Bellheim
Lord Marco und „Großer Bellheim“ Dieter
Am selben Abend, an dem beim Bockbierfest der neue Lord Marco Foye gekürt worden ist, wurde auch der Ehrenamtspreis vergeben. „Der große Bellheim“ heißt er, der Preis, der Preisträger Dieter Bößer.
Für die Bellheimer Dorfgemeinschaft ist es einer der wichtigsten Termine im Veranstaltungskalender: das Bockbierfest. Es findet jedes Jahr freitags vor der Kerwe in der Festhalle statt. Es geht nicht nur um den Fassanstich für das namensgebende Bier, nicht nur um Schunkelei und lustiges Beisammensein. An diesem Abend werden in der Festhalle auch Menschen geehrt, die sich für das Bierdorf, seine Vereine und die Brauerei stark machen. Im Jubiläumsjahr gilt das gleich doppelt. Schließlich haben die Vereine mit dem Festwochenende zur 1250-Jahrfeier gerade einen Kraftakt gemeistert, wie immer wieder betont wurde.
Die Hauptattraktionen sind die Vergabe des Ehrenamtspreises „Der Große Bellheim“, benannt nach dem gleichnamigen Film mit Mario Adorf, die Verabschiedung vom alten und die Vorstellung des neuen Lords. Für ein Jahr repräsentiert der Neue dann die Gemeinde mit Frack, Zylinder, Monokel und Silbernagel auf den Veranstaltungen der Region. Preisträger und Lord sind vor den Feierlichkeiten ein streng gehütetes Geheimnis. Das hat immer wieder überraschte Jubler aus dem Publikum zur Folge, wenn die großen Momente gekommen sind.
„Echter Bellemer Bu“
Für den 21. Vertreter seiner Zunft, der „singende Lord“ Kurt Gensheimer, ging ein aufregendes Jahr zu Ende. Seine vorletzte Amtshandlung war der Fassanstich, der das Bockbier fließen ließ. Die Letzte war die Laudatio für den Ehrenamtspreisträger, für den „Großen Bellheim“. „Ich kenne ihn bereits mein ganzes Leben, ein echter Bellemer Bu. Seine Leidenschaft ist die Musik, der Whiskey und das Reisen. Er hat 47 Jahre in der Verwaltung der Deutschen Rentenversicherung gearbeitet, war im Gemeinderat aktiv und lange Jahre Vorstand beim größten Bellheimer Verein, dem TV Jahn.“ Gemeint war Dieter Bößer. „Ich nehme diesen Preis nicht nur für mich, sondern auch im Namen aller anderen engagierten Ehrenämtler in Bellheim an“, bedankte Bößer sich für die Ehrung, ehe er von stehend gezolltem Beifall begleitet seinen Ausmarsch machen durfte.
Abschied
Der scheidende Lord Kurt Gensheimer bedankte sich in seiner Abschiedsrede für das „außergewöhnliche Jahr voller Erlebnisse: Da war das Bockbierfest, die Kerwe, der sensationelle Nikolausmarkt, der Bauernmarkt, die Gartentage, das Brauereifest, der Olympiasieg vom Bellheimer Mädchen Yemisi Ogunleye. Und natürlich das absolute Highlight: unsere 1250-Jahr-Feier.“ Zum Gelingen der Feier hätten die vielen Vereine beigetragen. Gensheimer dankte allen Initiatoren, Vorständen, seinen Lordkollegen und den Hoheiten aus den umliegenden Gemeinden. Wie die ehemaligen Lords Ludwig Stahl und Ortsbürgermeister Paul Gärtner anmerkten, sei es ohnehin die größte Freude jedes Lords, die jungen Hoheiten küssen zu dürfen. Gensheimer sang seinem Volk zum Abschied ein letztes Ständchen, dann war es an der Zeit, die Erkennungszeichen des Lords weiterzugeben. Diese sind: schwarzer Frack und Zylinder, weiße Handschuhe sowie Monokel und Silbernagel.
Der Neue
Um 22 Uhr war der große Moment dann endlich gekommen: Mit Marco Foye schritt der 22. Bellheimer Lord durchs auf der Bühne aufgebaute überdimensionale Schlüsselloch. Der im Dorf durch sein jahrelanges Engagement bei der freiwilligen Feuerwehr bekannte Foye wurde mit lautem Applaus begrüßt. „Wenn ich hier in die Runde meiner Vorgänger schaue, sehe ich fast nur langjährige Wegbegleiter. Was soll da schiefgehen?“ Als er gefragt wurde, ob er das Dorf als Lord repräsentieren wolle, sei er gleich Feuer und Flamme gewesen. „Aber nicht alle teilen meine Ideen immer mit der gleichen Inbrunst wie ich. Bei dieser Idee hat mich meine Frau Christin aber gleich voll unterstützt, darum will ich ihr jetzt im Vorhinein bereits Danke sagen. Ich freue mich tierisch auf das kommende Jahr. Was kann man sich als Bellemer Bu Besseres wünschen, als hier heute Abend auf der Bühne zu stehen?“