Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Langjähriger Tenor denkt nicht ans Aufhören

Sänger Hans Werle.
Sänger Hans Werle.

„Was wird aus dem traditionellen Chorgesang?“ Fast etwas wehmütig, so scheint es, denkt der langjährige aktive Sänger Hans Werle über die Zukunft des Chorgesanges nach. Und das ganz kurz, nachdem er eine weitere Ehrenurkunde in Empfang nehmen durfte.

Sechseinhalb Jahrzehnte, 65 Jahre hält Hans Werle seinem Verein, dem Männergesangverein „Frohsinn“ aus Kandel, nunmehr schon die Treue. Auch dafür, dass der herausragende Sänger mit der Tenorstimme bei vielen Veranstaltungen auch als Solist glänzte und dafür sorgte, dass der „Frohsinn“ stets viel Beachtung fand, erhielt er nun eine Ehrenurkunde.

Die Beachtung dauerte indes nur bis zum Beginn der Corona-Pandemie. Denn diese bremste den Männergesangverein aus. Wie andere, hoffte Werle auf ein baldiges Ende der Pandemie und darauf, dass „sein“ Chor bald wieder mit Leben erfüllt werden kann. Doch dazu bedarf es auch einer genügenden Anzahl von Sängern, vor allem aus den jüngeren Jahrgängen, die die Zukunft des Chorgesanges sichern könnten. Er selbst war schon früh – er glaubt mit gerade mal 14 Jahre – für den Gesang begeistert worden. Sein Vater habe ihn ermuntert, doch in die Singstunde des Vereins mitzugehen. Für den Oberkandeler Bub war die Entscheidung für den „Frohsinn“ eine Selbstverständlichkeit. Schließlich wohnte er nicht weit vom langjährigen Probenlokal, dem „Pfälzer Hof“ entfernt.

Nicht ohne Fußball

Dass Hans Werle daneben nicht aufs Fußballspielen verzichten musste, war ganz wichtig. Hier spielte er noch bei den Alten Herren gerne mit. Aber auch „das Singen ließ mich nicht mehr los“, erzählt der bald 80-Jährige heute.

Es war der damalige Dirigent Karl Jobin, der Werles Talent entdeckte und ihn in den Ersten Tenor setzte. Einige Jahre später, 1969, übernahm der junge Winfried Quarz den renommierten Chor aus Oberkandel. Bis heute nicht vergessen habe er die allererste Singstunde mit Quarz, der am vereinseigenen Klavier saß und mit den Sängern die Lieder für die bevorstehende Weihnachtsfeier einstudierte. „Sein Klavierspiel und seine sonore Bassstimme beeindruckten mich sehr“, sagt Werle über den 2016 verstorbenen Chorleiter, der auch seine Entwicklung als Sänger maßgeblich gefördert hatte.

Werle sang nämlich nicht nur im „Frohsinn“. Er ließ sich auch ausbilden und übernahm bald die Aufgabe des Vize-Chorleiters. Darüber hinaus trat er als Gesangssolist gerne bei Messen und Konzerten Kirchenchören in Wörth und in Kandel auf. Bei zahlreichen Hochzeitsfeiern in mehreren Kirchen der Südpfalz war der Tenor zu hören, der sich noch sehr gerne an sein Mitwirken in mehreren Gesangsensembles erinnert. Mehrere Jahre war er Mitglied im renommierten „Südpfälzer Kammerchor“. Einstudierungen von Werken in lateinischer Sprache gefielen ihm besonders gut.

Stimme für die Fasnacht

Werle, von Beruf Schriftsetzer, wurde auch zu Betriebsjubiläen engagiert, etwa als Mitglied im „Badenia Chor“. Und schließlich stellte er sich, von Anfang an bis zum heutigen Tage, als wichtiger Sänger, Solist und auch als Ideengeber einer närrischen Institution zur Verfügung, bei der er schon so vieles erlebt hat. Ein Auftritt des „Krautkopteams“ der Kandeler „BiKaGe“ ist ohne den Träger des „Goldenen Löwen“ fast undenkbar. Eigentlich werden hierfür das ganze Jahr über Ideen und Melodien gesammelt, erzählt er. Denn die etwa zehn Gesangsnummern bei einer Prunksitzung müssten schließlich so sitzen. Und zwar so, dass sie die Zuschauer gewissermaßen von den „Stühlen reißen“. Dem „Krautkopfteam“ sei das bisher meist gelungen. Aber auch hier hat Corona zugeschlagen und eine schon zweijährige Zwangspause verordnet. Für einen Narren wie für einen Sänger ist das schon schwer zu ertragen.

Hans Werle ist als Sänger weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Kandel hinaus bekannt geworden. Wenn es nach ihm geht, möchte er seinen Vereinen weiterhin zur Verfügung stehen – nicht nur des Singens wegen. „Schön waren immer auch die Nach-Singstunden“, gesteht er. Und auch, dass ihm wie seinen Sängerkameraden die vertraute Umgebung im Saal des „Pfälzer Hofes“ fehlt. Dort habe man viele schöne Stunden erlebt, die Werle auch in einem für sich privat gestalteten Bildband festhielt. Darin blättert er hin und wieder und hofft auf eine Zukunft für den Chorgesang.

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