Kreis Germersheim Leise Jäger lassen sich sehr selten blicken

Wildkatze
Wildkatze

Eines vorweg: Wildkatzen sind keine verwilderten Hauskatzen, sie sind eine eigenständige Art. Haus- und Wildkatzen sehen sie sich aber sehr ähnlich, so dass nur bei genauer Betrachtung der Unterschied zwischen Wildkatzen und getigerten Hauskatzen erkennbar ist. Bei Wildkatzen handelt es sich um eine sehr seltene, einheimische Art, sie gehören zu den Ureinwohnern unserer Tierwelt. Hauskatzen stammen von der nordafrikanischen Falbkatze ab und wurden als Haustier vermutlich von den Römern schon hier eingeführt.

Wildkatzen leben überwiegend von kleinen Säugetiere, insbesondere von Mäusen. Sie sind geschickte Anschleich- und geduldige Ansitzjäger. Sie gelten als unzähmbar, lassen sich von Menschen niemals berühren, auch nicht in Gefangenschaft lebende Tiere. Sie können sich zwar mit Hauskatzen kreuzen, aber zumindest bei uns sind Kreuzungen selten. Es gibt mehrere Merkmale, woran man bei genauer Betrachtung Wildkatzen von Hauskatzen unterscheiden kann, nur bleiben Wildkatzen selten so lange beobachtbar, dass man diese sicher erkennen kann – sie sind eben wild. Am Schwanz beispielsweise hat die Wildkatze in der hinteren Hälfte deutlich dunkel abgesetzte Ringe, der Schwanz ist im Gegensatz zu Hauskatzen über 50 Prozent der Körperlänge lang, die Behaarung endet stumpfendig statt wie bei der Hauskatze spitzendig. Exakt ist die Wildkatze durch genetische Untersuchungen der Haare beziehungsweise durch die Untersuchung der Darmlänge zu bestimmen. Früher war die Wildkatze fast in ganz Europa verbreitet. Heute hat sich ihr Lebensraum extrem verkleinert und es gibt viele isolierte Bestandsinseln in Europa. Aber man staune: Das Zentrum der Verbreitung mit der höchsten Anzahl an Wildkatzen liegt in Rheinland-Pfalz. Vor allem in den Mittelgebirgen Pfälzer Wald, Hunsrück und Eifel kommen noch die meisten Wildkatzen vor, die sich zudem kaum mit Hauskatzen vermischt haben. Aber auch im Bienwald und im Auwald sind Wildkatzen gesichtet worden. Und im Rülzheimer und Bellheimer Wald gibt es Anzeichen dafür, dass dort zumindest Wildkatzen durchstreifen. Nur, wie kann man die Wildkatze schützen? Jagd spielt dabei keine Rolle, die Wildkatzen sind natürlich ganzjährig geschützt. Früher waren sie durch Fallenjagden mit Tellereisen sehr bedroht. Zwei Dinge scheinen entscheidend: Einmal der Erhalt und vor allem die Vernetzung der Lebensräume. Hier spielen Korridore, wie sie zwischen Pfälzer Wald und Bienwald geschaffen wurden, eine extrem wichtige Rolle. Und Grünbrücken, wie im Schifferstadter Wald über die A 61 geplant, denn Straßen zerschneiden Lebensräume und zahlreiche Wildkatzen erliegen dem Verkehrstod. Zum zweiten spielen die Struktur und der Aufbau von Wäldern eine besondere Rolle. Wildkatzen ziehen ihre Jungen am sichersten und am liebsten in Höhlen dicker Bäume in weiter Entfernung vom Erdboden groß. Solche alten Bäume, Wälder mit hohem Totholzanteil, gilt es besonders zu schützen. Es muss auch Bäume geben, die über das Alter hinaus stehen bleiben, in denen man sie aus wirtschaftlichen Gründen nutzen müsste. Daher wurden in Rheinland-Pfalz ökologisch besonders wertvolle Einzelbäume, kleine und größere Waldareale ausgesucht, markiert und festgehalten, in denen keine Nutzung mehr stattfindet und Bäume uralt werden können. In Deutschland sollen sich insgesamt fünf Prozent der Waldfläche künftig natürlich entwickeln können. Der Autor Volker Westermann ist beim Forstamt Pfälzer Rheinauen Förster für Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben. Er leitet die Rucksackschule des Forstamtes in Speyer. Zu erreichen ist er beim Forstamt unter der E-Mail-Adresse volker.westermann@wald-rlp.de oder über die Internetseite des Forstamtes www.pfaelzer-rheinauen.wald-rlp.de.

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