Kreis Germersheim Lernen bis zur totalen Erschöpfung

Immer mehr Lehrer gehen vorzeitig in Ruhestand.
Immer mehr Lehrer gehen vorzeitig in Ruhestand.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Peter Paulus mit der psychischen Gesundheit von Lehrern und Schülern. Der Experte für pädagogische Psychologie wirkt an der Leuphana Universität in Lüneburg und hat ein Programm für Gesundheit an Schulen entwickelt. Am Mittwochabend hielt er einen Vortrag am Europagymnasium Wörth.

„Rund 17 Prozent unserer Schüler sind psychisch belastet. Stress-Symptome wie Schlafprobleme, Schwindel und Bauchschmerzen lassen sich bereits bei Kindern in der Grundschule feststellen“, sagt Peter Paulus. Denn die Anforderungen in unserer „hoch entwickelten Industriegesellschaft“ an die Kinder und Jugendlichen seien enorm, der Leistungsdruck steige stetig. Doch auch die Lehrkräfte haben es offenbar nicht leicht. So gingen laut Paulus im Jahr 2017 drei von vier Lehrern früher in Pension. Die Hauptdiagnose für den vorzeitigen Berufsausstieg: Depressionen. Vor etwa 50 Zuhörern gab der Gesundheitsexperte Paulus am Europagymnasium einen Einblick in die Statistiken und Tendenzen rund um die psychische Gesundheit in der deutschen Schullandschaft. Dabei können es manchmal Kleinigkeiten sein, die den Gang in die Schule positiv gestalten. „Wie sind die Räume gestaltet und ist das Klima in den Schulsälen angenehm?“, seien dabei Fragestellungen. Wichtiger jedoch überwiegen zwischenmenschliche Aspekte. So müssten sich Lehrer beispielsweise im Kollegium wohlfühlen, eigenverantwortlich arbeiten können, Anerkennung und Wertschätzung erfahren, um einen guten Job zu machen. Ähnlich in der Schülerschaft, für die es besonders wichtig sei, eigene Ideen in den Schulalltag einzubringen und das Schulleben zum Beispiel in der Schülervertretung mitzugestalten. „Viele Schüler geben in Umfragen an, dass sie sich mit ihren Klassenkameraden und Lehrern gut verstehen, sich aber nach der Schule erschöpft und von den Anforderungen belastet fühlen“, führte der Experte aus, der allerdings nur wenige konkrete Anti-Stress-Tipps in petto hatte. Mal aus der Routine ausbrechen und etwas Verrücktes tun, lautete einer davon. In einem Programm, das sich mit der psychischen Gesundheit an Schulen beschäftigt und das Paulus ausführlich bewarb, könne man individuelle Hilfestellungen erfahren. „Die psychische Gesundheit ist das Fundament der Schule“, zeigte er sich überzeugt und ging noch auf den Zusammenhang von Bildung und Gesundheit ein. So seien laut Forschungen „besser gebildete Leute auch gesünder“. Paulus Aufruf ging nicht zuletzt auch an die Politik, das schulische Gesundheitsmanagement weiter voran zu bringen. Ein erster Grundstein sei in einem gemeinsamen Beschluss der Kultusministerkonferenz im Jahr 2012 gelegt worden. Seitdem werde das Thema verstärkt in den Schullalltag eingebracht. Ein eigenes Fach werde es allerdings nicht geben, wie er auf Nachfrage sagte.

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