Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Lastwagenwerk: Wasserstoff-Truck soll in Serie gehen

CEO Karin Rådström, Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt, Verkehrsminister Volker Wissing, Staatssekretär Andre Baumann und Che
CEO Karin Rådström, Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt, Verkehrsminister Volker Wissing, Staatssekretär Andre Baumann und Chefentwickler Rainer Müller-Finkeldei.

100 Wasserstoff-Lastwagen sollen bis Ende 2026 im Mercedes Benz Werk gebaut werden. Um Entwicklung und Produktion zu unterstützen gab es einen Förderscheck, der 226 Millionen Euro schwer ist.

Um die Wende zum klimaneutralen Lastentransport zu schaffen, will die Daimler Truck AG zweigleisig fahren: Für kürzere Strecken im Verteilerverkehr sollen die Brummis batteriebetrieben unterwegs sein. Der Elektro-Lastwagen eActros ist bereits auf dem Markt. Für weitere Strecken und schwerere Lasten soll es in Zukunft der wasserstoffbetriebene GenH2-Truck richten. Im Juli hatte der Konzern seinen Kunden fünf Prototypen überreicht, die seitdem zu Testzwecken im Alltagsbetrieb eingesetzt werden. Damit das Zukunftsmodell den Sprung in die Serienherstellung schafft, bekommt Daimler nun Unterstützung von Bund und Ländern. Verkehrsminister Volker Wissing, die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) und der baden-württembergische Staatssekretär für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Andre Baumann (Grüne) kamen am Montag nach Wörth, um einen großen Scheck zu überreichen. Forschung und Herstellung des GenH2-Trucks werden mit 226 Millionen Euro gefördert.

„Die Förderung hilft uns, aus dem Prototypen ein Serienmodell zu machen“, sagte Daimler Truck Chefin Karin Rådström. Das Geld werde nicht nur in die Forschung, sondern auch in die Vorbereitung der Produktionsstandorte Gaggenau, Kassel, Mannheim und Wörth fließen. Bis Ende 2026 wolle Daimler 100 Wasserstoff-Lastwagen herstellen und die Produktion dann sukzessive steigern. Voraussetzung dafür sei, dass die Anschaffung für die Kunden wirtschaftlich Sinn macht. Verkehrsminister Wissing sagte, zu dieser Wirtschaftlichkeit wolle der Staat mit dem Aufbau eines Tankstellennetzwerks beitragen: „Da haben wir uns klar commited. Wir werden das machen.“

Bisher gibt es nur zwei Tankstellen

Die Prototypen können momentan nur in Wörth und an einer weiteren Tankstelle bei Duisburg tanken. „Alles spricht dafür dass die Technologie funktioniert und gebraucht wird“, so Wissing. Das sie in Wörth produziert wird, sei wunderbar – auch für die Zukunft des Standorts. Der Minister lobte die Risikobereitschaft des Unternehmens. Um die Förderung war lange gerungen worden, Daimler schießt nach wie vor viel Eigenkapital in die Entwicklung.

Daniela Schmitt (FDP) sagte, in politisch bewegten und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sei der Förderbescheid ein gutes Signal für den Innovationsstandort Südwesten. Zwischen Elektro und Wasserstoff dürfe es kein entweder-oder geben. Stattdessen sei es wichtig, „das Machbare in den Mittelpunkt zu stellen.“ Andre Baumann (Grüne) philosophierte, das Automobil würde gerade neu erfunden. „Die Automobiliät hat bei uns Wohlstand und Beschäftigung geschaffen. Wir wollen dafür sorgen, dass es so bleibt. Wir wollen die Klimaziele erreichen und gleichzeitig den Wohlstand erhalten.“

Wie Pressesprecher Paul Mandaiker informiert, umfasst das Förderprojekt, das im Rahmen des IPCEI- (Important Project of Common European Interest) Wasserstoff-Programms der Europäischen Union entstanden ist, sowohl fahrzeug- als auch produktionsbezogene Aktivitäten. Neben der Entwicklung der Fahrzeuge und dem Aufbau und Betrieb der Lkw würden die Fördermittel auch für Machbarkeitsstudien in Bezug auf die Wasserstofflieferkette sowie notwendige Produktionsanlagen und -prozesse in Vorbereitung auf eine geplante Serienproduktion verwendet.

Standorte in Deutschland wichtig

„Wichtige Komponenten sollen an verschiedenen deutschen Produktionsstandorten aufgebaut und für die Endmontage bereitgestellt werden. Beteiligt sind unter anderem die Werke Kassel (elektrische Antriebsachse) und Mannheim („Tech-Tower“). Die Brennstoffzellen sollen aus der Pilotproduktion von cellcentric in Esslingen kommen und im Werk Gaggenau zu einem Brennstoffzellen-System montiert werden“, so Mandaiker.

Der Aufbau der auf Basis des Mercedes-Benz GenH2 Truck weiterentwickelten Sattelzugmaschinen solle im Mercedes-Benz Werk Wörth stattfinden und die Fahrzeuge voraussichtlich ab Ende 2026 bei verschiedenen Kunden in den Praxisbetrieb gehen.

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