Kandel / Neulauterburg RHEINPFALZ Plus Artikel Lotterieboten im Bienwald erschlagen

Von seinem Gang nach Neulauterburg, der den David Jäger durch den Bienwald führte, kehrte der Lotteriebote im Jahr 1840 nicht me
Von seinem Gang nach Neulauterburg, der den David Jäger durch den Bienwald führte, kehrte der Lotteriebote im Jahr 1840 nicht mehr zurück (Karte des Landkommissariats Germersheim, um 1835).

Der Gang von Kandel nach Neulauterburg war für den Kandeler Lotterieboten David Jäger eine in langen Jahren eingeübte Routine. Als der betagte Jäger am Morgen des 26. Februar 1840 aufbrach, um in Neulauterburg nach einer Ziehung der staatlichen Lotterie nicht ausgeschüttete Gelder in Empfang zu nehmen, kehrte er von diesem Dienstgang nicht lebend zurück.

Nachdem erste Suchaktionen ohne Ergebnis verlaufen waren, bemerkte der am nächsten Morgen auf der Landstraße nach Neulauterburg fahrende Kandeler Ackersmann Georg Nagel in der Nähe des Gestüts Langenberg von der Straße aus einen grauen Mantel unter dem zwei Füße herausragten. Zusammen mit dem ebenfalls diese Stelle passierenden Briefträger Burg schaute er sich den unter dem Mantel liegenden Leichnam näher an und beide Männer erkannten den seit dem Vortag vermissten Jäger. Er war nach den erlittenen Kopfverletzungen und aufgrund der am Ort vorgefundenen Blutspuren offensichtlich erschlagen und in das Gebüsch geschleift worden.

Massive Schädelverletzungen

Die Obduktion der Leiche, die massive Schädelverletzungen aufwies, deutete auf einen Raubmord hin, da die aus den Lotto-Einnahmen stammende Summe von 134 Gulden fehlte. „Der am hellen Tage auf die verwegenste Weise verübte Mord schien einige Zeit straflos zu bleiben, da, eine Fußspur abgerechnet, an Ort und Stelle keine Merkmale zur Entdeckung des Thäters gefunden werden konnten“, meldete das in Landau erscheinende „Anzeige-Blatt Polizeilichen Inhalts“, das Mitte Dezember 1840 über die in diesem Fall abgehaltene Schwurgerichtsverhandlung berichtete.

Ex-Soldat verdächtig

Während die Ermittlungsbehörden zunächst im Dunklen tappten, kam erst durch eine Anzeige der Gendarmeriestation Neulauterburg etwas Licht in die Sache. Den Beamten war nämlich eine verdächtige Person am Tag der Tat aufgefallen: Der 31 Jahre alte Johann Hebeis aus Bamberg, ein ehemaliger Soldat, der nun in Sondernheim lebte. Hebeis war aufgefallen, weil er sich am späten Vormittag des Tages, an dem der Lotteriebote seinen Gang nach Neulauterburg antrat, im dortigen Wirtshaus aufhielt. Dabei schaute er ständig in Richtung der aus Kandel heranziehenden Landstraße, als ob er jemanden erwarte, wie sich die Wirtin später erinnerte.

Nachdem Jäger eingetroffen war, folgte ihm Hebeis zur Lotteriestelle, wo er Zeuge wurde, wie der Lotterie-Einnehmer Dudenhöfer Jäger das Geld vorzählte und übergab. Sein hastiger Aufbruch von Neulauterburg in Richtung Kandel blieb einer Reihe von Zeugen nicht unbemerkt. Andere Zeugen, die im Wald Holz gesammelt hatten, meldeten sich ebenfalls, da sie den Lotterieboten genau in dem Moment auf der Landstraße wahrgenommen hatten, als sich ein zuvor „rastender“ Mann zu ihm gesellte. Eine weitere Zeugin hatte schließlich beobachtet, wie sich Hebeis mit einem kleinen Päckchen unter dem Arm kurz darauf „im schnellsten Laufe“ dem Langenberg näherte.

Nachdem der Verdächtige den Behörden ins Netz gegangen war, leugnete er die Tat und behauptete, das Opfer nicht gekannt zu haben. Doch der auffallend lockere Umgang mit dem durch den Raub angeeigneten Geld brachte es schnell an den Tag, dass Hebeis, der zuvor total verschuldet und bekanntermaßen chronisch „pleite“ war, offenbar zu einer ansehnlichen Barschaft gekommen war. Heibeis Frau, die über die Herkunft des Geldes im Unklaren gelassen worden war, wies darauf hin, dass ihr Mann das Geld am fraglichen Tag in einem „leinenen, mit Blut bespritzten Säckchen“ nach Hause gebracht hatte. Während der Untersuchungshaft prahlte Hebeis vor einem Mitgefangenen, der einen Gefängniswärter informierte, mit seiner Tat

Verwegener Ausbruchsversuch

Hebeis, der nach seiner Verhaftung in Rheinzabern mehrfach versucht hatte, aus dem Haus des dortigen Bürgermeisters, wo man ihn vorübergehend arretiert hatte, zu entfliehen, unternahm auch im Bezirksgefängnis in Landau einen „sehr verwegenen“ Ausbruchsversuch. Über die Persönlichkeit des Angeklagten berichtete das „Anzeige-Blatt“: „Der Angeklagte steht in keinem guten Rufe, er gilt vielmehr für einen gefährlichen Menschen“ – ein Eindruck, der sich aufgrund einer Meldung aus dessen fränkischer Heimatgemeinde verstärkte, wo der Angeklagte seit früher Jugend der Wilddieberei nachgegangen und 1819 bereits an einem Überfall auf einen Förster mit tödlichem Ausgang beteiligt gewesen war.

Nach zwei Tagen Verhandlung vor dem Schwurgericht der Pfalz in Zweibrücken und der Vernehmung von 60 Zeugen sprachen die Geschworenen Hebeis des vorsätzlich begangenen Raubmordes an dem Lotterieboten David Jäger aus Kandel schuldig. Das Gericht verurteilte Hebeis darauf hin zur Todesstrafe und zu den Kosten des Prozesses. „Der Verurteilte verrieth auch nicht das geringste Zeichen, daß das über ihn ausgesprochene Todesurtheil den geringsten Eindruck auf ihn machte“, vermerkte das „Anzeige-Blatt“ abschließend über den aufsehenerregenden Fall.

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