Kreis Germersheim „Mich bestiehlt niemand“

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Durch einen Messerstich verblutete am Morgen des Faschingssonntags ein 21-Jähriger aus Speyer auf der Straße in Bellheim. Ein 33-Jähriger aus Bellheim muss sich vor der Schwurgerichtskammer des Landauer Landgerichts verantworten. In einem Sicherungsverfahren soll entschieden werden, ob der Beschuldigte in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht werden soll. Zeugen beleuchteten am zweiten Verhandlungstag den Hintergrund der Tat.

Anlass für den Streit auf der Heimfahrt von der Disco A 65 in Kandel war eine Mütze, eine sogenannte Snap-Cap. So konnte sich der beste Freund des Opfers, ein 29-Jähriger aus Lustadt, ein mögliches Motiv erklären. Denn diese besonderen Mützen seien für ihn Sammelobjekte. Im Gericht trug er selbst eine solche Kappe, die mit Namen und Lebensdaten des Opfers bestickt war. Sein Freund habe ihn zum Sammeln animiert, habe selbst etwa 50 Snap-Caps gehabt. An diesem Abend habe der Beschuldigte auch eine solche Kappe getragen. Sie sei mit „fünf zu sieben“ in altdeutscher Schrift bestickt gewesen. Bei der Party im A 65 hätten alle über den 33-Jährigen gelacht, weil er einen „Hitlerbart“ hatte. Auch habe er komisch getanzt. Es sei ein lustiger Abend gewesen, so der Freund. Die 25-jährige Landauerin, die mit zurückfuhr, erinnerte sich noch gut an die Fahrt. Sie kannte das spätere Opfer von Discobesuchen. „Er war von Natur aus eine Stimmungskanone.“ Der Beschuldigte indes habe sich in die Rückbank gedrückt und Daumen gedreht. Er sei nervös und ihr sei neben ihm mulmig gewesen. Der Tod des jungen Mannes geht auch dem 43-Jährigen Fahrer des Autos heute noch nach. Als die Frauen in Landau ausgestiegen waren, sei der Streit eskaliert. Er habe an der Bushaltestelle in Bellheim angehalten und die Snap-Cap des 33-Jährigen mit der Stickerei gesucht, aber nicht gefunden. Der Streit ging weiter. Er habe den 33-Jährigen aufgefordert auszusteigen. Der wollte nicht. Als das spätere Opfer ausgestiegen sei, sei er hinterher gegangen. „Sie haben sich geprügelt wie kleine Jungs“, sagte der Zeuge. Er habe nicht eingegriffen, weil er nicht dachte, dass es eine „so starke Auseinandersetzung“ würde. Der 21-Jährige stieg wieder ein und sagte, der Beschuldigte habe ihn auf den Kehlkopf geschlagen. Daraufhin holte der SUV-Fahrer den Erste-Hilfe-Kasten. Da kippte das Opfer nach vorn und blutete aus dem Mund. Der Fahrer zog ihn aus dem Auto und legte ihn auf den Bürgersteig. Bis der Rettungsdienst kam, war es zu spät. Derweil war der Beschuldigte zu Hause angekommen und habe geschimpft, weil sein Messer kaputt gewesen sei. Sein Mitbewohner in der betreuten Wohnung habe Blut daran gesehen. „Mich bestiehlt niemand“ habe der 33-Jährige gesagt. Handy, Kappe und Geldbeutel seien ihm gestohlen worden. Deshalb habe er „ihm das Messer in den Hals gestoßen“, erinnerte sich der Zeuge. Einem 36-jährigen Patienten des Pfalzklinikums, habe der Beschuldigte die Tat ebenfalls gestanden. Die Leiterin der betreuten Wohneinrichtung und der Fachpfleger erzählten von der Zeit vor der Tat. Der 33-Jährige sei auf gutem Weg zu einem selbstbestimmten Leben gewesen. Aber im Februar habe er häufig über Schmerzen geklagt und viele Schmerzmittel genommen. Er sollte Anfang März in einem Krankenhaus auf organische Beschwerden untersucht werden. Waffen, dazu gehören auch Messer, seien in der Hausordnung strikt verboten, betonten Beide. Am heutigen Montag wird der Prozess um 9 Uhr mit psychiatrischen und rechtsmedizinischen Gutachten am Landgericht Landau fortgesetzt.

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