Kreis Germersheim Mit dem Zug auf Europa abfahren

Von diesem Unterricht über Europa zeigten sich die Schüler an der BBS begeistert.
Von diesem Unterricht über Europa zeigten sich die Schüler an der BBS begeistert.

Der Tag an der Berufsschule stand gestern unter einem besonderen Stern, besser gesagt: einem Sternenkreis. Anlässlich der Europawoche 2017 finden zur Zeit in Schulen in ganz Deutschland EU-Projekte statt, auch die BBS hat sich nicht zwei Mal bitten lassen. In Zeiten von Krise, Europa-Skepsis und Populismus sollten Schüler für europäische Themen und Kulturen sensibilisiert werden.

Ziel ist es, bei den Schülern Interesse und Bewusstsein für Europa zu wecken, sagt Kathrin Denk, die zusammen mit ihren Kolleginnen Claudia Dietherich und Nicole Winkler das Projekt geleitet hat. „Wir haben überlegt, was Schüler in diesem Alter an Europa interessiert, und sind dann aufs Reisen gekommen.“ So entstand die Idee für das Interrail-Konzept: Am Eingang bekommen die Besucher Zug-Tickets in die Hand gedrückt („Zone: EU-Projekttag“) und dürfen danach verschiedene Stationen ansteuern, die europäische Reiseziele symbolisieren sollen. Zwei Klassen mit Schülern im Alter von 16 bis 19 Jahren haben sich zusammengetan und die Stationen in Gruppenarbeit vorbereitet, jetzt stehen sie Rede und Antwort. Theresa, Johannes und Chantal erklären, was man in Rom alles sehen kann, vom Vatikan bis zur Shoppingmeile. Halt gemacht wird auch in Brüssel, Kopenhagen oder Budapest, fast jede Region in Europa ist vertreten. Aber auch Themen wie der Europass, der Europäische Solidaritätskorps und Erasmusprogramme bekommen ihre eigene Station – neben der regionalen Vielfalt sollen auch die Leistungen und Vorteile Europas aufgezeigt werden. „Viele unserer Schüler wissen nicht viel über Europa. Das Interesse ist aber da, das sieht man ja am regen Austausch“ sagt Kathrin Denk. In der Tat herrscht im ganzen Projektsaal muntere Betriebsamkeit. „Wir sind sehr stolz auf unsere Schüler, die Begeisterung ist angekommen.“ Im Gespräch mit den Schülern wird immer wieder zu Protokoll gegeben, wie viel Spaß die Projektarbeit gemacht habe. Auf die Frage, was Europa für sie bedeutet, bekommt man verschiedene Antworten – viele drucksen herum, die ein oder andere Kritik wird geäußert. Ein Schüler meint: „Es könnte schon vieles besser laufen, die Spaltung zwischen armen und reichen Ländern scheint immer größer zu werden.“ Der Grundtenor ist aber bei den meisten, das man lieber zusammen als für sich alleine ist und trotz aller Probleme gerne in Europa lebt. Politischer Besuch kam unter anderem in Person der SPD-Landtagsabgeordneten Barbara Schleicher-Rothmund, die sich von der Arbeit der Schüler hoch erfreut zeigte: „Danke, das ihr mitmacht, danke, das ihr’s so ansprechend macht!“ sagte sie den Schülern. Das Thema Europa könne oft zäh sein, die Schüler hätten es geschafft, Farbe ins Spiel zu bringen. Die SPD-Abgeordnete gab den Schülern noch eine Botschaft mit: „Europa ist was Tolles! Lasst es euch nicht schlecht reden.“ Zum Abschluss des Tages fand im Bistro der Berufsschule ein deutsch-italienisches Essen statt. Mit anderen Worten: Es gab Lasagne. Mit dieser Form der europäischen Integration kann sich sicher auch der größte Europa-Skeptiker anfreunden.

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