Kreis Germersheim Mit Pedelec-Flotte Sperrung umgehen
Es war eine engagierte Debatte um ein Dauerärgernis für Pendler aus der Südpfalz. Am Dienstag lud die Junge Union (JU) Kreisverband Germersheim zur Podiumsdiskussion zum Thema 2. Rheinbrücke ins Pfarrzentrum Maximiliansau ein. In einem Punkt waren sich alle einig: Falls eine 2. Rheinbrücke kommen sollte, dann frühestens ab 2028.
„Da werden etliche von ihnen im Publikum schon Rentner sein“, konstatierte Steffen Weiß (Aktionsbündnis zweite Rheinbrücke). Der Abend begann mit einem Auftritt des Kabarettisten Roland Maier. Karlsruhe sei die einzige Technologie-Region der Welt, die zurück zur Agrargesellschaft wolle. Er erinnerte daran, dass Karlsruhes Oberbürgermeister Mentrup (SPD), als er noch im Wahlkampf um das Amt des Rathauschefs steckte, bei einem Stopp in der Südpfalz von „Wahnsinn“ sprach, als er von der Situation auf der Rheinbrücke erfuhr. Mittlerweile sperre er sich wie die Mehrheit im Karlsruher Gemeinderat gegen eine 2. Rheinbrücke. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart, Steffen Weiß (Aktionsbündnis 2. Rheinbrücke) und Peter Hauck (Bündnis Pro 2 Initiative zweite Rheinbrücke – er vertritt die großen Arbeitgeber Miro, Daimler, Stora Enso und Siemens) stellten sich den Fragen von Moderator Christopher Hauß (JU Kreisverband Germersheim). „Wir reden hier über das wichtigste Infrastrukturprojekt für die Südpfalz. Rund 80.000 Fahrzeuge fahren täglich über die Brücke. Hinzu kommt nun die Sanierung im nächsten Jahr. Wir brauchen dringend eine dauerhafte Entlastung“, so Gebhart. Weiß verwies darauf, dass es zwischen Germersheim und Rastatt-Wintersdorf auf 55 Kilometern nur eine Rheinquerung gebe. Hauck betonte, dass es ein riesiges Problem für die großen Unternehmen sei, die Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zu bringen. „Die Brücke ist am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Wir brauchen eine dauerhafte Lösung. Ich rede hier im Interesse von 20.000 Arbeitnehmern.“ Sein Arbeitgeber Miro überlege eine E-Bike-Flotte anzuschaffen, wenn 2018 die große Sanierung der Brücke (neun Monate) mit Vollsperrungen anstehe. Hauck erläuterte die enormen Probleme für die großen Arbeitgeber, wenn die Rheinbrücke gesperrt ist. „Wenn wir bei der Miro die Raffinerie wegen fehlenden Personals runterfahren müssen, dann hängt da sehr viel mit dran. Es kann bis zu 20 Tage dauern, bis wir wieder hochfahren können. Der Ausfall in der Produktion wäre enorm. Wir müssen uns jetzt schon Gedanken machen, wie wir 2018 bei der Brückensanierung die Arbeitnehmer an die Produktionsstätten bekommen.“ Einig waren sich alle im Podium, dass beim Bau einer 2. Rheinbrücke ein Radweg und ökologische Ausgleichsmaßnahmen Pflicht seien. Dass die Verkehrssituation sich auf der Karlsruher Südtangente, wie oft prognostiziert wird, drastisch verschlechtern würde, zweifelte Weiß an. Die Anbindung einer 2. Rheinbrücke an die B36 hielt Gebhart für vernünftig, eine Öffnung des „Knielinger Pförtners“ für wichtig. Weiß machte die Rechnung auf, wie lange das Prozedere dauern könnte. In den nächsten Monaten erfolgt der Planfeststellungsbeschluss, dann folgen Einwände und Klagen von Umwelt- und Naturschutzverbänden. Dies könne fünf Jahre dauern inklusive Ausgleichsmaßnahmen. Hinzu kommen weitere zwei bis vier Jahre Bauzeit. Er schätze gar, dass es letztlich eher 2030 werde. Heiß diskutiert wurde auch die anstehende Sanierung der Brücke, unter anderem das technische Verfahren wurde angezweifelt. So soll es an zwölf bis 16 Wochenenden 2018 Vollsperrungen geben. „Für uns als Arbeitgeber wird dies ein sehr schwieriges Jahr“, prognostizierte Hauck. Eine Bürgerin im Saal bestätigte dies. „Es wird problematisch für uns an die Arbeitsplätze zu kommen. Für Schichtarbeiter macht der ÖPNV nämlich keinen Sinn.“ Ein weiterer Bürger forderte auf, den politischen Druck zu erhöhen. Viele der Mitarbeiter in den großen Krankenhäusern in Karlsruhe kämen aus der Südpfalz, wenn die wegblieben, sehe es um die Krankenversorgung in der Fächerstadt nicht gut aus.