Kreis Germersheim Lebensfreude und Medaillensegen
Von den Special Olympics Landesspielen in Trier kehrten die Sportler der Südpfalzwerkstätten Wörth und Herxheim mit einem herausragenden Ergebnis zurück. Sie gewannen 13 goldene, 8 silberne und drei bronzene Medaillen sowie zwei vierte Plätze (wir berichteten im regionalen Sportteil). Dieser Erfolg hat seine Gründe. Deshalb schaute die RHEINPFALZ in Wörth hinter die Kulissen und unterhielt sich mit dem zuständigen Sport- und Gymnastiklehrer Gerhard Metz.
Der 57-jährige Hatzenbühler, der auch als guter Turner in der Pfalz einen Namen hat – bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in seiner Altersklasse belegte er in Berlin gerade den vierten Platz – ist seit 32 Jahren bei den Südpfalzwerkstätten in dieser Funktion tätig. Zunächst begann er in Offenbach. Seit der Eröffnung der Werkstatt 1987 in Wörth hat er hier den Sportbereich aufgebaut. „Ich bin der einzige Mann in diesem Bereich, in Herxheim und Offenbach sind fünf Kolleginnen aktiv. Während meiner Ausbildung leistete ich in den Hagsfelder Werkstätten ein Praktikum. Das fand ich sehr interessant. Es reizte mich, später auch in diesem Bereich der Behinderten zu arbeiten“, erzählt Metz. „Zunächst musste ich dann in Wörth erst sehen, was man überhaupt im Sportbereich machen kann, welche Möglichkeiten und Voraussetzungen wie eine Halle, ein Schwimmbad oder der Wald gegeben sind“, blickt er zurück. Metz wollte ein möglichst breitgefächertes Angebot bieten. „Bestimmte Sportarten wie Boccia oder Badminton gab es nicht, ebenso dachte man noch nicht an das Ablegen des Sportabzeichens.“ Dies ist inzwischen jedes Jahr eine Selbstverständlichkeit. Die Wörther Werkstatt erhält dafür stets von der Sparkasse einen Geldpreis. Im Jahr 2016 waren dies im Werk Wörth 75 Menschen mit Behinderung und 20 Mitarbeiter ohne Behinderung, die das Deutsche Sportabzeichen geschafft haben. Das Sportangebot umfasst Tischtennis, Badminton, Walking, Leichtathletik, Boccia, Gymnastik, Schwimmen, Krafttraining, Koordinationsschulung, Fahrradfahren, Ergometertraining sowie jährlich eine Skifreizeit. Zudem werden im Winter anstelle der Leichtathletik in der Halle verschiedene kleine Spiele gemacht. Von den knapp 200 Behinderten in der Wörther Werkstatt sind etwa 70 Prozent im Sportbereich aktiv. „Es steht ihnen frei, ob sie das Angebot annehmen. Auch hier besteht ein gewisses Motivationsproblem. Deshalb müssen vor allem das Interesse und der Spaß im Mittelpunkt stehen“, sagt Metz. Manche Gruppenleiter machen auch während der Arbeitszeit mit ihren Leuten Gymnastik. Hier stehe das „Betriebliche Gesundheitsmanagement“ – mit gesunder Einstellung an die Arbeit – im Vordergrund. Der Sportbetrieb beginnt um 8 Uhr und endet wie die Arbeitszeit um 16 Uhr. Seinen Plan erstellt Metz in Absprache mit den Gruppenleitern oder der Rehaleitung. Um 8 Uhr steht beispielsweise Walking oder ein Spaziergang auf dem Plan, um 10 Uhr Leichtathletik und um 11 Uhr Tischtennis. Meistens kann einmal in der Woche eine Stunde am jeweiligen Training teilgenommen werden. Ansonsten sind die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz in der Werkstatt. „Natürlich brauche ich auch einige Zeit für Organisation und Vorbereitung zu den verschiedenen Wettkämpfen. Zudem gibt es Schreibtischarbeit“, führt Metz an. Außerdem gibt es berufsbegleitende Maßnahmen, wo auf bestimmte Stundenzahlen begrenzte Angebote wie Schwimmen, Fitnessstudio, Wandern, Kegeln, Barfußpfad aber auch Naturkosmetik, Hygiene oder Malen dazu gehören. Vor Wettkämpfen kann es auch zusätzliches Training geben. Die Südpfalzwerkstatt in Wörth besitzt eine kleine Sporthalle, in der fast alles außer Badminton gespielt und trainiert werden kann. Für Badminton hat Metz je einen Termin in der Rheinhalle in Maximiliansau und in der Bienwaldhalle in Wörth mit zwei verschiedenen Gruppen. „Man darf sich auch bei einer körperlichen Einschränkung nicht hängenlassen“, sagt der 45-jährige Stefan, der durch eine spastische Lähmung behindert ist und überwiegend im Rollstuhl sitzt. Er betreibt Rollstuhlsport, kann schwimmen, spielt Tischtennis und absolviert jedes Jahr sein Sportabzeichen. Er war bei regionalen und nationalen Wettkämpfen dabei . Seit 1990 arbeitet er im Metallbereich. „Es gibt kein Aufgeben. Mir macht der Sport großen Spaß.“ Ganz stolz ist auch der 55-jährige Tilman, der seit 1981 in der Südpfalzwerkstatt ist und in der Montage- und Verpackungsgruppe arbeitet. Er war auch schon bei regionalen und nationalen Spielen dabei, wobei er vor allem beim Tischtennisspiel seinen Spaß hat. „Ich gehe sehr gerne zum Sport. Das ist eine schöne Abwechslung für mich“, erklärt er. „Man muss einfach die Stärken jedes Einzelnen erkennen. Dann kann man entsprechende Ziele setzen wie die Teilnahme an einem Sportfest oder an regionalen oder nationalen Wettkämpfen wie zuletzt in Trier oder nächstes Jahr in Kiel. Es gibt immer wieder Leute, die das erreichen wollen“, zieht Metz, der nach wie vor mit Leib und Seele dabei ist, sein Resümee – und man merkt sofort, wie beliebt er bei „seinen“ Sportlern, die ihn „umlagern“, ist. Am 24. August fährt Metz mit einigen seiner Schützlinge zum Leichtathletik-Sportfest nach Mainz und unterbricht dafür seinen dreiwöchigen Urlaub. Am Donnerstag, 9. Oktober, ist die Südpfalzwerkstatt Wörth dann der Ausrichter des Schwimmfestes in Wörth.