Kreis Germersheim Maikäfer werden 2019 massenhaft fliegen
Ende April werden die Maikäfer im Bienwald aus dem Boden schlüpfen. Eine echte Gefahr für den Wald ist aber nicht der Hunger der ausgewachsenen Käfer auf Blätter, sondern der Wurzelfraß seiner im Boden lebenden Larven. Diese Engerlinge schädigen besonders Bestände von jüngeren Laubbäumen. Einzeln oder in ganzen Gruppen fallen ihnen nachwachsende junge Buchen und Eichen zum Opfer. Wobei der Engerling auch die Wurzeln von Nadelbäumen nicht verschmäht. Aber auch ältere und damit größere Bäume können absterben, wenn wie in diesem Jahr eine lang anhaltende Trockenheit hinzu kommt. Das kann dann auch für Waldbesucher gefährlich werden, so Johannes Becker vom Forstamt Bienwald (Kandel): „Abgestorbene Bäume haben in der Regel massive Wurzelschäden und können deshalb jederzeit umstürzen.“ Deshalb beginne das Forstamt Kandel nun damit, an viel genutzten Wegen gezielt gefährliche Bäume zu fällen. „Aus Arbeitssicherheitsgründen kommt ein Holzvollernter zum Einsatz“, so Becker. Die abgestorbenen Bäume stehen vor allem im Hauptverbreitungsgebiet des Maikäfers im Bienwald: östlich der A 65, besonders im Bereich Wörth, Jockgrim und Kandel sowie westlich von Berg. Deutlich erkennbare Maikäferschäden gibt es mittlerweile auf etwa 800 Hektar im Bienwald: •600 Hektar im Staatswald nordwestlich von Berg beziehungsweise zwischen Wörth und Kandel; •250 Hektar im Stadtwald Kandel sowie in den Gemeindewäldern Erlenbach, Rheinzabern und Hatzenbühl. Geflogen sind die Maikäfer im letzten sogenannten „Flugjahr“ 2015 auf rund 4500 Hektar. 2011 waren es noch 2100 Hektar. 2019 wird sich der Maikäfer weiter ausbreiten und vermutlich auch im Westen des Bienwalds vermehrt auftreten, erwartet Becker: „Die historische Befallsfläche der 1950er-Jahre betrug im Bienwald insgesamt etwa 5500 Hektar.“ Zur Überwachung der Populationsentwicklung des Maikäfers führen Forstwissenschaftler gemeinsam mit dem Forstamt Bienwald in Waldgebieten Probegrabungen nach Engerlingen durch. Als kritische Dichte, ab der mit spürbaren Schäden zu rechnen ist, gelten ein bis zwei Engerlinge im dritten Wachstumsstadium pro Quadratmeter. Bei Probegrabungen im Herbst 2017 betrug die Dichte im Durchschnitt etwa 3,5 Engerlinge pro Quadratmeter, in den Befallsschwerpunkten 4 bis 30 Engerlinge, vereinzelt bis zu 44 Engerlinge. Insgesamt sind die Maikäferschäden im Bienwald noch eher kleinflächig und oft nur vom informierten Waldbesucher wahrnehmbar, so Becker. Erkennbar sei allerdings die Zunahme der betroffenen Flächen sowie die damit einhergehende „schleichende“ Verlichtung und Entmischung von befallenen Waldbeständen in den trockeneren Bereichen des Bienwaldes. Aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind im Bienwald Flugjahre mit Auftreten von Millionen von Käfern dokumentiert, so Becker. Bis zu 60-jährige Wälder starben zum Teil hektarweise ab, besonders Laubbäume, allen voran Buche und Eiche. Intensive Bekämpfungsmaßnahmen führten zum deutlichen Rückgang des Maikäfers. Seit etwa 1983 breitet er sich wieder aus. „Aus Gründen des Natur- und Artenschutzes sowie wegen fehlender zugelassener Pflanzenschutzmittel ist im Bienwald aktuell keine Bekämpfung vorgesehen“, so Becker.