Rülzheim
Mit positiven Botschaften um die Welt
Die letzten Monate hätten bei vielen Menschen für so manchen Durchhänger gesorgt, meint Anna Wüst. Mit positiven Botschaften will sie „einen neuen Spirit in die Welt tragen“. Gemeinsam mit ihrem Freund Kevin Hennings geht sie im kommenden Jahr auf Weltreise in 23 Länder. Mit im Gepäck sind 365 verschiedene T-Shirt-Aufdrucke, die jeden Tag einen positiven Anstoß geben sollen. Sie weiß, dass sie damit nicht die Welt verändern wird. Doch sie hofft auf kleine Schritte. Vielleicht gibt es ja einige Menschen, die beim Blick auf ihre T-Shirts zum Nachdenken gebracht werden könnten: „Eigentlich wollte ich schlecht gelaunt aus dem Bett aufstehen, aber dann überlege ich mir das nochmal“, hofft Wüst auf einzelne Ermunterungen.
„Ich war schon immer reiselustig“, ist die in Rülzheim aufgewachsene Wüst mit der Weltreise natürlich auch auf eigene Entdeckungen aus. In ihrer Familie stößt sie damit nicht nur auf Verständnis. „Meine Mutter kann das gar nicht nachvollziehen und sagt mir immer, in der Pfalz ist es doch auch schön.“ Doch für Wüst ist klar: „Reisen hält mich am Leben.“ 2013 zog es sie nach Köln, wo sie viele Jahre in der Medienbranche, unter anderem als Redakteurin und Produzentin für das Fernsehen arbeitete. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich auch die Idee zur Finanzierung und Umsetzung der Weltreise. Marketing sei insbesondere im Internet „riesengroß“, sagt Wüst. Dies wollten sie mit einer Idee nutzen. „Wir nutzen unseren Körper als Werbefläche und verkaufen dort einen Platz.“
365 wechselnde T-Shirt-Slogans
Auf ihrer Webseite boten sie Werbeplätze für Unternehmen und Einzelpersonen an. Die Bedingung war eine positive Botschaft. „Wir wollten nicht nur Werbung, sondern auch Nachhaltigkeit schaffen. Daher kam die Idee, eine zukunftsgerichtete Botschaft zu nutzen.“ Doch die Ansprüche von Wüst gingen noch weiter. „Wir möchten keine Firmen dabei haben, die Dreck am Stecken haben oder die Welt kaputt machen.“ Eine Zusammenarbeit mit einigen Großkonzernen kam für die beiden daher nicht in Frage. „Zehn Prozent der Erlöse wollen wir an gemeinnützige Organisationen spenden, die wir vor Ort antreffen“, sagt Wüst.
Vor einigen Wochen konnten sie tatsächlich den letzten Platz verkaufen und haben nun 365 Botschaften beisammen, die sie ab dem 1. Januar täglich wechselnd auf ihren T-Shirts tragen werden. „Es sind sehr viele nachhaltige Firmen und Selbständige dabei“, sagt Wüst. Sie nutzte auch ihre Verbindungen in die Pfalz. Der Pfalzwein-Podcast „Dubbecast“ ist ebenso mit einer Botschaft vertreten wie die Webseite Pfalzweinliebe.
Sehr aufwändige Vorbereitung
Doch das Projekt brachte auch einen großen Aufwand mit sich. „Wir hatten so viel vorzubereiten, dass wir dieses Jahr die ganze Freizeit neben unseren Jobs aufwenden mussten“, sagt Wüst. Um das zu bewältigen, kündigten sie ihre Arbeitsstellen im Oktober und entschieden gleich schon nach Südostasien aufzubrechen. „Ohne Job waren die 1400 Euro für die Wohnung in Köln nicht mehr zu bezahlen. In Asien können wir für die Hälfte des Geldes leben und haben dazu ein gutes Klima“, sagt Wüst. Zudem könnten sie dort besser Inhalte für ihren Instagram-Kanal mit mehr als 10.000 Followern vorbereiten. „Wir haben jetzt Zeit und Muße und können schon Content vorproduzieren, was im kalten Deutschland nicht so gut möglich wäre.“
Die Sorgen, dass die Technik in der Ferne nicht so funktionieren würde, erwiesen sich als unbegründet. Auch in Indonesien ließen sich alle Botschaften auf die mitgebrachten Textilsticker drucken. „Wir haben allein für die Sticker 13 Kilo Extra-Gepäck dabei“, berichtet Wüst auch von überraschten Blicken. Die erste Botschaft werden sie zu Neujahr in Australien tragen. Von dort geht es weiter über die Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Türkei, Bulgarien, Griechenland, Nordmazedonien, Montenegro, Kroatien, Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Südafrika. Der Abschluss zum Jahresende ist für Sansibar in Tansania vorgesehen. „Es ist ein großer Aufwand, eine Weltreise in so viele Länder zu machen. Es gilt, viele Verbindungen zu prüfen, und wir haben jeden Tag etwas zu tun“, sagt Wüst.
Wüst, die auch nach ihrem Umzug nach Köln regelmäßig in der Pfalz ist, will ihre Wurzel auch während der Weltreise einsetzen. Auch auf ihrem Instagram-Kanal setzt sie immer wieder auf pfälzische Mundart. „Ich versuche immer mal wieder Worte wie ’Grumbeere’ einzubauen. Wenn dann Kommentare wie ’Pfälzer Babbelgosch’ zurückkommen, freut mich das immer sehr.“