Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Lufthansa versteigert Fundkoffer in Wörth: Was ist in der Überraschungsbox?

Interessenten schauen sich Dinge vor der Versteigerung an.  Foto: van
Interessenten schauen sich Dinge vor der Versteigerung an.

Etwa 400 interessierte Käufer oder auch nur Zuschauer waren der Einladung zur Versteigerung von Fundsachen im Auftrag der Lufthansa gefolgt. Trotz des herrlichen Sonnenscheins draußen war in der Festhalle viel los.

Mit dem Abspielen des Hits „Ich hätt gern einen Koffer“ eröffnete Auktionator Martin Clesle vom gleichnamigen Auktionshaus aus Herbolzheim um 12 Uhr am Samstag in der Festhalle in Wörth die so genannte Kofferauktion. Die wenigsten waren wohl aus Wörth, viele kamen aus der Umgebung, aber auch aus dem badischen, hessischen und württembergischen Raum bis Friedrichshafen, wie man an den Autokennzeichen auf den Parkplätzen sehen konnte. Ein Käufer mit einem mit Koffern voll bepackten Transportwagen am Schluss der dreieinhalbstündigen Veranstaltung meinte: „Wenn ich schon aus München komme, muss es sich wenigstens lohnen.“

Seit 10 Uhr konnten die Einzel-Fundstücke besichtigt werden. Dabei schrieben sich die Interessenten die Nummer des Gegenstandes auf, an dem sie Interesse hätten und bei dem sie mit bieten würden. Was in den Koffern, Taschen, Rucksäcken und Kartons, den so genannten Ü-Boxen (Überraschungsboxen) versteckt war, blieb bis zuletzt ein Geheimnis. Auch der Auktionator wusste das nicht.

Sonnenschirm und Laptop

Für viele Besucher, die zum ersten Mal bei einer solchen Auktion dabei waren, war es auch eine Überraschung, was alles weltweit bei der Lufthansa und ihren Partnern liegen bleibt oder nicht den Weg zu seinem Besitzer gefunden hat. Kann man für einen vergessenen Schal, Hut, Schirm oder eine Mütze noch Verständnis haben, so riefen Kameras, Stative, Laptops, iPads und Handys, Schuhe, eine neue Golftasche, ein Cerankochfeld, Babywippen oder Kinderbuggys, ein Elektro-Skateboard, Sonnenschirme, ein Werkzeugkoffer, ein Kinderlaufrad oder eine Taucherausrüstung schon Erstaunen hervor. Die Lufthansa bewahrt alle Fundsachen drei Monate auf, bevor das Auktionshaus sie abholt.

Der Auktionator trieb jetzt in Eins-, Zwei- oder Fünf-Euro-Schritten die Gebote im Eiltempo in die Höhe. Schon beim ersten Koffer geht es von 14 Euro auf 92 Euro. Später geht ein Koffer von einem Euro auf 400 Euro. „Wenn es zeitlich passt, fahren wir immer zu Kofferauktionen“, erzählt ein Paar aus dem Stuttgarter Raum. „Wir erhalten den Newsletter vom Haus und dann wissen wir, wann und wo die Auktionen stattfinden.“ Gerade hat es einen Koffer für 40 Euro und einen Vorhang für acht Euro ersteigert. Der Mann hat ein Kleingewerbe angemeldet und verkauft zudem ersteigerte Waren, die er nicht selbst benötigt, auch im Internet.

Weiterverkauf der Ware üblich

Mehrere Verkäufer gaben an, die erstandenen Koffer weiterverkaufen zu wollen. Ein aus Gernsheim bei Biblis gekommener junger Mann meinte zum für 120 Euro erworbenen iPhone: „Das habe ich morgen bestimmt schon für 150 Euro verkauft.“ Michael Leistner aus Speyer, der mit seiner Begleiterin zum ersten Mal auf einer Auktion ist, hat aus der Presse von der Veranstaltung erfahren. Er hat die Taucherausrüstung für zehn Euro erworben. „Aus Spaß“, meint er. Seine Begleiterin freut sich über ersteigerte Stoffe für 17 Euro.

Eine junge Frau aus Steinfeld ersteigert mit ihrem Freund aus Wörth ein Laserschwert für ihre 6-jährige Tochter für 28 Euro und später noch „den schönsten Kinderkoffer, der da war“, wie sie meint. „Das wollte ich einfach für meine Tochter haben.“ Denise Vogel aus Wörth ist auch zum ersten Mal dabei und ersteigert für 60 Euro eine Digitalkamera und ein dreiteiliges Sonnenschirm-Set. „Wir werden sehen, ob es sich gelohnt hat.“ Ebenfalls ist es für Stefan Pfirrmann aus Neuburg die erste Auktion, die er mitmacht – „aus Gaudi“, sagt er. Er hat es aus der Zeitung erfahren und hat jetzt einen Koffer für 56 Euro mit Kleidungsstücken ersteigert. Er macht ihn auf und zeigt seinen Freunden den Inhalt. Das machen die wenigsten Käufer. Sie wollen erst zuhause die Überraschung erleben. „Na ja“, sagt Pfirrmann zum vorgefundenen Inhalt. Michael Wind aus Landau hat einen Gitarrenkoffer mit einer Gitarre für 110 Euro bekommen. „Die ist bestimmt knapp 500 Euro wert“, meinte er spontan. Den höchsten Verkaufswert am Samstag brachte ein Laptop für 520 Euro.

Eine Familie mit drei Kindern aus Bad Dürkheim hat kräftig zugeschlagen. Sie hat zwölf Gegenstände für etwa 850 Euro ersteigert. Dabei sind unter anderem mehrere elektronische Geräte, ein Koffer und eine Tasche sowie ein Kinderroller, der für fünf Euro wegging. Am Schluss fällt ein Vater mit seiner Tochter aus Karlsruhe auf, der sein Auto direkt vor dem Eingang parkt. Sie hatten große Mühe die vielen ersteigerten Koffer zu verstauen.

Ein genaueres Hinsehen kann nützlich sein. Foto: van
Ein genaueres Hinsehen kann nützlich sein.
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