Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:
Der Gemeinderat in Neuburg hat die Problematik eines fehlenden Wendehammers im Gewerbegebiet „Derrück“ offensichtlich nicht richtig verstanden. Es geht hier weniger um eine Annehmlichkeit für die Gewerbetreibenden. Dies in Neuburg zu erwarten wäre sicherlich auch nicht sonderlich erfolgversprechend. Es geht in erster Linie um die Sicherheit der Kinder, die täglich per Fahrrad zu den Sportstätten oder - im Sommer - zum Baggersee fahren. Man kann natürlich über die Sinnhaftigkeit diskutieren, wenn das einzige Gewerbegebiet einer Gemeinde direkt an das Naherholungsgebiet mit Baggersee und Sportplätzen grenzt. Wenn diese Fehlplanung in der Vergangenheit aber nun mal begangen wurde, muss die Gemeinde heute wenigstens dafür sorgen, dass die entsprechenden Verkehrswege sicher sind. Den Lkw-Fahrern bleibt bei einem fehlenden Wendehammer definitiv keine andere Wahl, als rückwärtsfahrend über die Grundstückeinfahrten zu wenden. Wenn zeitgleich die Kinder der U-6-Mannschaften mit den Fahrrädern zum Training fahren und förmlich um diese rückwärtsfahrenden Schwerlaster schwärmen, ist es eine Frage der Zeit, bis hier das erste Opfer „unter die Räder kommt“. Verantwortlich hierfür wird die Gemeinde sein. Ob dann eine Investition in einen Wendehammer und somit in die Sicherheit der Kinder immer noch als „Worst Case“ betrachtet werden wird, ist fraglich. Es ist sehr lobenswert, dass sich die Germersheimer SchülerInnen um eine differenzierte Darstellung zum Bau einer dritten (!!!) Rheinbrücke bemüht haben, die ansonsten in der Pfalz kaum stattfindet. Mit dem Ergebnis der selbstdurchgeführten Umfrage, nach der durch das Überqueren der Brücke die Fahrtdauer erheblich beeinträchtigt sein soll, sind sie allerdings den vermeintlichen Brückennutzern wohl ordentlich auf den Leim gegangen sind. Weshalb? Erstens sind Pendler aus Germersheim überhaupt nicht auf die Rheinbrücke Wörth angewiesen. Sie können schon in Germersheim über den Rhein fahren und außerdem stehen ihnen zwei direkte Bahnverbindungen (über Wörth und Graben-Neudorf) zur Verfügung. Wenn sie das nicht tun, dann ja wohl nur, weil die Verbindung über die B 9 und die Rheinbrücke Wörth nach wie vor die schnellste ist. Zweitens fahren über die bestehende zweite Rheinbrücke im morgendlichen Berufsverkehr stündlich mindestens 7 Züge von Wörth nach Karlsruhe (insgesamt 22 Züge zwischen 6-9 Uhr). Die morgendlichen Züge stadteinwärts über den Rhein sind nur zu 70 Prozent der Sitzplätze ausgelastet (bei Berücksichtigung der Stehplätze also noch nicht einmal zu 50 Prozent). Dabei könnte ein Großteil der Pendler problemlos mit der Bahn fahren. Das Statistische Jahrbuch der Stadt Karlsruhe wies im Jahr 2014 allein 6.634 Einpendler aus Wörth, Landau, Jockgrim, Kandel, Rülzheim, Germersheim und Rheinzabern aus, alles Gemeinden, die mit einer direkten Bahnlinie ohne Umstieg nach Karlsruhe angebunden sind. (...) Wenn von all diesen Pendlern nur ein Bruchteil mit der Bahn fährt, liegt es auf der Hand, dass es mit dem viel beschworenen Stau auf der Rheinbrücke nicht so schlimm sein kann. Und tatsächlich hat die Stadt Karlsruhe 2008 die Zeitverluste durch den Engpass hinter der Rheinbrücke Maxau ermitteln lassen, mit folgendem Ergebnis: - Kleine Störungen mit einer Fahrzeiterhöhung zwischen 5 und 10 Minuten und einer Rückstaulänge zwischen 1,0 und 2,0 Kilometern treten an rund 20 Prozent aller Werktage auf. - Mittlere Störungen mit einer Fahrzeiterhöhung zwischen 10 und 15 Minuten und einer Rückstaulänge zwischen 2,0 und 3,0 Kilometern treten an rund 8 Prozent aller Werktage auf. - Große Störungen mit einer Fahrzeiterhöhung von mehr als 15 Minuten und einer Staulänge von mehr als 3,0 Kilometern treten an etwa 2 Prozent aller Werktage auf. - Ursächlich dafür ist ein Überschuss von wenigen hundert Autos in der morgendlichen Spitzenstunde. Zwischen 2008 und 2014 gab es auch keine Zunahme des Verkehrsaufkommens auf der Rheinbrücke. Das sind Werte, um die die Pendler vieler anderer Großstädte Karlsruhe beneiden würden, und die zeigen, dass die Verantwortung dafür, wenn es zu Staus kommt, nicht auf Karlsruher Seite liegt! Der Protest sollte sich gegen die vielen Pendler richten, die problemlos mit der Bahn fahren könnten. Und gegen höchst einseitig ausgerichtete Politiker. Denn wenn die Verantwortlichen, die für den Bau einer zusätzlichen Straßenbrücke trommeln, nur einen Bruchteil dieser Energie für Verbesserungen im Bahnverkehr aufgewandt hätten, gäbe es längst überhaupt kein Stauproblem über den Rhein mehr. Allein nur mit anderem Zugmaterial oder längeren Zügen wäre es ohne weiteres möglich, die Kapazität auf der Bahn über die zweite Rheinbrücke noch einmal deutlich zu erhöhen, wenn man es denn nur wollte. Die Zeitungs-Glosse zur Schülerseite „Rheinbrücke“ ist doch allen ein Lehrstück für frischen, anständigen Journalismus. Sowas mal wieder zu lesen, tut richtig gut. Weil: Seit langem sind doch die Meinungen um eine zweite Straßenbrücke erstarrt wie verrostete Ideologien. Wo bleibt das Gewicht der nüchternen Tatsachen und Hintergründe, die sich immer ändern können ? Und erst die Zeitungsseite der Schüler! Für alle ein Lehrstück aus jungen, frischen Köpfen, die wohl keine Rost-Einlagerung plagt. Und wenn diese Köpfe der Zukunft zu dem Schluss kommen, die Brücke sei unnötig, muss das allen zu denken geben: •den vielen regional-lokalen Politikern und Planern: wie kann man nur jahrzehntelang so einseitig „planen“ und warum haben Sie das nie nachhaltig hinterfragt ? Warum wurde und wird bei solchen Großprojekten (mit unseren Steuergeldern finanzierte Infrastruktur) die detaillierte technisch-wirtschaftliche Vergleichsprüfung aller technischen, zeitlichen, finanziellen und planerischen Alternativen unterlassen? Wann endlich nimmt man sich den Berufsverkehr beim VRN im Großraum MA-LU und beim KVV-System in Mittelbaden zum Beispiel, um den Stau zu lösen? Diese gravierenden Grund-Fehler schreien so laut, dass folgerichtig jede Planfeststellung und jeder „erste Spatenstich“ vorerst eingestellt werden muss. (...) •da die Kapazität der bestehenden Straßenbrücke nicht die aktuelle Problemlage ist, warum dann von zweiter Brücke reden ? •weil wir den Ausstoß von CO2 und anderer Schadgase aus dem bisher ungebremsten Fossil-Verkehr drastisch mindern müssen, • weil bei schwindenden Ölreserven der Treibstoffpreis ganz sicher steigen und steigen wird, (...) Den Germersheimer Gymnasiasten ist für ihre Zukunft zu wünschen: Haltet Vernunft im Verkehr hoch; Schmeißt verrostete Alten-Ideologien zum Schrott! Dass man beide Mannschaften der Spielgemeinschaft (SG) Kandel/Minderslachen abgemeldet hat, ohne die Trainer und die Spieler vorher zu informieren, ist kein guter Stil. Das lässt für die angekündigte Fusion der Vereine nichts Gutes ahnen. Das zeigt doch, wer jetzt schon das Sagen hat, der kleine Verein wird vom großen geschluckt. Die Sportanlagen in Minderslachen machen Appetit. Es ist auch nicht fair gegenüber den anderen Mannschaften, wenn man in der laufenden Saison ohne zwingenden Grund aufhört. Durch die geschenkten Punkte wird die Tabelle verfälscht. Anstandshalber hätte Kandel/Minderslachen wenigstens mit einer Mannschaft weiterspielen können. Alle, denen der FC Blau Weiß Minderslachen am Herzen liegt, sollten Wege suchen, den Verein eigenständig zu erhalten. Als langjähriger früherer Vorsitzender bin ich überzeugt, dass es Alternativen zur Fusion gibt. Mit Interesse habe ich gelesen, dass die inflationär zunehmenden Tempo-30-Zonen, noch nicht vollständig dem aktuellen Selbstverständnis der kommunalen Verkehrspolitik entsprechen. Immerhin zwei Nein-Stimmen und sieben Enthaltungen sind bezüglich der Verlängerung des Tempo-30-Tests in der Bellheimer Postgrabenstraße zu verzeichnen. Das vorgebrachte Scheinargument der Solidarität stellt den Andersdenkenden hier in sachdienlicher Weise in die böse Ecke, ohne sich mit der Komplexität berechtigter Interessen aller betroffenen Akteure auseinandersetzen zu müssen. Durchgängige Tempo-30-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen behindern den Verkehr in unverhältnismäßiger Art und Weise, zumindest dann, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten/Umgehungen gibt. Die zu erzielenden Effekte stehen in durchgeführten Evaluationen zudem infrage (Lärm: entsteht innerorts vor allem durch hohe Drehzahlen, die sich in Tempo-30-Zonen zur Hauptverkehrszeit kaum verringern; Unfallgefahr: eine Reduzierung der Unfallhäufigkeit durch ein Tempolimit 30 kann in mehreren einschlägigen Studien nicht nachgewiesen werden). Sollte eine Lärmreduktion durch nächtliche Geschwindigkeitsreduzierung erreichbar sein, wären zeitlich begrenzte Tempo-30-Zonen von 22 bis 6 Uhr eine Kompromisslösung, die eine ausgeglichenere Interessenabwägung ermöglichen würde.