Hagenbach Liebe auf den ersten Blick der Koslowskis hält seit 60 Jahren
Das schicksalhafte Zusammentreffen erlebten die beiden 22-Jährigen im Spätsommer 1963 auf einer Hotelterrasse in Vianden in Luxemburg. Waltraud arbeitete hier als Hotelangestellte, da sie in ihrem Traumberuf als Friseurin in Aachen keine Lehrstelle gefunden hatte. Dietmar war als Montagearbeiter nach seiner Bundeswehrzeit in Luxemburg tätig. Bereits bei der Bestellung kam man ins Gespräch, nach einem gemeinsamen Kaffee wurde daraus eine Verabredung.
Heiratsantrag nachgeholt
Und dann ging alles relativ schnell und ohne Einhaltung der üblichen Reihenfolge. Denn Dietmar stellte Waltraud seinen Eltern in Köln als zukünftige Ehefrau vor, erst dann hatte er den Heiratsantrag „nachgeholt“. Bereits im Oktober desselben Jahres folgte die Verlobung, und als man sich gerade mal acht Wochen kannte, wurde am 29. November in Köln standesamtlich geheiratet. Da Waltrauds Vater Zöllner war und die Großfamilie mit sechs Schwestern und einem Bruder inzwischen in Schweigen-Rechtenbach wohnte, war ein Tag später hier die kirchliche Trauung und ein Familienfest im „Windhof“.
Hagenbach statt Berlin
Diese Eile war begründet, denn der Plan war, „Umzug nach Berlin, da die Stadt damals mit Vergünstigungen, wie preiswerten Wohnungen, junge Paare anlocken wollte“. Denn Waltraud und Dietmar lebten derzeit in Köln in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung. Doch statt in Berlin landeten sie in Hagenbach, nachdem sie bei einem Pfalzbesuch beide eine RHEINPFALZ-Wohnungsannonce entdeckt hatten. So bezogen Koslowskis eine schöne Wohnung in Hagenbach und fanden Arbeitsplätze bei Daimler-Benz in Wörth. Bis zum Renteneintritt arbeitete Dietmar in der Montage und Waltraud im Verkauf.
Schon bei ihrem ersten Besuch in Hagenbachs „Grünem Baum“ erlebten sie Kontaktfreude und Pfälzer Gemütlichkeit. „Wir wurden sofort in eine lustige Runde ’echte Hagenbacher’ integriert“. So fanden sie Anschluss an den Arbeitergesangverein, den Verein für Volksmusik und Brauchtum und den Berger Carnevalsverein. Dietmar, der Kölner, wurde sogar Faschingsprinz, und Waltraud war die „Keglerfrau“ in der Bütt. So erlebte das kinderlose Paar, „Volkstanz in Hagenbacher Tracht“ und fröhliches Singen im Verein. Sie liebten den guten Zusammenhalt und unzählige heitere Feste in der Region. Begeistert erzählen sie auch von einigen größeren Reisen nach Italien, Tunesien, in die Türkei und nach Amerika.
Vorfreude aufs Familienfest
Doch seit etwa zehn Jahren ging es mit Dietmars Gesundheit nach Schlaganfällen, einem schweren Sturz und einer missglückten Operation abwärts. Beide interessieren sich fürs Geschehen in Hagenbach, der Pfalz und der weiten Welt. „Wir lesen viel, machen Gedächtnistraining, um geistig fit zu bleiben, und unser Haus ist behindertengerecht umgebaut“. Nach draußen gehen ist schwierig. Dietmar ist auf den Rollstuhl und auf Waltrauds Pflege angewiesen. „Sie macht das ganz wunderbar und liebevoll.“ Beide erklären einstimmig lächelnd: „Diese Luxemburger Liebe auf den ersten Blick hielt was wir uns damals versprochen haben.“ Sie freuen sich auf die Feier am Diamant-Hochzeitstag im kleinen Familienkreis.