Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:

Das Erschreckende ist: Nehmen Sie jedes beliebige Dorf in der Pfalz. Erzählen Sie, dass im Ort 40 Flüchtlinge untergebracht werden sollen und Sie werden sehen: Freckenfeld ist überall. Überall in unserem Land haben die Menschen Angst vor dem Fremden und seinen Gefahren: Raub und Vergewaltigung, Wertverlust der Immobilie, Ausverkauf der Heimat. Die Antwort auf all diese Ängste klingt so einfach: Keine Flüchtlinge mehr reinlassen! Grenzen dicht machen! Doch die Welt ist nicht so einfach. Wohin sollen die Flüchtlinge? Wo sollen die Grenzzäune gezogen werden? – Um Freckenfeld, um die Pfalz, um Deutschland oder Europa, um die betroffenen Kriegsgebiete in Asien und Afrika? Niemand in Freckenfeld oder sonst wo kann darauf eine völlig befriedigende Antwort geben. Politiker und die Kirchen sind dennoch in der Pflicht. Zumindest Letztere waren in Freckenfeld wohl nicht anwesend. Dabei wäre es angesichts der noch vorhandenen Bedeutung der Kirche auf dem Land wichtig, dass diese im Sinne christlicher Nächstenliebe hier Stellung beziehen, und von ihren Mitgliedern ureigenste christliche Werte einfordern. Deutschland ist ein reiches Land. Deutschland kann und muss helfen. Deutschland braucht jedoch die Solidarität der übrigen Länder, um den Flüchtlingsstrom zu bewältigen und die Belastungen gerecht zu verteilen. Denn eines steht fest: Menschen, die Schutz benötigen, ist Asyl zu gewähren. Ihnen muss geholfen werden: in Europa, in Deutschland, in der Pfalz und auch in Freckenfeld. Liebe Freckenfelder, als Nichtpfälzer bin ich seit mehr als 30 Jahren regelmäßig zu Besuch in Freckenfeld. „Die Pfälzer“ habe ich immer für ihre, wie ich meine, ehrliche Art untereinander und mit „Außenstehenden“ umzugehen bewundert. Hilfsbereit, redselig (nicht nur in der Weinstube oder beim Weinfest) und immer ein „offenes Hoftor“ habend (auch wenn die meisten entlang der langen Hauptstraße immer geschlossen sind), aber eben nicht verschlossen, so kennen ich und meine Familie Eure Leute und Euer Dorf. Und nun das: Ich lese in der Zeitung im Internet, „die Freckenfelder“ hätten Angst vor ein paar Flüchtlingen. Angst, dass sie sich mit Nichtstun die Zeit totschlagen müssen (ich kenne mindestens 50 Freckenfelder, die das Gleiche tun). Angst, dass sie sich nicht richtig benehmen können (solche, „auch Pfälzer“, treffe ich auf jedem Weinfest und manchmal auch in der Weinstube). Angst vor was? Macht Euch doch nicht selber vor Angst in die Hose! Was macht ein kleines Kind, ein Tier, eine Katze zum Beispiel, wenn es Angst hat! Es besiegt die Angst mit Neugier und es lernt das „unbekannte Wesen“ kennen. Und es lernt dabei fürs Leben und auch damit zu überleben. Geht doch auf die fremden Menschen zu! Fragt sie, wie, was, wann, wer sie sind! Seid neugierig auf „was Neues“. Bittet sie um Hilfe! Vielleicht auch nur um Kleinigkeiten, euch zu helfen, im Garten, im Haushalt, im Sportverein, im Weinberg. Oder bittet sie, dass sie euch mal begleiten, nur so, um euch, euern Ort, euer Land und eure Gastfreundschaft kennenzulernen. Die habt ihr doch!? Oder habe ich mich 30 Jahre lang getäuscht? Gilt die Gastfreundschaft nur für einige wenige? Für diese Menschen, die bei euren Winzern ein paar Flaschen Wein kaufen, bei euren Metzgern einen Saumagen oder Leberwurst, an der Straße Obst, Kartoffeln. (...) Oder die bei einem Daimlermitarbeiter ein Auto kaufen? Sicher nicht. Und noch was: Ihr werdet Euch wundern, wie gut ihr Euch persönlich dabei fühlt, wie bereichert und positiv „Euer Dorf“ davon sein wird. Ihr werdet, wenn Ihr es richtig anpackt, alle davon profitieren. Wenn ich mich nicht täusche, leben in vielen Freckenfelder Häusern viele Menschen nur alleine. Auch dies zu ändern, wäre eine Chance für alle (nicht nur in Freckenfeld). Dass die verantwortlichen Politiker auch schnellstens neue Wege gehen müssen, um das eine oder andere zu ermöglichen, ist dringend notwendig. Wenn sie es nicht tun, sind ihre Amtszeiten sehr schnell beendet. Egal ob in Rheinland-Pfalz, Berlin, Freckenfeld oder in Bayern, wo ich dahoam bin. Und ich bin sicher, Ihr schafft das. Wir alle schaffen das, uns bleibt auch nichts anderes übrig. Was wäre die Alternative: Pegida? Wer marschiert vorne weg? Seht genau hin! Es sind Menschen mit der gleichen Gesinnung wie heute vor 80 Jahren, die Missgunst, Neid und Hass säen, deren Menschenverachtung, hat einmal über 50 Millionen Tote geforderte und, verkürzt dargestellt, im Endergebnis die DDR hervorbracht. Menschenverachtung kann man nicht teilen. Sie verachten heute die „Fremden“ anderer Kulturen, morgen unsere Nachbarn und übermorgen Dich. Liebe Mitchristen in Freckenfeld! Dass Menschen Ängste haben, ist nur allzu verständlich. Aber Ängste dürfen nicht unser Leben bestimmen. Christen sind befreite Menschen, auch von der Angst. Das macht sie fähig Liebe zu üben und gütig zu sein, auch dann, wenn es vielleicht risikoreich ist. Ein Blick in die Heilige Schrift als Hinweis für Christenmenschen: 2. Mose 23, 9: Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisset um der Fremdlinge Herz. 5. Mose 10, 17-19.: Der Herr, euer Gott, schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gebe. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben. 5. Mose 27, 19: Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, des Waisen und der Witwe beugt. Psalm 146,9: Der Herr behütet die Fremdlinge. (Im Gesangbuch 781: Der Psalm wird also im Gottesdienst gebetet). Jeremia 7, 5 + 6: Bessert euer Leben und Wesen, dass ihr Recht tut einer gegen den andern und den Fremdlingen ... keine Gewalt tut. Sacharja 7, 9 + 10: Richtet recht, und ein jeglicher beweise an seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit und tut nicht Unrecht ... den Fremdlingen. Lukas 17, 18: Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Epheserbrief 2, 19: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen. Christenmenschen sollten einfach mal wieder den Haupttext in dieser Sache lesen (und beherzigen!), das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Lukasevangelium 10, 25-37. Dort geht es um einen Fremdling, der einen anderen Fremdling versorgt.