Kreis Germersheim Lebendige Bierkultur
Einen Blick hinter die Kulissen regionaler Kleinbrauereien zu werfen, war das Anliegen von Mitgliedern der Jungen Union aus Germersheim und der Südlichen Weinstraße. Der Arbeitskreis Rheinkultur der JU will im Laufe des Jahres weitere regionale Produzenten besuchen. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe traf man sich am Samstag beim Ottersheimer Bärenbräu.
Braumeister und Bärenbräu-Chef Manfred Rüde erzählte den etwa 15 Teilnehmern zunächst wie aus einer Idee, einem umgebauten Wurstkessel und einem Schweinestall nach und nach die Brauerei zu ihrer jetzigen Größe wachsen konnte. „Wir waren von dem Ansturm völlig überrascht“, erinnert sich Rüde. Braute man im ersten Jahr 250 Hektoliter (das sind 25.000 Liter) waren es im darauffolgenden Jahr schon 800 Hektoliter. „Die Leute kamen teilweise mit Milchkannen um sich frisches Bier zu holen“. Sukzessive wird die Brauerei ausgebaut, erzählt Rüde weiter. Die selbst gebaute Anlage wird durch professionelle Kessel und Fässer ersetzt, neue Räume eingerichtet, ein Kühllager eingerichtet. Inzwischen besitzt die Brauerei 18 100-Liter-Tanks und die werden auch gebraucht. Zunächst habe er hauptsächlich Gaststätten beliefert, aber das sei auf Dauer wenig lohnenswert gewesen, berichtet Rüde. Statt Bier zu brauen sei er viel unterwegs gewesen und habe mit den Preisen der Großbrauereien eh nicht mithalten können. Qualität kostet eben und seine Produkte sollen frisch, naturbelassen und lebendig sein. Und da kommt dann die Leidenschaft des Bierbrauers durch. Er erzählt von Hefen, dem Mälzen für die unterschiedlichen Biersorten, Enzymen und wie der Brauprozess am Laufen gehalten wird. Dazwischen gibt es Infos aus der Zeit, als das Dosenpfand auch für die Partyfässer galt, und kritische Töne dazu, dass seit 2007 auch Nicht-Braumeister Bier brauen dürfen. Es liege auch mit an den Verbrauchern, ob in ein paar Jahren noch richtig gutes Bier zu haben sei oder „Hauptsache billig“ die Oberhand gewinne, sagt Rüde. Die Gewinnspanne stagniere seit Jahren, ist eher noch gesunken, weiß Rüde, und spricht auf die gestiegenen Produktionskosten und die Energiepreise an. Die Zuhörer lauschen gebannt und bekommen so viele Informationen, dass kaum noch Fragen offen bleiben. Inzwischen konzentriert sich die Bärenbrauerei auf die Vermarktung vor Ort, sprich im eigenen Biergarten, dazu kommen Feste sowie ein Partyservice. Von Qualität und Geschmack konnten sich die Teilnehmer bei der anschließenden Bierprobe gleich selbst überzeugen.