arabisch, Urdu. Studierende der Universität dolmetschten in kleinen Gruppen, so dass trotz der Internationalität eine gute Kommunikation entstand. „Kommunikation“ stand bei allen Referenten und Redebeiträgen im Mittelpunkt. „Wenn wir miteinander reden, kommen wir miteinander aus“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Germersheim, Wolfgang Zöller. In einem vielbeachteten Vortrag schilderte Zöller den Weg der Germersheimer Polizei zu einer Art „Migrantenpolizei“, bei der mittlerweile türkisch, russisch, französisch, dänisch, englisch gesprochen werde, wenn’s drauf ankommt. Wie bei vielen Migranten will Zöller auch Asylbewerbern mögliche Ängste vor der Polizei nehmen und bietet gemeinsame Veranstaltungen, Führungen durch die Inspektion oder Vorträge an. Kommunikation mit Angehörigen fremder Kulturen sei für die Polizei zur Selbstverständlichkeit geworden, „und ist in einer Stadt wie Germersheim mit über 100 Nationalitäten auch absolut notwendig.“ Für Klara Ventz vom Café Asyl in Landau ist Kommunikation der Schlüssel zum gemeinsamen Auskommen. Ihr Tipp: Mit Asylbewerbern nicht von oben herab als besserwissender Helfer sprechen, sondern als Personen auf gleicher Ebene. Die blonde junge Frau berichtete von Reisen nach Syrien und in den Irak, wo sie sich nicht bedrohter gefühlt habe „als wenn ich nachts durch Duisburg (ihr Heimatort) laufe“. Sie ließ in Anspielung auf Köln aber auch keinen Zweifel daran, dass Straftäter zur Rechenschaft gezogen werden müssen, egal welcher Herkunft. Für Ahmad Tazeem, selbst Flüchtling aus Pakistan und seit 2012 in Deutschland, gibt es eine klare Vorgabe, wie der Titel der Veranstaltung „Gemeinsame Werte – Schaffen wir das?“ mit „Ja“ beantwortet werden kann: „Wir müssen miteinander reden. Das ist die beste Möglichkeit, die wir alle haben.“ Dinge, über die nicht zu reden ist, die aber zu beachten sind, stellte Justiz-Staatssekretär Hannes Kopf (SPD) vor: „Was in der Verfassung steht, ist die Grundlage unserer Gesellschaft und aller Gesetze“, machte er die Bedeutung des Grundgesetzes deutlich. Das gelte für alle Menschen, die sich in Deutschland aufhalten – egal welcher Herkunft und welchen Glaubens. Kopf verteilte Grundgesetzbüchlein in arabischer und englischer Sprache. „Jeder kann nachschauen, welche Werte in Deutschland festgeschrieben sind.“ (tom)

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