Kreis Germersheim
Lkw-Beherrschung bis ans Limit
Exklusive Runden für eine Leserin und 9 Leser auf der Teststrecke des Mercedes-Benz Entwicklungs- und Versuchszentrums (EVZ) in Wörth. Truck-Entwicklung in Wörth konzentriert.
Wörth. Keine Angst vor Sand und Matsch. Das Gewitter in der Nacht hat den „Ferkelhügel“ im Lkw-Werk in Wörth in Schlammbahnen verwandelt, auf denen die beiden Arocs Vorführ-Lastwagen in ihrem Element sind. In ihrem Element sind auch zehn RHEINPFALZ-Leserinnen und -Leser und Lkw-Fans. „Der kann im Straßenverkehr 36 Tonnen, auf abgeschlossenen Baustellen sogar 48 Tonnen bewegen“, stellt die Daimler-Fahrer-Crew den großen Arocs (der gelbe) vor. Die Besucher nehmen’s mit Staunen zur Kenntnis – und waren am Ende begeistert, was sie als Beifahrer auf der Off-Road-Teststrecke mit Hügel, Wasserloch, Schlamm und Kies erlebten.
EVZ-Erweiterung bis zum Jahresende fertig
„Noch lachen sie alle“, scherzt einer der Fahrer und die nächste Beifahrer-Besatzung geht auf die Strecke. „Die Fahrer können Extremprobung, sind sehr routiniert, können mit den Autos am Limit umgehen“, beruhigt Matthias Rittinger vom EVZ eventuelle Ängste. Aber wer will da schon bis ans Limit gehen?
Rittinger gab später im EVZ einen Überblick über die Leistungsfähigkeit dieses Versuchszentrums, das gerade auf doppelte Kapazität erweitert wird. „Die Lkw-Entwicklung wird in Wörth konzentriert“, sagte Rittinger. Wenn die Neubauten gegen Jahresende fertig sind, kommen die bis jetzt noch in Stuttgart arbeitenden Entwicklungsingenieure nach Wörth.
Die Straßen der Welt in Wörth
Eine reife Ingenieursleistung sind die schlechten Straßen im EVZ. „Die Straßenmuster der Welt werden auf der Teststrecke abgebildet“, erklärt Rittinger. Egal, ob teilasphaltierte Straßen in Brasilien, Schotterpisten in Asien oder südamerikanische Dschungelrouten. Zu diesen „Schlechtwegstrecken“ gehören auch spezielle Rüttelpisten und Steigungshügel (bis 18 Prozent!) auf denen alle möglichen Funktionen und Teile der Lkw – die dabei fast immer mit Maximallast fahren – auf Herz und Nieren geprüft werden. Rittinger: „Wir können so in acht bis zwölf Monaten ein komplettes Fahrzeugleben abbilden.“ Ein Kilometer Schlechtwegstrecke entspricht ungefähr 200 Kilometern Alltagsbetrieb auf normalen Straßen, lautet die Rechnung.
Große Belastung für Fahrer und Auto
Dass das echte Belastung nicht nur für die Laster, vor allem auch für die Fahrer ist, liegt auf der Hand. Deshalb gilt: Nach einer Stunde Schlechtweg muss eine Stunde Pause mit „festem Boden unter den Füßen“ folgen. Diese Pause wird meist genutzt, um Teile zu prüfen und Messdaten auszulesen.
Wie sich so eine Testfahrt für den Fahrer anfühlt, spürten die Teilnehmer der Sommeraktion am eigenen Leib. Mit der Testfahrer Crew und acht nagelneuen Actros und Arcos ging’s auf die Piste. Erst die Einfahrstrecke, dann die Schlechtwegstücke. Und zum krönenden Abschluss eine kurze Tour raus aus dem Testgelände auf der B 9 in Richtung Speyer. Da durften die Lkw-Führerschein-Inhaber unter den Besuchern selbst ans Steuer – und kamen mit großen Augen und breitem Grinsen im Gesicht zurück.