Kandel Mit Corona-Soli auf Bierdeckel ein Zeichen setzen
Ein Hallo-wach-Kaffee am Morgen, ein köstliches Eis am Nachmittag, ein spannender Krimi für die Bahnfahrt oder ein bunter Frühlingsstrauß für daheim – das klingt verlockend nach Zeiten ohne Ausgangsbeschränkungen. Viele Lieblingsorte sind dicht dieser Tage, zu unser aller Bedauern und zum gewaltigen Schaden für die Betreiber; materiell und auch emotional, mit bangem Blick darauf, wie es nach Corona weitergehen soll mit ihrem Geschäft, ihrem Café.
Bunte Gastronomieszene erhalten
Die Partei „die Grünen“ wirbt jetzt für den Kandeler Corona-Soli, einen freiwilligen Notgroschen. Die Initiatorin der Aktion, Stadträtin Ulrike Regner (Grüne), hat die Anregung der Grünen-Abgeordneten Corinna Rüffer aus Trier übernommen: „Wir wollen damit ein Zeichen der Solidarität für unsere bunte Geschäfts- und Gastronomieszene setzen“, so Regner. „Dabei kann sich jeder überlegen, wie er seinem persönlichen Lieblingsbetrieb unter die Armen greifen möchte.“ Symbol der Aktion ist ein Bierdeckel, der in diesen Zeiten unbeschrieben bleibt, aber nun quasi im Voraus beglichen werden kann.
Die Überlegung dahinter: Im Alltag ohne Corona hätte jeder Kunde einen bestimmten Betrag in einem jetzt geschlossenen Betrieb ausgegeben, für den Friseurbesuch oder für ein Abendessen mit Freunden. Warum nicht einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass das auch nach Corona noch möglich sein wird, fragten sich die Kandeler Grünen. Der Soli könne eine Geldsendung per Post oder ein direkt in den Briefkasten eingeworfener Umschlag sein; am sichersten wäre eine Banküberweisung mit dem Betreff „Kandeler Corona-Soli“, so der Vorschlag. Über die Internetseiten von Kneipen, Cafés oder Restaurants ließen sich meist die Bankdaten des Adressaten für den Soli-Beitrag herausfinden.
Geschäftsinhaber haben Sorgen
Vor Start des Kandeler Corona-Soli hat Ulrike Regner einige Kandeler Betriebe angerufen. Was sie erfahren hat, bestärkte sie in ihrem Vorhaben: „Viele Geschäfte lassen sich schon etwas einfallen, Lieferservice oder Gutscheinverkauf, aber betteln will niemand, obwohl einige bange in die Zukunft schauen.“ Der Kandeler Corona-Soli könne zwar keinen Betrieb auf Dauer retten, umso wichtiger sei ein Zeichen dafür, dass die Kandeler „ihre“ Gewerbelandschaft schätzen.
Innerhalb der Kandeler Grünen gab es vereinzelt kritische Stimmen zu dem Vorhaben, doch überwiegend Zustimmung. Und: Das Trierer Vorbild laufe bereits sehr erfolgreich, so Regner. Positives Echo kommt auch von Seiten der Stadt Kandel: Bürgermeister Michael Niedermeier (CDU) begrüßt den Soli im Rahmen der Aktion „Kandel hält zusammen“. „Sicher werden über den Kandeler Corona-Soli keine Riesensummen fließen, das ist uns allen bewusst“, resümiert Regner. „Die symbolische Geste zählt, wir signalisieren damit unsere Treue und dass wir nach der Krise als Gäste und Kunden zurückkommen.“